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Nord-Stream-Lecks: Wie gefährlich ist das austretende Gas für die Umwelt?

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Von: Michelle Brey

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Vier Gaslecks an den Nord-Stream-Pipelines 1 und 2 bereiten Sorgen. Wie wird sich das austretende Methan auf die Umwelt auswirken?

Berlin - Während die Frage nach dem Verursacher der Gaslecks zunächst unbeantwortet bleibt, wächst die Sorge aus Umweltsicht. Welche Auswirkungen haben die Lecks an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2? Umweltbundesamt (UBA) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gaben Einschätzungen ab.

Gaslecks an den Nord-Stream-Pipelines: Was ist bekannt?

Insgesamt drei Lecks waren nach ersten Druckabfällen Anfang der Woche (26. September) sowohl in einer der Röhren der Nord-Stream-2-Pipeline als auch an beiden Röhren von Nord Stream 1 entdeckt worden. Die Lecks befinden sich in der Nähe der dänischen Insel Bornholm. In der Region wurden Anfang der Woche Explosionen registriert. Die EU und die Nato gehen von Sabotage aus. Die Ukraine und der Westen machten Russland für die Gaslecks verantwortlich. Am Donnerstag wurde ein viertes Leck entdeckt.

Gaslecks an Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2:

Das Umweltbundesamt (UBA) ist nach den Lecks an den Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 besorgt über austretendes Methan. Das geht aus einer Pressemitteilung vom Mittwoch (28. September) hervor. Nach Berechnungen der Behörde führen die Schäden zu etwa 7,5 Millionen Tonnen an sogenannten CO2-Äquivalenten. Das entspreche etwa einem Prozent der deutschen Jahres-Gesamtemissionen, teilte das UBA mit. Die Berechnung stütze sich auf geschätzte Informationen zu Füllzustand und Volumen der beiden Pipelines.

Zur besseren Vergleichbarkeit werden andere Treibhausgase in CO2-Äquivalente umgerechnet. Maßstab ist ihr jeweiliger Beitrag zur Erderwärmung im Vergleich zu Kohlendioxid. Das UBA ging am Mittwoch davon aus, dass durch die Lecks 0,3 Millionen Tonnen Methan in die Atmosphäre gelangen werden.

Deutsche Umwelthilfe über Nord-Stream-Lecks: „Verbleibendes Gas muss sofort abgepumpt werden“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte die Betreiber der Nord-Stream-Pipelines und die deutschen Aufsichtsbehörden auf, das verbleibende Gas aus allen Strängen der Ostsee-Pipelines unverzüglich abzupumpen. „Die Lecks sind ein Superemitter-Event von unvorstellbarem Ausmaß“, sagte Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner in einer Mitteilung. „Das verbleibende Gas muss sofort aus allen Pipeline-Strängen abgepumpt werden.“

Auswirkung der Gaslecks auf den Klimawandel eher gering

„Das Klimageschehen wird dadurch nicht verändert“, schätzte Oliver Schmale, Forscher des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde, am Mittwoch (28. September) ein. Der Wissenschaftler wollte den Schaden, der vom Treibhausgas Methan ausgelöst wird, jedoch nicht kleinreden.

Der Treibhausgaseffekt sei bei Methan rund 25-mal stärker als bei CO2. Durch die Anreicherung der Gase in der Atmosphäre wird von der Erde abgestrahlte Energie - die eigentlich ins All entweichen würde - wieder zurückgeworfen. Rein wissenschaftlich betrachtet würde es Schmale zufolge also Sinn machen, das entweichende Erdgas über der Wasseroberfläche zu entzünden und damit seine Umwandlung zu CO2 auszulösen. Ob dies in der Praxis gangbar ist, könne er jedoch nicht einschätzen. Angaben zufolge besteht das aus der Pipeline entweichende Erdgas zu rund 97 Prozent aus Methan.

Dem Mitarbeiter des Leibniz-Instituts nach dürfte sich aufgrund der mit maximal 88 Metern recht geringen Wassertiefe der Nord-Stream-Schäden auch nur wenig Methan im Wasser lösen. Ein Vergleich: Im Jahr 2010 habe sich das bei der Havarie der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko entweichende Gas aufgrund des hohen Wasserdrucks in großer Tiefe gelöst und sei über Bakterien im Wasser zu CO2 oxidiert.

Welche Auswirkungen haben Gaslecks auf die Meeresumwelt?

Schmale stützte zudem Aussagen der DUH und des Naturschutzbundes, wonach die direkten Auswirkungen auf die Meeresumwelt durch den Methan-Austritt eher lokal beschränkt sein dürften. Zwar könnte dem Wasser in der Umgebung der Lecks Sauerstoff entzogen werden, doch durch die Umwälzung der Wassermassen dürfte sich dieser Effekt der Diffusion von im Wasser gelösten Sauerstoffs in die vom Meeresboden entwichenen Gasblasen in Grenzen halten.

Der Leiter des Ostseebüros des World Wildlife Fund (WWF), Finn Viehberg, forderte dennoch einen genauen Blick: „Die Schäden für die Meeresumwelt müssen umgehend genau analysiert werden. Noch ist unklar, was die Gaslecks für die Organismen in der betreffenden Region bedeuten.“

Nach der mutmaßlichen Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines plant die EU indes Belastungstest für die kritische Infrastruktur. (mbr mit Material von dpa)

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