Eine Gedenktafel mit dem Abbild des vom NSU ermordeten Enver Simsek hängt am Tatort an einem Baum.
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Eine Gedenktafel mit dem Abbild des vom NSU ermordeten Enver Simsek hängt am Tatort an einem Baum.

Hinrichtung mit acht Schüssen

Heute vor 20 Jahren ermordete der NSU sein erstes Opfer – Blumenhändler Enver Simsek galt lange als Täter

Enver Simsek war ein fleißiger Blumengroßhändler. Vor 20 Jahren, am 9. September 2000, vertrat er einen Mitarbeiter in Nürnberg, wo ihn Rechtsterroristen als zufälliges Opfer auswählten und mit acht Schüssen regelrecht hinrichteten. Für Simseks Familie war dies der Anfang einer Odyssee.

Schlüchtern/Nürnberg - Heute vor 20 Jahren ermordete der NSU sein erstes Opfer*. Enver Simsek aus Schlüchtern war 15 Jahre vor seiner Ermordung nach Deutschland gekommen. Er hatte sich hochgearbeitet und besaß wenige Jahre später einen Blumengroßhandel, einen Blumenladen und mobile Verkaufsstände. Am Samstag, 9. September 2000, vertrat Enver Simsek einen Angestellten an einem Stand an einer viel befahrenen Ausfallstraße von Nürnberg.

Plötzlich tauchten zwei Männer in Radlerkleidung auf und zogen ihre Waffen. Mit acht Schüssen richteten sie Enver Simsek hin. Die Ermittler nahmen an, dass man die Mörder in der Drogen- oder Mafiaszene finden würde. Drogenhunde wurden in der Wohnung eingesetzt. Die Telefone der Familie wurden verwanzt. In der Schule wird Abdul Kerim Simsek, dem Sohn des Ermordeten hinterhergerufen: „Mafiajunge! Das ist der Sohn des Drogendealers.“

Später erfindet ein Redakteur der „Nürnberger Nachrichten“ das Wort „Döner-Morde“. Viele große Medien greifen das auf. „Das ist menschenverachtend: Mein Vater war kein Döner. Er war ein Mensch“, sagt Abdul Kerim Simsek. *Fuldaer Zeitung.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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