Krisenstab tritt zusammen

Magen-Darm-Viren: 6000 Kinder erkrankt

Berlin - In Ostdeutschland haben sich mehr als 6000 Kinder und Jugendliche mit einem Magen-Darm-Erreger infiziert. Noch ist unklar, was genau die Krankheitswelle ausgelöst hat.

Wegen des dramatischen Anstiegs der Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen hat das Bundesernährungsministerium einen internen Krisenstab eingerichtet. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur dpa leiden in fünf Ost-Bundesländern fast 7000 Schüler, Kindergartenkinder und auch einige Lehrer an Durchfall und Erbrechen. Alle Betroffenen haben Kantinenessen vom gleichen Anbieter gegessen. Unter Leitung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurde eine Bund-Länder-„Task-Force“ eingerichtet, die mit den Gesundheitsbehörden die Aufklärung vorantreiben will.

Die Krankheitswelle hat Sachsen, Thüringen, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt erfasst. Zu den ersten Beschwerden war es am Dienstag gekommen. Mecklenburg-Vorpommern blieb nach bisherigen Erkenntnissen verschont. Unklar war, ob Noroviren, Salmonellen (Bakterien) oder gar natürliche Gifte Auslöser für eine der bundesweit größten Magen-Darm-Erkrankungswellen der vergangenen Jahre waren.

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Fest stand bis Freitag nur, dass die Betroffenen in allen fünf Ländern Essen des Unternehmens Sodexo mit Sitz in Rüsselsheim zu sich nahmen. Allerdings sieht sich der Zulieferer nicht verantwortlich: Nach vergleichbaren Untersuchungen gebe es keine Hinweise darauf, dass die Fälle mit Sodexo-Produkten zusammenhängen, teilte das Unternehmen mit.

Zur Ursache machte das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitagnachmittag keine Angaben. „Wir äußern uns nicht zum Erreger“, sagte Sprecherin Susanne Glasmacher. In Berlin haben die Behörden Noroviren und natürliche Gifte (Toxine) als mögliche Erreger im Verdacht. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene könnten Salmonellen oder Noroviren Auslöser der Erkrankungen sein. „Auf jeden Fall muss es Hygienefehler bei der Produktion gegeben haben“, sagte Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Zastrow am Freitag der dpa mit Blick auf das Essen.

Nach RKI-Angaben wurden seit Dienstag mindestens 4600 Krankheitsfälle bekannt. Sie seien überwiegend unkompliziert verlaufen. Nach dpa-Recherchen in den Bundesländern sind hingegen bereits mehr als 6000 Erkrankungen gemeldet worden: 2176 in Berlin, rund 2000 in Sachsen, 1750 in Brandenburg, 764 in Thüringen und 90 in Sachsen-Anhalt. In den meisten Ländern waren die Zahlen im Verlauf des Tages deutlich in die Höhe gegangen.

Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) erklärte am Rande der Herbstkonferenz der Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern in Schöntal (Baden-Württemberg), dass die Ursache schnellstmöglich gefunden werden müsse.

Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Nicole Maisch, kritisierte unterdessen, dass noch immer ein nationaler Krisenstab mit Durchgriffsbefugnissen fehle. Die aktuellen Erkrankungen zeigten, dass Krisen nicht an Bundesländergrenzen halt machten. Dass die Behörden in den einzelnen Ländern nach eigenem Ermessen handeln, funktioniere in Krisensituationen nicht.

Von der SPD kam die Forderung nach verpflichtenden Qualitätsstandards für das Schulessen. Die Qualität des Essens müsse das erste Wahlkriterium sein und nicht der günstigste Preis. „Eine gesunde Schulverpflegung ist für Kinder und Jugendliche so wichtig wie Mathe oder Deutsch. Sie darf auf keinen Fall krank machen“, sagte die Abgeordnete Petra Crone.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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