„Ich gehe davon aus, dass ...“

Corona in NRW: Nach Hoffnungsschimmer - Lage in Köln verdüstert sich

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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NRW trifft die dritte Corona-Welle. Im Lockdown soll es nun aber Ausnahmen geben - und zwar für Menschen mit negativem Test. Köln erlebt einen Dämpfer. Der News-Ticker.

  • Die von NRW-Ministerpräsident Laschet (CDU) angekündigte Corona- „Notbremse“ soll nun doch nicht landesweit gelten.
  • Die NRW-Metropole Köln wird zum Modellprojekt - trotzdem verschärft die Domstadt jetzt die Corona-Regeln (Update vom 28. März, 8.39 Uhr).
  • Die Kölner Oberbürgermeisterin Reker kann sich Kneipenkarneval im nächsten Jahr wieder vorstellen (siehe Update vom 27. März, 11.01 Uhr).

Update vom 31. März, 16.14 Uhr: Einen Überblick über das aktuelle Infektionsgeschehen in Deutschland finden Sie in unserem Corona-News-Ticker.

Update vom 28. März, 8.39 Uhr: In Nordrhein-Westfalen (NRW) liegt die 7-Tage-Inzidenz am Sonntagfrüh bei 128,8. Laut RKI wurden in den vergangenen 24 Stunden 3.544 Corona-Neuinfektionen und 14 weitere Todesfälle verzeichnet.

Corona in NRW - Köln bleibt keine Wahl: Stadt zieht Notbremse

In der Stadt Köln ist der Inzidenzwert auf 133,1 gesprungen. Am Freitag hatte der Wochenwert noch bei 128,8 gelegen. Bereits am 15. März hatte die Domstadt die 100er-Marke überschritten.

Ab Montag zieht Köln deswegen die „Notbremse“. Baumärkte und Großhandel müssen für den Kundenverkehr schließen. Der Einzelhandel muss wieder auf „Click & Collect“ umstellen. Die Stadt Köln teilt auf ihrer Webseite mit: „Museen, Bibliotheken und ähnliche Einrichtungen müssen schließen. Der Zoo und ähnliche Einrichtungen müssen alle Häuser schließen. Die frei begehbaren Bereiche bleiben offen. Hier gilt weiterhin die städtische Allgemeinverfügung, dass Besucher*innen – auch Kinder ab dem Schuleintritt – ein maximal 24 Stunden altes negatives Corona-Testergebnis vorweisen müssen.“

Die Corona-Fallzahlen seien in den vergangenen Tagen stark gestiegen, so die Stadt. Trotzdem möchte Köln sich weiter als Modellstadt bewerben „um in diesem Rahmen Öffnungen zu ermöglichen, wenn die Inzidenzzahl es zulässt.“

Corona in NRW: Köln-OB wagt Ausblick auf Karnevals-Saison und kritisiert Merkels „Osterruhe“-Wende

Update vom 27. März, 11.01 Uhr: Wann ist trotz Corona wieder Karneval möglich - und zwar in der Kneipe? 2022, glaubt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Ich gehe davon aus, dass wir im Herbst eine Impfquote erreicht haben, die für eine Herdenimmunität ausreicht und uns wieder große Möglichkeiten gibt“, sagte die parteilose Politikerin dem Kölner Stadt-Anzeiger vom Samstag.

Sie verstehe es, wenn die Kölner „es langsam satt haben, aber es ist jetzt eine Frage des Durchhaltens“, fuhr sie in dem Interview fort. Dabei bedaure sie die Absage der „Osterruhe“ durch Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Wenn Kontakte vermieden werden, dann gibt es weniger Infizierte und deswegen ergibt das natürlich schon einen Sinn“, erklärte sie dazu - und bezugnehmend auf den vergangenen Herbst: „Wir hätten damals ein paar Wochen zumachen müssen.“ Nun hingegen „schleppe“ man sich dahin. Mittelfristig müsse es nun das Ziel sein, die Corona-Inzidenz nachhaltig niedrig zu halten.

Ein Mann mit roter Pappnase geht in der Karnevals-Saison 2021 allein vor dem Kölner Dom entlang.

Corona in NRW: Ausnahmen für „Notbremse“ kommen und Köln erprobt Lockerungen - doch Ärzte warnen

Unsere Erstmeldung vom 26. März: Düsseldorf - Sich an die Corona-„Notbremse“ zu halten sei „im Sinne des Brechens der Welle“. So appellierte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an diesem Freitag in der gemeinsamen Corona-Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler an die Bundesländer. Heißt, dass sie ab einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 100 Corona-Lockerungen wieder einkassieren mögen. Nordrhein-Westfalen (NRW) will nun so strikt doch nicht sein.

Ab Montag (30. März) soll sie nicht in dem gesamten Bundesland gelten, sondern nur in Kommunen mit hoher Inzidenz. Dort müssen unter anderem Läden, Sportstätten und Kultureinrichtungen schließen. Das geht aus der am Freitag veröffentlichten Corona-Schutzverordnung hervor. Die Kommunen dürfen Ausnahmen für Menschen mit tagesaktuellem negativem Corona-Test erlauben.

In NRW, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, liegt die 7-Tage-Inzidenz schon seit mehreren Tagen über 100.

NRW-Gesundheitsminister Laumann: „Wollen über Ostern verstärkt gegen Corona impfen“

„Wir wollen über Ostern verstärkt impfen“, kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Freitag in einer Pressekonferenz in Düsseldorf an. Die Liefertermine für Biontech-Impstoffdosen seien „sehr stabil“ und man wolle Rücklagen des Vakzins von etwa 130.000 Dosen „abbauen“. NRW habe aktuell 4995 zugelassene Teststellen, die auch über die Feiertage „in vollem Umfang“ im Einsatz sein könnten.

Laumann kam auch auf Modellversuche wie etwa in Tübingen zu sprechen. Die Frage bei diesen sei: „Was kann man mit Testen verantwortbar öffnen?“, so der CDU-Politiker.

Corona in NRW: Köln eifert Tübingen nach und wird Modellprojekt

Laut dem Kölner Stadt-Anzeiger soll das jetzt auch in NRWs größter Stadt erprobt werden: Köln soll an einem Modellversuch des Landes zur sicheren Öffnung von Einzelhandel, Gastronomie und Veranstaltungsstätten teilnehmen. Bei dem Projekt sollen Menschen mit einem elektronischen Nachweis über einen aktuellen negativen Corona-Test Zugang zu diesen erhalten. Dies solle unter anderem durch eine elektronische Erfassung von Kontakten ermöglicht werden, berichtete die Zeitung am Freitag.

„Der Vertrauensverlust in der Bevölkerung ist nur wieder heilbar, wenn es uns gelingt, eine Öffnungsperspektive mit Testungen aufzulegen, die funktioniert“, sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker der Zeitung. In Köln seien ausreichend Testkapazitäten vorhanden, um das Modellprojekt in möglichst vielen Bereichen zu erproben.

Corona-Modell Köln & Co.? Ärzteverband sieht ihn ihnen „keine Alternative zum Lockdown“

Der Ärzteverband Marburger Bund warnt indes vor derartigen Modellversuchen - wenn auch im Hinblick auf das Saarland. Sie könnten „keine Alternative zum Lockdown sein“, sagte Verbandsvorsitzende Susanne Johna der Rheinischen Post vom Freitag.

„Die dritte Welle ist bereits im vollen Gange“, hob Johna hervor. Sie sehe es „kritisch, wenn mit dem Saarland ein zwar kleines, aber doch ganzes Bundesland einen Modellversuch durchführen“ wolle. Auch wenn die Inzidenz im Saarland noch relativ niedrig sei, bleibe völlig unklar, wie verhindert werden solle, dass viele Menschen aus anderen Bundesländern wegen der Öffnungen einreisen.

„Wo immer es Modellversuche geben wird, brauchen wir eine enge Überprüfung der Ergebnisse“, mahnte Johna. In Köln ist an diesem Samstag die 7-Tage-Inzidenz von 113,3 auf 128,0 gesprungen. In ganz NRW liegt sie aktuell bei 121,6. (frs mit Material von dpa und AFP)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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