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Prozess um tödlichen Brechmitteleinsatz

Bremen - Mehr als sechs Jahre nach einem tödlichen Einsatz von Brechmitteln bei einem mutmaßlichen Drogendealer im Gewahrsam der Bremer Polizei wird der Fall seit Dienstag neu aufgerollt.

Angeklagt ist vor dem Bremer Landgericht ein 46 Jahre alter Arzt. Er muss sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) den Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung im April des vergangenen Jahres aufgehoben hatte.

Dem Polizeiarzt wird vorgeworfen, dem mutmaßlichen Drogenhändler aus Sierra Leone im Dezember 2004 zwangsweise Brechmittel sowie einige Liter Wasser eingeflößt zu haben. Ziel war es, auf diese Weise an die verschluckten Drogen zu gelangen. Der Mann hatte sich dabei gegen den Würgereiz gewehrt und war ins Koma gefallen und einige Tage später gestorben; die genaue Todesursache ist unklar.

Der Arzt war im Dezember 2008 vom Landgericht freigesprochen worden. Fahrlässigkeit sei ihm nicht vorzuwerfen, hieß es. Der aus Kasachstan stammende Mann sei wegen mangelnder Berufspraxis mit der Situation überfordert gewesen. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt und eine heftige politische Debatte ausgelöst.

Die Nebenklage hatte gegen den Freispruch erfolgreich Revision eingelegt. Nach Ansicht des BGH besteht eine mögliche Schuld des Angeklagten darin, dass er den Brechmittel-Einsatz nach einer ersten Ohnmacht des Opfers unter “menschenunwürdigen Umständen“ fortgesetzt habe. Für das neue Verfahren wurden zunächst 18 Verhandlungstermine anberaumt.

dapd

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