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Der zerstörte Parmeson landet in den Niederlanden.

Ungewöhnliche Hilfsaktion

„Käseköpfe“ retten italienischen Parmesan

Beesd - Fast 8000 Niederländer haben ein Stück italienischen Parmesankäse „adoptiert“. Damit unterstützen sie Bauern in der vom Erdbeben getroffenen italienischen Region Emilia Romagna.

„Die Käselaibe wurden beim Erdbeben im Mai beschädigt und sind daher unverkäuflich“, erklärte der Initiator der Aktion „Rette einen Käse“, Samuel Sanders, am Donnerstag. Ein Lastwagen mit 11 500 Kilogramm Parmesan wird an diesem Wochenende in den Niederlanden, die selber Käse produzieren und exportieren, ankommen.

Sanders, der viele persönliche Kontakte in Norditalien hat, startete die Aktion gemeinsam mit einem Kollegen. Über Twitter und Internet meldeten sich in kürzester Zeit fast 8000 Niederländer, die wegen ihrer Vorliebe auch schon mal als „Käseköpfe“ tituliert werden. Vorab bezahlten sie rund 25 Euro für 1,5 Kilogramm Käse. In der nächsten Woche können sie ihren „adoptierten“ Käse bei einem Markt auf einem Landgut in Beesd in der Provinz Gelderland abholen.

„Die Bauern in Italien haben das Geld bereits bekommen“, sagte Sanders. Die Hilfe aus Holland sei aber nur ein kleines Trostpflaster. Bei dem Erdbeben waren nach Angaben von Sanders mehr als 600 000 Käselaibe zerbrochen und konnten daher nicht mehr als echter Parmigiano Reggiano verkauft werden. „Der ökonomische Schaden in der Region ist enorm.“ Im Herbst soll die Aktion „Rette einen Käse“ wiederholt werden.

Das Erdbeben im Mai hatte das Zentrum der italienischen Parmesanregion getroffen. Die 40 Kilogramm schweren Laibe reifen auf sieben oder acht Meter hohen Gestellen. Und die brachte das Beben zum Einsturz, die Laibe wurden beschädigt. Teils wurde die Arbeit eines Jahres vernichtet - denn der Parmesan muss etwa 15 Monate reifen. Die Bezeichnung „Parmesan“ ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung - der Käse muss tatsächlich aus der Region kommen. Von etwa 3,3 Millionen Laiben jährlich gehen 800 000 in den Export - den gesamten Rest verspeisen die Italiener selbst. Bei einem Kilopreis von gut 15 Euro ist ein 40-Kilo-Laib schon gut 600 Euro wert. Der Parmesan hat eine sehr lange Tradition. Historische Quellen beschreiben den Käse bereits im 13. Jahrhundert.

dpa

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