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Feuerwehrleute zersägen am 25.07.2015 in Dorsten (Nordrhein-Westfalen) Teile eines Baumes, die die Straße nach Lembeck versperren. Wind und Sturm haben am Samstag im Land zu kleineren Schäden geführt.

Neue Unwetter

Sturmtief "Zeljko": Ein Toter in den Niederlanden

Berlin - Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer ungewöhnlich heftigen Sturmlage. In etlichen Bundesländern drohen orkanartige Böen. Besonders gefährlich: Die voll belaubten Bäume bieten viel Angriffsfläche.

Ein schwerer Sturm mit Böen in Orkanstärke und Gewittern zieht aus dem Westen über Deutschland heran und hat erste Schäden angerichtet. Sturmtief „Zeljko“ fegte am Samstag über die Niederlande: Ein umstürzender Baum erschlug einen Autofahrer. Orkanartige Böen behinderten den Verkehr in weiten Teilen des Landes. Auch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen kam es zu Störungen im Bahnverkehr. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab Warnungen für Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen heraus. Mehrere Großveranstaltungen wurden vorsorglich abgesagt.

An der niedersächsischen Nordseeküste werden Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometern erwartet, teilte die DWD-Meteorologin Jutta Perkuhn in Hamburg mit. Auf dem Brocken im Harz pfiff der Wind mit Tempo 113 Kilometer pro Stunde, so der DWD in Leipzig. Auch in Schleswig-Holstein wappneten sich Helfer für das erwartete Unwetter an der Küste. „Wir bereiten uns darauf vor wie auf einen Herbststurm“, sagte ein Leitstellensprecher. „Zeljko“ sollte von der Nordsee über Dänemark bis nach Schweden ziehen.

Die Sturmlage sei für den Sommer „ungewöhnlich heftig“, hieß es vom DWD in Offenbach. Gegen Abend sollte sich „Zeljko“ bis an die Nordsee vorarbeiten. In der Mitte Deutschlands könne der Wind Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern erreichen. Zu erwarten seien auch Gewitter mit Regen und Starkregen, die wichtigere Rolle spiele aber der schwere Sturm, erklärte Meteorologin Magdalena Bertelmann.

In Niedersachsen seien von den Sturmschäden die Strecken zwischen Rohrsen und Nienburg (Weser) sowie zwischen Hannover und Hannover-Lehrte betroffen, sagte ein Sprecher der Bahn am Abend in Berlin. Damit war die direkte Verbindung von Hannover nach Berlin unterbrochen. In Nordrhein-Westfalen waren laut Bahn Strecken im Münsterland und am Niederrhein vorübergehend gesperrt, Züge zwischen Rheine und Münster sowie Rees und Emmerich fielen aus.

In den Niederlanden wurde bei Arnheim nahe der deutschen Grenze ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum getötet, wie die Feuerwehr mitteilte. In Amsterdam, Apeldoorn und Rotterdam verletzten herabfallende Ästen und umstürzende Bäume mehrere Menschen. Autobahnen waren gesperrt, der Zugverkehr im Ballungsgebiet um Amsterdam, Den Haag und Utrecht wurde unterbrochen. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol fielen Dutzende Flüge aus. Nach Angaben des meteorologischen Dienstes war es einer der schwersten Sommerstürme der Niederlande überhaupt. An der Küste sei Windstärke zehn gemessen worden.

Unwetter hatten bereits in der Nacht zum Samstag mehrere Regionen in Deutschland getroffen - zu Schäden kam es etwa bei Blitzeinschlägen. Zahlreiche Feste und Events im Freien wurden abgesagt: In Nordrhein-Westfalen stoppte die größte Kirmes am Rhein ihren Betrieb. In Dortmund wurde zur Enttäuschung Zehntausender junger Leute das Musikfestival „Juicy Beats“ abgesagt, in Köln die Sportveranstaltung „Women's Run“. In Niedersachsen fiel das Musikfestival „Wesermove“ in Nordenham aus. In Baden-Württemberg gab es bereits am Freitagabend ein vorzeitiges Ende für das Musik-Open-Air „Das Fest“.

Auch Konzerte wurden abgeblasen, so der Auftritt von Jazzsänger Roger Cicero (45, „Frauen regier'n die Welt“) beim Gießener Kultursommer und ein Open-Air-Konzert des amerikanischen Popsängers Lionel Richie (66) in Mainz.

Starker Wind führte am Samstag in Mülheim an der Ruhr offensichtlich zu einem schweren Arbeitsunfall. Wie die Feuerwehr mitteilte, war eine an einem Kran hängende Last ins Schwingen geraten und gegen die Fahrerkabine eines Radladers gekracht. Dessen Fahrer wurde schwer verletzt. Auch auf den Straßen gab es Unfälle mit Verletzten.

Der DWD warnte, bei Aktivitäten im Freien sei „größte Vorsicht geboten“. Weil die Bäume voll belaubt sind, bieten sie dem Sturm viel Angriffsfläche. Im Süden und Südosten sollte es hingegen relativ ruhigbleiben. In der Nacht zum Sonntag sollte sich das Sturmfeld von Westen her abschwächen und nach Osten und Nordosten ziehen. Am Sonntag herrscht dann sozusagen die Ruhe nach dem Sturm, und es wird vorübergehend ruhiger mit einem Mix aus Sonne und Wolken.

dpa

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