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Novavax: Corona-Totimpfstoff - oder doch nicht? Experten um Lauterbach überraschen

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Von: Michelle Brey

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Die großen Hoffnungsträger der Pandemie sind die Corona-Impfstoffe. Statt sich mit mRNA- oder Vektor-Vakzinen zu impfen, wollen viele Impfskeptiker lieber auf Totimpfstoffe warten.

München - Die Skepsis gegenüber den Impfstoffen zum Schutz vor dem Coronavirus bleibt. Deutschland und viele andere Länder sehen sich Impfgegnern gegenüber - trotz gründlicher Prüfung, Zulassung und Empfehlung der Vakzine. So mancher Skeptiker argumentiert, dass er sich eher impfen lassen würde, gäbe es einen Totimpfstoff, der auf dem klassischen Verfahren beruhe. Ein vermeintlicher Totimpfstoff steht in der EU indes kurz vor der Zulassung: das Corona-Vakzin von Novavax. Ein Lichtblick in Bezug auf Impfskeptiker?

Novavax: Ist das Corona-Vakzin ein Totimpfstoff?

Fälschlicherweise wird der Impfstoff häufig als sogenannter Totimpfstoff deklariert. Das Vakzin von Novavax ist allerdings ein Impfstoffkandidat auf Proteinbasis, wie unter anderem das US-Unternehmen auf seiner Website schreibt. Es zählt damit weder zu der Gruppe der mRNA-Impfstoffen (Biontech, Moderna) noch zu der Gruppe der Vektorimpfstoffen (Astrazeneca, Johnson & Johnson).

Was ist ein Totimpfstoff?

Ein Totimpfstoff enthält nur abgetötete Viren. Gegenüber br.de erklärte Martina Sester, Professorin für Immunologie an der Universität des Saarlandes: „Der Totimpfstoff heißt Totimpfstoff, weil er sich im Körper nicht vermehrt. Das, was in der Spritze drin ist, das allein wirkt quasi als Impfstoff.“ Zu den Totimpfstoffen wird beispielsweise Tetanus, Keuchhusten oder etwa Diphtherie gezählt.

In Bezug auf die Coronavirus-Pandemie hat das französisch-österreichische Biotechnologie-Unternehmen Valneva einen Totimpfstoff entwickelt. Die Zulassung in der EU steht noch aus (Stand: 10. Dezember 2021)

„Rekombinanter Proteinimpstoff“: Impfstoffexperte und Lauterbach klären auf

Das bestätigte auch Karl Lauterbach (SPD) - noch vor seinem Amtsantritt als Bundesgesundheitsminister. Via Twitter reagierte er auf einen Beitrag von Florian Krammer, einem Professor für Impfstoffkunde. Dieser schrieb: „Kann man bitte aufhören den Impfstoff von Novavax als Totimpfstoff zu bezeichnen? Es ist ein rekombinanter Proteinimpfstoff.“

Lauterbach schrieb: „Stimmt zwar. Aber weil so viele Ungeimpfte nur Totimpfstoff wollen, warum auch immer, wird bald erhältliches Novavax als solcher bezeichnet.“ Er drückte sein Unverständnis aus - schließlich seien die mRNA-Corona-Impfstoffe anders als der Novavax-Impfstoff „milliardenfach bewährt“.

Wie funktioniert der Corona-Impfstoff von Novavax?

Novavax verwendet für sein Vakzin das sogenannte Spike-Protein von Sars-CoV-2 und reproduziert dieses massenhaft in Insektenzellen. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung damit Antikörper gegen das Protein und kann so eine Covid-19-Erkrankung abwehren. Um die Immunantwort zu verstärken und hohe Mengen neutralisierender Antikörper zu stimulieren, wird ein Wirkverstärker (ein sogenannter Adjuvant) hinzugefügt. Der Vorteil des proteinbasierten Impfstoffes ist, dass das Immunsystem quasi direkt nach der Impfung damit beginnen kann, Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus zu bilden. 

Gegenüber dem MDR sagte Impfstoffforscher Dr. Torben Schiffner, dass die Technologie von proteinbasierten Vakzinen sich bei der Herstellung von Grippeimpfstoffen über viele Jahre bewährt hätten. „Vielleicht beruhigt das auch Menschen, die bisher skeptisch waren und bei den neuartigen Impfstoffen Sorgen hatten.“ Novavax könnte also - auch als proteinbasiertes Vakzin - ein kleiner Lichtblick sein. (mbr)

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