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Landgericht Limburg

Verhandlungen haben begonnen

Neun Jahre Haft: Mutter tötet eigenes Baby

Monatelang verhandelt das Landgericht Limburg den Fall eines spurlos verschwundenen Babys. Am Ende sind die Richter überzeugt, dass die Mutter es tötete.

Limburg - Ein Baby verschwindet im Dezember 2015 kurz nach seiner Geburt. Bis heute ist das genaue Schicksal des Mädchens trotz intensiver Suche unklar. Sicher ist für das Landgericht Limburg (Hessen) aber eines: Das Kind ist tot - umgebracht von der eigenen Mutter. „Wir sind überzeugt, dass die Angeklagte ihr Kind getötet und die Leiche entsorgt hat“, begründet der Vorsitzende Richter am Donnerstag das Urteil, das auf Totschlag lautet. Neun Jahre soll die 23 Jahre alte Angeklagte aus dem mittelhessischen Waldsolms dafür in Haft.

Die Version der jungen Frau zum Verbleib ihres kerngesund geborenen Babys nennt der Richter eine „Phantasie-Geschichte“, für die Beweise fehlen. In dem seit sieben Monate laufenden Indizienprozess hat die Angeklagte zwar geschwiegen. Bei Vernehmungen der Polizei hatte sie aber gesagt, das Kind noch am Tag der Geburt dem Vater übergeben zu haben. Das Baby sei nicht von ihrem Freund, sondern von einer Disco-Bekanntschaft, einem aus dem Ausland stammenden Mann namens Jay-Jay. Allerdings: Wie von dem Baby fehlt auch vom angeblichen Vater jede Spur. Auch intensive Ermittlungen führten nicht zu ihm.

Die Verteidigung hatte in ihrem Plädoyer Freispruch für die junge Frau gefordert. Sie sprach von „reinen Spekulationen“, was geschehen sein könnte. Die im Prozess gewonnenen Erkenntnissen reichten für eine Verurteilung nicht aus.

Die Angeklagte nimmt am Donnerstag das Urteil äußerlich ruhig und gefasst auf. Ihr Blick ist zu Boden gerichtet, die Wangen gerötet. Bei manchen Worten des Vorsitzenden Richters schüttelt sie den Kopf.

Das Gericht stützt sich bei seinem Urteil unter anderem auf die Aussagen von 74 Zeugen, die an 23 Prozesstagen befragt wurden. Aus Sicht der Richter ereignete sich Folgendes:

Die 23-Jährige hat bereits zwei Kinder. Beide Schwangerschaften verheimlichte sie zunächst vor ihrer Familie. Das erste Kind, eine kleine Tochter, behielt sie auf Druck der Familie und gab es anders als geplant nicht zur Adoption frei. Das zweite Kind, ein Junge, kam dagegen zu Adoptiveltern. Und dann folgte 2015 die dritte Schwangerschaft. Auch diese hielt die junge Frau geheim. „Bei der Angeklagten verfestigte sich immer weiter der Wunsch, kein weiteres Kind zu wollen“, sagt der Richter.

Die Angeklagte brachte das Baby, so die weiteren Ausführungen des Vorsitzenden, in einer Gießener Klinik zur Welt. Es sei die „Geburt des Jahres“ gewesen, hatte ein Arzt über die komplikationslose Ankunft des 2950 Gramm schweren Mädchens gesagt. Wenige Stunden später verließ die Mutter mit ihrer Tochter im Arm das Krankenhaus. Danach wurde das Baby nie wieder gesehen.

Die Richter gehen davon aus, dass die Mutter ihre Tochter nicht irgendwo sich selbst überlassen, sondern „aktiv“ getötet habe. Wie, sei offen. Genauso wie die Art, wie die Leiche verschwand. Die Staatsanwaltschaft hält es für möglich, dass die Angeklagte das Kind über eine Tonne für Wildabfälle verschwinden ließ.

Es sei ein schwieriger Indizienprozess gewesen, sagt der Anklagevertreter nach dem Urteil. Ursprünglich war die Staatsanwaltschaft von Mord ausgegangen. Die dafür nötigen niederen Beweggründe - in dem Fall „krasse Selbstsucht“ - hätten der 23-Jährigen aber nicht nachgewiesen werden können. „Die Motive der Tat konnte dieser Prozess nicht aufklären, so dass zugunsten der Angeklagten von einem Totschlag ausgegangen wurde“, erläutert der Anklagevertreter weiter. Auch die Staatsanwaltschaft war am Ende von Totschlag ausgegangen und hatte elf Jahre Haft gefordert.

Die Entscheidung des Gerichts ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung will sich nun das schriftliche Urteil genau anschauen. Angaben dazu, ob sie in Revision gehen wird, wurden nicht gemacht.

dpa

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