In Nürnberg geborener Kunkle in Texas hingerichtet

- Huntsville - Mehr als 20 Jahre nach seinem Raubmord ist der in Nürnberg geborene Deutschamerikaner Troy Albert Kunkle (38) im US- Bundesstaat Texas hingerichtet worden. Trotz aller Gnadengesuche wurde das Urteil nach Angaben eines Justizsprechers am Dienstagabend um 20.12 Uhr Ortszeit (3.12 Uhr MEZ) mit einer Giftspritze im Staatsgefängnis von Huntsville vollstreckt.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte nach fünfmaliger Verschiebung des Hinrichtungstermins mit einem knappen Urteil von fünf zu vier Stimmen den Weg für die Exekution freigemacht. Zuvor hatte sich Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) in einem Schreiben an Gouverneur Rick Perry vergeblich dafür eingesetzt, die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe umzuwandeln.

Mit seinen letzten Worten wandte sich Kunkle an die Tochter seines Opfers, die die Hinrichtung durch eine Glasscheibe verfolgte: «Ich möchte um Vergebung beteten. Ich habe einen Fehler gemacht und es tut mir Leid, was ich getan habe. Alles, worum ich bitten kann, ist Vergebung». Wie die Tageszeitung «Huntsville Item» weiter berichtete, wandte Kunkle danach seinen Kopf seiner deutschen Mutter sowie seiner Frau zu: «Ich liebe Euch, und ich werde Euch im Himmel wiedersehen». Nach einem Gebet habe der Todeskandidat signalisiert, dass er zum Sterben bereit sei. Nach der Injektion der Todesspritze habe Kunkle noch kurz nach Luft geschnappt, bevor er bewusstlos geworden sei. Ehefrau Christa Heber habe beim Verlassen des Zuschauerraumes gesagt: «Schande für Texas».

Der 38-Jährige Kunkle verbrachte mehr als die Hälfte seines Lebens in einer Todeszelle im berüchtigten Gefängnis von Huntsville. Der Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen hatte als 18-Jähriger im August 1984 gemeinsam mit drei Komplizen in Corpus Christi den 31 Jahre alten Anhalter Stephen Horton ausgeraubt und erschossen. Kunkle gab dabei den tödlichen Schuss in den Hinterkopf ab. Die Beutesumme betrug 13 Dollar (zehn Euro).

Zur Tatzeit war Kunkle Student. Nach Mord sagte Kunkle gemäß der Gefängnisakten: «Mord ist etwas Wunderschönes». Außerdem habe er unmittelbar nach der Tat den Refrain aus dem Song «no remorse» (keine Reue) der Heavy-Metal-Gruppe Metallica gesungen. Der Häftling mit der Nummer 784 bereute später nach eigenen Worten die Tat zutiefst. Er habe sich im Gefängnis gewandelt und sei ein neuer Mensch geworden, sagte er US-Medien.

Die Verteidigung hatte bis zuletzt argumentiert, dass die Jury strafmildernde Umstände wie den Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Missbrauch und Geisteskrankheit innerhalb der Familie nicht genügend gewürdigt habe.

Kunkle ist der zweite Häftling, der in diesem Jahr in Texas hingerichtet wurde. In der Strafanstalt von Huntsville warten nach Angaben der Justizbehörden jetzt noch 446 weitere Häftlinge auf die Vollstreckung der Todesstrafe. Mit der Giftspritze werden dem Todeskandidaten nach Angaben der Justizbehörden drei verschiedene Substanzen eingeflößt. Der Tod wird dabei in der Regel sieben Minuten nach Beginn festgestellt.

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