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Corona in Nordkorea: Immer mehr „Fieber“-Tote bestätigt – Medien sprechen von „Fahrlässigkeit“

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Von: Kathrin Reikowski

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Coronavirus - Nordkorea
Kim Jong Un in einer Nachrichtensendung, die in einem Bahnhof in Seoul zu sehen ist. © Ahn Young-Joon/AP/dpa

Corona-Ausbruch in Nordkorea: Staatliche Medien führen Todesfälle auf „Fahrlässigkeit“ zurück - Kim Jon Un ordnete landesweite Lockdowns an.

Pjöngjang (Nordkorea) - In Nordkorea soll große Unruhe herrschen: Am Freitag seien 174.440 neue Fälle von Fiebererkrankungen registriert worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. Weitere 21 Todesfälle hat die Regierung nach einem mutmaßlich massiven Corona-Ausbruch bestätigt. Insgesamt hat es demzufolge in Nordkorea seit Beginn der Pandemie erst 27 Todesfälle gegeben.

Als Ursache wird „Fieber“ angegeben. Wie viele der 21 Todesfälle auf das Coronavirus zurückzuführen waren, blieb unklar. Experten zufolge verfügt das international isolierte Land nicht über ausreichende Kapazitäten für Massentests. Kim kündigte an, Pjöngjang werde sich bei den landesweiten Lockdowns am Modell Chinas orientieren. Nordkorea sollte „von den Erfahrungen und fruchtbaren Erfolgen“ Chinas lernen.

Corona in Nordkorea: Kim Jong Un spricht von großer Unruhe im Land und ordnet Lockdowns an

Insgesamt erkrankten laut KCNA bislang landesweit 524.440 Menschen an Fieber, davon seien 234.630 inzwischen wieder vollständig genesen. Die Zahl der Todesfälle belaufe sich insgesamt auf 27. Nordkorea hatte am Donnerstag den ersten Corona-Ausbruch seit Beginn der Pandemie vor mehr als zwei Jahren bestätigt. Bei Patienten, die in der Hauptstadt Pjöngjang an Fieber erkrankt waren, wurde demnach die hochansteckende Omikron-Variante BA.2 nachgewiesen. Machthaber Kim Jong Un ordnete landesweite Lockdowns an.

Auf einer Sitzung des Politbüros sagte Kim laut KCNA am Freitag, der Ausbruch habe „große Unruhe“ im Land ausgelöst. Er sei jedoch zuversichtlich, dass „wir diese bösartige Infektionskrankheit innerhalb kürzester Zeit überwinden können“. Auf der Sitzung wurde laut KCNA über die Verteilung von Notfallmedikamenten und Behandlungsmethoden beraten.

Corona in Nordkorea: Staatliche Medien führen Todesfälle auf Fahrlässigkeit zurück

In staatlichen Medien hieß es, die bisherigen Todesfälle seien „auf Fahrlässigkeit, einschließlich einer Überdosierung von Medikamenten, aufgrund mangelnder Kenntnisse über wissenschaftliche Behandlungsmethoden“ zurückzuführen.

Das ohnehin weitgehend abgeschottete kommunistische Nordkorea hatte Anfang 2020 seine Grenzen abgeriegelt, um sich vor der Pandemie zu schützen. Das Land verfügt laut Experten über eines der schlechtesten Gesundheitssysteme der Welt. Nordkorea-Experte Leif-Eric Easley, Professor an der Ewha-Universität in Seoul, deutet die Rhetorik Kims als pessimistisches Signal an die eigene Bevölkerung. „Seine Sprache vermittelt den Eindruck, dass die Lage in Nordkorea sich verschlechtert, bevor sie sich wieder bessert“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Mit seinen Worten könnte der Machthaber „den Weg für internationale Hilfe ebnen“ - oder aber „eine Bevölkerung hinter sich versammeln, die vor weiteren Opfern steht“.

Nordkorea ist von Ländern umgeben, die allesamt schwere Omikron-Ausbrüche hatten oder haben. Anders als in den Nachbarländern gibt es jedoch keine Impfungen: Niemand von den 25 Millionen Einwohnern Nordkoreas ist gegen das Coronavirus geimpft. (dpa/AFDP/kat)

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