Arzt verstümmelte Patienten

Neurochirurg in Texas: Kokain und Wodka vor OPs

Dallas - Er machte seinen besten Freund zum Querschnittsgelähmten: Ein Neurochirurg hat in Texas jahrelang im Alkohol- und Drogenrausch operiert. Das enthüllte nun die Klage eines Patienten.

Er verstümmelte Patienten und machte sogar seinen besten Freund zum Querschnittsgelähmten: Das Privatkrankenhaus „Baylor Regional Medical Center of Plano“ in Dallas hat einen Neurochirurgen beschäftigt, der im Drogenrausch operierte – und das über Jahre. Das enthüllt jetzt die Klage eines ehemaligen Patienten.

Dr. D. hatte 2010 nach bestandener Prüfung eine Facharzt-Stelle in der texanischen Klinik bekommen. Obwohl seine Chefs laut Klage wussten, dass D. bereits während seiner Ausbildung wegen Kokainkonsum vor einer Operation für drei Tage suspendiert worden war.

"Er hatte keine Ahnung, was zu tun war"

Chirurg Dr. Rendall Kirby assistierte D. bei seinem ersten Eingriff: „Er wusste nicht, wie er mit den Werkzeugen umgehen sollte. Er hatte keine Ahnung, was als nächstes zu tun war.“

Neurochirurg Dr. D soll in den USA im Drogenrausch operiert haben.

Bei Patient Barry Morguloff sollten zwei Rückenwirbel durch eine Metallplatte verbunden werden. Dr. Kirby erinnert sich: „Dr. D. streifte die Wirbelsäulenschlagader des Patienten. Alles war voller Blut. Er hatte Probleme, die Metallplatte an der richtigen Stelle zu platzieren.“ Als Morguloff aufwachte, spürte er sein linkes Bein nicht mehr. Kollegen beschwerten sich bei der Ärztekammer. Sie beschrieben D. als „gefährliche Drogenmaschine.“ Es hieß: Der Arzt trank Wodka am Morgen, nahm Pillen und konsumierte Kokain. Dann ging er in den OP-Saal.

Auch Jerry Summers vertraute sich mit einer Wirbelsäulenoperation seinem langjährigen Schulfreund D. an. Während des Eingriffs verletzte der Neurochirurg eine Arterie und versuchte, den Blutfluss mithilfe von Schwämmen und Verdichtern zu stoppen.

Als Summers aufwachte, konnte er weder Arme noch Beine bewegen. D. hatte die Wirbelsäule durch die “Stopfmaßnahmen” irreparabel beschädigt.

Eine Patientin starb

Dr. Kirby: „D. wurde 30 Tage suspendiert. Offiziell durfte er anschliessend nur unter Beaufsichtigung operieren.“ Doch bei der Operation von Kellie Martin führte er solo das Skalpell. Ein Routine-Eingriff, wie bei Jerry Summers.

Doch die Folgen waren noch schlimmer. D. zum Ehemann der Patientin: „Es hat Komplikationen gegeben, aber der Eingriff ist erfolgreich verlaufen.“ Stunden später war Kellie Martin tot. Das „Baylor Regional Medical Center“ bat, den Arzt zu kündigen.

Mithilfe seines Anwalts bekam D. aber noch ein Empfehlungsschreiben, mit dem er sich beim „Dallas Medical Center“ bewarb. Schon bei seiner zweiten Operation am neuen Arbeitsplatz starb eine Patientin. Dr. Robert Henderson, ebenfalls Neurochirurg am „Dallas Medical Center“, schlug Alarm.

„Dieser Typ muss aus dem Verkehr gezogen werden.“ Zwar wurde der Skandalarzt im Juli 2012 vom „Dallas Medical Center“ entlassen, aber er operierte weiter an anderen Krankenhäusern. Laut Berichten mussten noch zwei Patienten büßen, dass sie von D.s schlimmer Vorgeschichte nichts wussten. Einer erlitt eine Lähmung der Stimmbänder und der andere erwachte aus der Narkose und war von der Taille abwärts gelähmt.

ds

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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