Eine Frau zieht ihre Kapuze weiter ins Gesicht um sich auf der London Bridge bei einem heftigen Regenschauer zu schütze
+
Unter dem Begriff Niederschlag versteht man Wasser, das aus der Atmosphäre auf die Erde gelangt

Niesel, Regen, Schnee und Co.

Niederschlag: Diese Arten gibt es

Der Oberbegriff Niederschlag umfasst alle Formen, in denen Wasser von der Atmosphäre auf die Erde trifft. Je nach Temperatur und weiteren Umweltbedingungen kann es unterschiedliche Aggregatzustände annehmen.

  • In der Metrologie ist Niederschlag Wasser, das aus Wolken, Nebel oder Dunst stammt und auf die Erdoberfläche fällt.
  • Neben Wasser befinden sich auch kleinste Schwebeteilchen wie Staub oder Ruß in den verschiedenen Niederschlägen.
  • Die Niederschlagsmengen hängen unter anderem von den klimatischen regionalen Bedingungen ab. So gehen innerhalb von Deutschland lagebedingt sehr unterschiedliche Mengen nieder.

Offenbach – In seiner Niederschlagskarte gibt der Deutsche Wetterdienst die Tagesmenge an Regen, Schnee, Hagel und anderen Niederschlägen für das ganze Land bekannt. Dabei zeigen sich regional deutliche Unterschiede. So regnet es etwa in Meeresnähe häufiger als im Landesinneren. Auch weltweit variieren die Mengen und die Art der Niederschläge gravierend.

Niederschlag: Definition

Laut meteorologischer Definition besteht Niederschlag aus Wasser inklusive verschiedener Verunreinigungen aus der Umwelt. Das Gemisch erreicht die Erde in flüssiger oder fester Form. Es stammt aus unterschiedlichen Quellen:

  • Wolken
  • Nebel
  • Dunst
  • hoher Luftfeuchtigkeit (wasserdampfhaltiger Luft)

Niederschlag kann auf die Erde aufgrund der Schwerkraft herabfallen – beispielsweise in Form von Regen – oder sich auf andere Weise manifestieren. Dazu gehören Oberflächenvereisungen wie Raureif oder Kondensation auf Objekten. Auch Wasser, das vom Wind aufgewirbelt wird und den Boden (vorerst) nicht erreicht, wird als Niederschlag definiert.

Niederschlag: Ein Überblick über die verschiedenen Formen

Wasser kann verschiedene Zustände annehmen und so das Wetter bestimmen. Man unterscheidet zwischen festen und flüssigen Niederschlagsformen, zwischen fallenden, sich ablagernden oder abfließenden, angelagerten und kondensierten.

Zu den flüssigen Niederschlägen zählen die folgenden:

  • Regen: Wasser in Tropfenform, kann auch als Niesel-, Schlagregen oder Eisregen auf die Erde treffen
  • Nebeltau: Wasser in sehr kleiner Tropfenform, verursacht geringe Mengen an Niederschlag

Auch Niederschlag in fester Form nimmt verschiedene Ausprägungen an. Diese zählen zu den häufigsten:

  • Schnee: Wasser in lockerer, fester Form, das sich ab einer Temperatur von minus zwölf Grad zu Schneeflocken zusammenballt
  • Graupel: unregelmäßig geformte, lufthaltige gefrorene Körnchen, können zwei bis fünf Millimeter groß werden
  • Hagel: gefrorene Regentropfen aus einem Kondensationskern und mehreren Eisschichten; können auch aus mehreren Einzelkörnern zusammengesetzt erscheinen
  • Tau: Wasserdampf, der an Objekten kondensiert und sich in Form feiner Wassertropfen absetzt
  • Reif: gefrorener Wasserdampf, der sich zu bis zu fünf Millimeter großen Eiskörnern entwickelt

Darüber hinaus gehören weitere Zustände von Wasser laut Definition zu Niederschlägen:

  • Regenpfützen
  • Schneeschmelze
  • Nebeltau
  • Kondenswasser
  • Schwimmschnee
  • Schneematsch
  • Eisblumen und Eiszapfen

Niederschlag: Wie entsteht er?

Wasserdampf gelangt auf verschiedenen Wegen in die Atmosphäre: zum einen durch Verdunstung, zum anderen durch Sublimation, den Übergang eines Stoffes vom festen in gasförmigen Zustand. Mit ihnen steigen auch sogenannte Kondensationskeime auf. Dabei handelt es sich um Verschmutzungen wie Staub-, Ruß- oder Salzpartikel. Sie sind entscheidend an der Wolkenbildung beteiligt. Ohne sie wären die Dampfpartikel so klein, dass sich Wolken schwerer bilden würden. In vorindustriellen Zeiten dienten von Pflanzen freigesetzte organische Moleküle als Kondensationskeime.

Damit die kondensierten Teilchen als Niederschlag auf die Erdoberfläche fallen können, müssen sie eine bestimmte Größe erreicht haben. Regen, Schnee und weitere Arten schließen damit den Wasserkreislauf: Sie fallen auf die Erde, kondensieren und steigen wieder auf, um erneut herabzufallen.

Niederschlag lässt sich unter bestimmten Bedingungen auch künstlich herstellen. Dabei werden synthetische Eiskeime, etwa in Form von Silberionen, in unterkühlte Wolken ausgebracht. Zum Einsatz kommt diese Methode etwa in den sogenannten Hagelflugzeugen. Sie dienen der Abwehr von Hagelschäden, in dem Sie diese Art des Niederschlags verhindern oder abmildern.

Niederschlag: Wie lassen sich Niederschlagsmengen messen?

Der Deutsche Wetterdienst gibt für jeden Ort in Deutschland die tägliche Menge an Niederschlag an. Um diese Daten zu erheben, werden Niederschlagsmesser verwendet. Sie bestimmen, wie viele Wassermengen in einem bestimmten Zeitintervall fallen. Dabei wird in der Regel nicht nur Regen, sondern auch Schnee, Hagel und Graupel mit erfasst.

Ein Niederschlagsmesser ist fester Bestandteil aller Wetterstationen. Meteorologen dient er, neben seiner Kernfunktion, als Vorhersageinstrument für das kommende Wetter. Auch langfristige Statistiken werden mithilfe des Messgeräts erhoben.

Automatische Ausführungen arbeiten mit einer sogenannten Kippwaage oder einem Kipplöffel. Dabei füllt sich eine Schale mit Niederschlagswasser, kippt nach unten und entleert sich, sobald sie ein bestimmtes Gewicht erreicht hat. Aus der Anzahl der Kippbewegungen errechnet man die Menge an Regen und Co.

Moderne Ausführungen arbeiten mittlerweile vielfach nach dem Wägeprinzip. Das Wasser wird ebenfalls in einer Schale gesammelt, die auf einer Waage aufgebracht ist. Ein Milliliter Wasser entspricht exakt einem Gramm. Die Systeme erlauben es so, die Menge zu messen, ohne Kippbewegungen auszurechnen.

Niederschlag: So funktionieren Vorhersagen

Wie wird das Wetter? Die Niederschlagsvorhersage soll es verraten. Dafür greift man in Deutschland auf Daten des Deutschen Wetterdiensts sowie von weiteren europäischen und internationalen Instituten zurück. Dank eines weiten Netzes von Wettersatelliten und der stetig wachsenden Rechenleistung lässt sich das Wetter mit einer hohen Zuverlässigkeit für bis zu sieben Tage in der Zukunft mit hoher Genauigkeit vorhersagen. Trends sind bis zu rund 15 Tagen möglich.

Ein Niederschlagsradar zeigt an, wo mit welchen Mengen in den kommenden Stunden oder Tagen zu rechnen ist. Dabei bedient man sich der Radartechnik: Diese sendet regelmäßig Signale aus, die zum Teil vom Niederschlag zurückgesendet werden. Je mehr Rückkopplung erfolgt, desto stärker fällt er aus.

Sogenannte Regenwahrscheinlichkeiten, wie man sie etwa in vielen Wetter-Apps findet, berechnen die Möglichkeit von Niederschlägen anhand der allgemeinen Wetterlage. Eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent besagt folglich, dass es in 60 von 100 Fällen mit ähnlichen Wetterlagen geregnet – oder geschneit – hat. Die Vorhersage gibt keine Auskunft über die Menge und Dauer des Niederschlags.

Niederschlag: Intensitäten im Überblick

Ob es sich bei einem Niederschlag um leichtes Regen-Wetter oder sehr starken Schneefall handelt, ist festgelegt. Die Intensität gibt die Niederschlagshöhe an, sprich, die Menge, die in einem bestimmten Zeitraum gefallen ist.

Die wichtigsten Arten im Überblick:

  • leichter Sprühregen: < 0,1 mm (jeweils innerhalb von 60 Minuten)
  • mäßiger Sprühregen: ≥ 0,1 mm
  • starker Sprühregen: ≥ 0,5 mm
  • leichter Regen: < 2,5 mm (jeweils innerhalb von 60 Minuten)
  • mäßiger Regen: ≥ 2,5 mm bis < 10,0 mm
  • starker Regen: ≥ 10,0 mm
  • sehr starker Regen: ≥ 50,0 mm
  • leichter Schneeschauer: < 0,2 mm (jeweils innerhalb von 10 Minuten)
  • mäßiger Schneeschauer: ≥ 0,2 mm bis < 0,9 mm
  • starker Schneeschauer: ≥ 0,9 mm
  • leichter Hagelschauer: < 0,5 mm (jeweils innerhalb 10 Minuten)
  • mäßiger Hagelschauer: ≥ 0,5 mm bis < 1,7 mm
  • starker Hagelschauer: ≥ 1,7 mm
  • sehr starker Hagelschauer: ≥ 8,3 mm

Niederschlag: Wo gehen die höchsten Mengen nieder?

Im Jahr 2019 lag die Gesamtmenge an Niederschlägen in ganz Deutschland bei 730 Litern pro Quadratmeter. Dabei zeigten sich regional teils starke Unterschiede. Die meisten Regentage verzeichneten im Jahr 2019 der bayerische Ort Balderschwang im Oberallgäu. Innerhalb einer Stunde wurden 93,4 Liter pro Quadratmeter verzeichnet.

Über oder exakt auf dem landesweiten Durchschnitt lagen 2019 die folgenden Bundesländer (in Litern pro Quadratmeter):

  • Saarland (980)
  • Baden-Württemberg (935)
  • Bayern (845)
  • Nordrhein-Westfalen (805)
  • Schleswig-Holstein (795)
  • Rheinland-Pfalz (765)
  • Hamburg (750)
  • Hessen (730)

Die geringsten Mengen fielen 2019 in Sachsen-Anhalt mit 475 Litern auf einen Quadratmeter, gefolgt von Brandenburg (495 Liter).

Auch interessant

Kommentare