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Novavax: Wie gut wirkt der neue Impfstoff wirklich gegen die Omikronwelle?

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Von: Martina Lippl

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Der neue Corona-Impfstoff von Novavax heißt Nuvaxovid (NVX-CoV2373).
Der neue Corona-Impfstoff von Novavax heißt Nuvaxovid (NVX-CoV2373). © imago

Der Corona-Impfstoff Nuvaxovid von Novavax ist im Februar in Deutschland zu haben. Doch wirkt der „Totimpfstoff“ gegen Omikron?

Berlin - Das Vakzin von Novavax ist der fünfte zugelassene Impfstoff gegen Corona in der EU und auch in Deutschland. Der Covid-Impfstoff ist ein neuer Typ - ein proteinbasierter Impfstoff und funktioniert ähnlich, wie Grippeimpfstoffe. Doch wirkt der neue Impfstoff auch bei Omikron?

Nuvaxovid von Novavax: So funktioniert der Corona-Impfstoff

Nuvaxovid (NVX-CoV2373) von Novavax ist eine Alternative für Menschen, die keine mRNA-Impfstoffe oder einen Vektor-Impfstoff wollen. Der Protein-Impfstoff von Novavax wird oft als „ein Totimpfstoff“ bezeichnet. Ein Totimpfstoff ist Nuvaxoid allerdings nur im weiteren Sinne: Der Impfstoff enthält winzige im Labor hergestellte Spike-Proteine des Coronavirus. In den Arm verimpft sollen diese Coronavirus-Partikel das Immunsystem anregen, Antikörper zu produzieren. Die Bestandteile des Coronavirus sind wie schon erwähnt im Labor gezüchtet, in Insektenkulturen hergestellt. Diese Partikel leben also nicht, enthalten keine Erreger, die sich selber vermehren können oder eine Erkrankung verursachen können. Auch die mRNA- und Vektor-Impfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Viren und „können so gesehen mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden“, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI).

Novavax-Impfstoff braucht einen Wirkverstärker

Allerdings braucht der Protein-Impfstoff einen Wirkverstärker - sogenannte Adjuvans, um die Immunantwort im Körper anzukurbeln. Adjuvanzien können Aluminiumsalze (Alum) sein, aber auch etwa Öl-in-Wasser-Emulsionen. Novavax verwendet eine neue Form von Adjunanzien aus Saponine - aus einem Seifenbaumextrakt berichtet spektrum.de. Saponine würden zwar schon seit Jahren bei Wirkverstärkern eingesetzt, doch hier würden sie in Form von Nanopartikeln eingesetzt. „Matrix-M1“ hat der US-Pharmakonzern selbst entwickelt und bislang in keinem anderen Impfstoff zugelassen. Eine Impfdosis Novaxovid enthält fünf Mikrogramm Antigen und 50 Mikrogramm des Wirkverstärkers.

„Wenn jemand die aktuell verfügbaren Impfstoffe nicht verträgt, dann ist der neue Proteinimpfstoff eine Option“, sagte Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens. Und weiter: „Man sollte aber auch bedenken, dass wir über den neuen Impfstoff von Novavax, der ja auch einen Immunverstärker, ein sogenanntes Adjuvans enthält, noch nicht so viel wissen wie über die seit längerem in breiter Anwendung befindlichen Impfstoffe.“

Corona: Zugelassene Covid-Impfstoffe in Deutschland (Stand: 18. Januar 2022)

ImpfstoffAltersgruppeHerstellerZulassung
Comirnatyab 16Biontech/PfizerDezember 2020
Comirnatyab 12Biontech/PfizerMai 2021
Comirnatyab 5Biontech/PfizerNovember 2021
Spikevaxab 18Moderna BiotechJanuar 2021
Spikevaxab 12Moderna BiotechJuli 2021
Vaxzevria/ Covid-19-Vaccine Astrazenecaab 18AstrazenecaJanuar 2021
Covid-19-Vacine Janssenab 18Janssen-Cilag/Johnson und JohnsonMärz 2021
Nuvaxoidab 18NovavaxDezember 2021

Wirkt Novavax gegen Corona?

Nuvaxovid wirkt laut der Zulassungsstudie sehr gut. Mit bis zu 90 Prozent wurden die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu erkranken verringert. Das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer vollständigen Impfung (zwei Impfdosen innerhalb von drei Wochen) ist nach Angaben des Unternehmens reduziert. Die Effektivität zum Schutz vor symptomatischen Infektionen wurde von der EU-Arzneimittelbehörde EMA mit rund 90 Prozent angegeben. Die Daten basieren auf Studien in USA und Mexiko zu einem Zeitraum, in dem Alpha, Beta und Delta kursierten.

Wirkt der Protein-Impfstoff von Novavax gegen Omikron?

Wie stark Novavax gegen die Omikron-Variante wirkt, ist zunächst noch unklar. Der Protein-Impfstoff basiert auf dem Wildtyp des Sars-CoV-2 Coronavirus. Das US-Unternehmen selbst gibt sich zuversichtlich, verweist vor Weihnachten darauf, dass eine dritte Dosis - ein Booster - eine verstärkte Immunreaktion zur Folge hätte. Zudem kündigt der Pharmakonzern an, einen Omikron-angepassten Impfstoff zu entwickeln.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) äußerte sich auf einer Pressekonferenz am Freitag (14. Januar 2022) vorsichtig. Er selbst könne die Wertigkeit für die Omikron-Variante nicht gut einschätzen. Er gehe aber davon aus, dass der Impfstoff gut wirken dürfte. Impfungen damit würden empfohlen.

Wirkt Nuvaxovid also gegen die Omikron-Variante? Laut der Weltgesundheitsinformation (WHO) liegen derzeit noch keine ausreichenden Daten vor. Ob der Protein-Impfstoff Infektionen und Übertragungen verhindern kann? Der WHO zufolge liegen für den Novavax-Impfstoff derzeit keine ausreichenden Beweise vor, um die Auswirkung des Impfstoffs auf die Übertragung zu bewerten - Stand 18. Januar 2022. Die Empfehlung wird jedoch aktualisiert, sobald neue Informationen vorliegen, heißt es auf der Webseite.

Nach Ansicht von Immunologen eignet sich der Novavax-Impfstoff auch für Booster-Impfungen. „Alles, was bislang bekannt ist, deutet darauf hin, dass Novavax wahrscheinlich ein sehr guter Impfstoff ist“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, der Augsburger Allgemeinen. „Bei den Booster-Impfungen ist Novavax laut einer britischen Studie nicht ganz so effektiv wie die mRNA-Impfstoffe, aber deutlich besser als Vektorimpfstoffe“, sagte der Dortmunder Immunologie-Professor.

Novoavax-Impfstart im Februar in Deutschland

Corona-Impfungen mit dem Präparat des US-Herstellers Novavax sollen voraussichtlich Ende Februar in Deutschland starten können. Die erste Lieferung von 1,75 Millionen Dosen soll ab dem 21. Februar zur Verfügung stehen, wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Freitag mit Verweis auf Firmenangaben in Berlin sagte. Genaue Termine für weitere 3,25 Millionen Dosen, die gekauft wurden, stünden noch nicht fest. Wer sich in Rheinland-Pfalz mit dem Corona-Impfstoff von Novavax impfen lassen möchte, kann sich ab Montag (24. Januar) dafür registrieren lassen. Eine Registrierung sei auf dem Impfportal des Landes möglich, berichtet der SWR. (ml)

 

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