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Alternative zum 9-Euro-Ticket? „Klimaticket“ sorgt in Österreich für Zug-Chaos

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In Deutschland wird gerade über die Nachfolge des 9-Euro-Tickets diskutiert. Ein Vorreiter in Sachen ÖPNV ist Österreich. Doch der Erfolg des Klimatickets löst auch hier Chaos aus.

Wien - Ende August läuft das 9-Euro-Ticket in Deutschland aus. Politiker und Verkehrsexperten diskutieren darüber, wie es nach den drei Monaten im deutschen Nah- und Fernverkehr weitergehen soll. Bei der Diskussion lohnt sich auch ein Blick ins Nachbarland Österreich: Hier gibt es schon seit Oktober 2021 das vergünstigte „Klimaticket“.

Österreichisches „Klimaticket“ als Vorbild für Deutschland?

Ein ganzes Jahr für 1095 Euro durch ganz Österreich fahren: Das ermöglicht das Klimaticket, das das österreichische Umweltministerium im Oktober 2021 einführte. Anders als das 9-Euro-Ticket gilt dieses Ticket nicht nur für einen bestimmten Aktionszeitraum. Es kann jederzeit in ganz Österreich erworben werden. Ein weiterer Vorteil: Das Klimaticket gilt für alle Fernzüge.

Verglichen mit dem 9-Euro-Ticket wirkt das Klimaticket erstmal teuer. Doch verglichen mit ähnlichen Modellen ist das Klimaticket noch vergleichsweise billig. Mit der Bahncard 100 können Bahnfahrende ein Jahr lang unbegrenzt die Züge der Deutschen Bahn sowie viele Nahverkehrsmittel und Busse nutzen. Hier kostet das Ticket jährlich allerdings 4144 Euro für die zweite Klasse.

Zahllose Reisenden stürmen am Essener Hauptbahnhof die Züge.
Überfüllte Züge gibt es gerade auch in Österreich. Hier löst das Klimaticket teilweise Chaos aus. (Archivbild) © IMAGO/Gottfried Czepluch

Erfolg des Klimatickets wird zum Nachteil: Bahnchaos in Österreich

In Österreich ist das Klimaticket bislang erfolgreich: Wie das österreichische Umweltministerium informiert, wurden insgesamt über 170.000 Tickets verkauft. Die Kosten für das Projekt belaufen sich demnach auf bisher 121 Millionen Euro. Doch der Erfolg hat auch seine Nachteile.

In den österreichischen Medien häufen sich Schlagzeilen über überfüllte Züge und Räumungen. Besonders in der Ferienzeit steigt das Passagieraufkommen stark an. Laut der Wiener Zeitung wurden in den Ferien 13.000 zusätzliche Plätze zur Verfügung gestellt. Doch die Züge sind trotzdem voll. Da die Tickets nicht automatisch mit einer Sitzplatzreservierung einhergehen, sind die Bahnen häufig überbelegt.

Ist eine Reservierungspflicht die Lösung des Bahnchaos?

Wenn dadurch die Sicherheit im Zug nicht mehr gewährleistet werden kann, weil Fahrgäste zum Beispiel vor Notausgängen stehen, kann die Bahn diese bitten auszusteigen. „Daher kann es vorkommen, dass wir Reisende ohne Reservierung bei besonders vollen Zügen bitte müssen auf die nächste Verbindung auszuweichen. Meist sind dies Reisende die nur eine kurze Strecke mit dem Fernverkehr zurücklegen möchten“, erklärte ein ÖBB-Sprecher auf Nachfrage von Merkur.de.

Wie oe24 berichtet, mussten deshalb seit Mai über 1500 Fahrgäste den Zug trotz gültigem Ticket wieder verlassen. 25 Züge mussten komplett geräumt werden. Am häufigsten von Überfüllung betroffen seien die Strecken Wien-Kärnten und Wien-Lienz. In Österreich wird nun diskutiert, ob das Klimaticket Schuld am Bahn-Chaos ist. Auch hierzulande gibt es immer wieder Berichte über überfüllte Züge und Chaos durch das 9-Euro-Ticket. Bei der österreichischen Bahn wird dafür nun an einer Lösung gefeilt: Die ÖBB denkt über eine Reservierungspflicht nach. Deutschland könnte bei der Nachfolge des 9-Euro-Tickets jedenfalls aus den Fehlern des Nachbarlandes lernen. (sf)

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