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Für Frauen gibt es ein neues bundesweites Sorgentelefon.

Hotline für Gewaltopfer

Neues Sorgentelefon für Frauen

Berlin - Bedrängt, bedroht, geschlagen: Immer wieder werden Frauen Opfer von psychischer oder körperlicher Gewalt. Seit Mittwoch können Sie sich an ein neues Sorgentelefon wenden.

Als sie beim Frühstück etwas Kaffee verschüttet, schlägt er ihr plötzlich die Tasse aus der Hand. Von Angst getrieben springt die Frau auf und flüchtet vor ihrem wütenden Ehemann ins Wohnzimmer, der sie einholt und an den Haaren zurückzieht. Dann drängt er sie in eine Ecke, hebt die Hand über ihr Gesicht - und schlägt zu. Der Werbespot für ein am Mittwoch gestartetes Sorgentelefon zeigt, was für viele Frauen in Deutschland zum Alltag gehört: Drohungen, Übergriffe und rohe Gewalt.

Die Statistik ist erschreckend: 40 Prozent aller Frauen in Deutschland erfahren mindestens einmal im Leben körperliche oder sexuelle Gewalt. Und nur jede Fünfte, die bedrängt, belästigt, bedroht oder geschlagen wird, findet auch den Weg zu geeigneten Hilfestellen. Ein bundesweites Sorgentelefon soll nun mehr Opfern helfen, nach solch schlimmen Erfahrungen den Neuanfang zu meistern. Fünf Millionen Euro stellt das Familienministerium dieses Jahr für die neue Hotline bereit, sechs Millionen Euro sollen es 2014 sein.

Wer künftig die kostenlose Nummer 08000 116016 anruft, soll rund um die Uhr Rat und Beistand für alle Formen des Übergriffs erhalten - ganz gleich ob häusliche Gewalt, Stalking, Cybermobbing oder die unterschwellige sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Insgesamt 60 Expertinnen suchen in einer bundesweiten Datenbank nach passenden Hilfsangeboten vor Ort. Dolmetscherinnen für 15 Sprachen stehen für Migrantinnen zur Verfügung, die häufiger betroffen sind als Deutsche.

Gerade von dieser Lotsenfunktion erhoffen sich die Macher einen Erfolg, denn die Fülle an Beratungsangeboten in Deutschland ist kaum zu überblicken. Es gibt Angebote für Vergewaltigte, für russische und muslimische Frauen, für Pflegebedürftige oder Mütter mit Kindern. Deshalb gebe es „keine Patentlösungen, keine vorgefertigten Standardantworten und keine festgeschriebenen Wege“, sagt die Leiterin des Hilfetelefons, Petra Söchting.

Doch eine Hotline allein löst das Problem nicht, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Mona Küppers. „Allein in Deutschland suchen rund 40 000 Frauen jährlich mit ihren Kindern Zuflucht in Frauenhäusern.“ Diese müssten deshalb angemessen finanziert werden. In diesen Einrichtungen helfen meist ehrenamtliche Mitarbeiter den Betroffenen, Anzeige zu erstatten, eine neuen Wohnung zu suchen oder bei familienrechtlichen Fragen.

Heike Ritterbusch vom Vierten Frauenhaus Cocon in Berlin pflichtet Küppers bei. Die Berliner Häuser hätten kaum noch Plätze frei, immer wieder müssten sie Frauen abweisen. Die neue Hotline könnte dieses Problem noch verstärken, sagt Ritterbusch. „Das könnte sich wirklich so entwickeln, dass die Anzahl der Frauen, die wir nicht aufnehmen können, noch größer wird.“

dpa

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