+
Die wegen Mordes an einer chinesischen Studentin angeklagte Xenia I. im Landgericht in Dessau. Foto: Sebastian Willnow

Mordprozess in Dessau

Nur Objekt für Sex? Paar soll Chinesin zu Tode gequält haben

Dessau - Lange vor Verhandlungsbeginn drängen sich Neugierige vor dem Landgericht. Wer sind die Zwei, die eine Chinesin brutal vergewaltigt und zu Tode gequält haben sollen?

Risse, Quetschungen, Blutungen, Brüche - Staatsanwältin Heike Kropf listet minutenlang die Verletzungen des Opfers auf. Stumpfe Gewalt gegen Kopf und Körper haben schlimmste Spuren hinterlassen und schließlich zum Tod der chinesischen Studentin geführt.

Viele Zuschauer im bis auf den letzten Platz besetzten Saal des Landgerichts Dessau-Roßlau sind schockiert.

Die Zwei, die die Tat begangen haben sollen, zeigen keine sichtbare emotionale Regung. Das Paar - zum Tatzeitpunkt beide 20 Jahre alt - ist wegen Vergewaltigung und Mordes an der Studentin angeklagt.

Der groß gewachsene, 21 Jahre alte Angeklagte mit Kurzhaarschnitt und Vollbart sitzt im schwarzen T-Shirt zwischen seinen Verteidigern. Wenige Stühle neben ihm sitzt dessen mitangeklagte Lebensgefährtin, den Kopf meist gesenkt. Der lange Pony überdeckt die Brille. Die Frau trägt Pferdeschwanz, wirkt mädchenhaft klein und schmal.

Beziehungsprobleme der Angeklagten

Drei Jahre führten die beiden zum Tatzeitpunkt eine Beziehung. Diese sei von unterschiedlichen sexuellen Bedürfnissen gekennzeichnet gewesen, schildert Staatsanwältin Kropf. Er habe mehr Sex gewollt - sie habe ihn nicht geboten. Er drohte ihr mit der Trennung. Kropf sagt, er habe die Beziehung als "Alptraum" bezeichnet. Und so hätten sich beide entschlossen, sich einer Frau zu bemächtigen.

Am Tattag, dem 11. Mai, stellte sich die Angeklagte laut Staatsanwaltschaft vor das Hofeingangstor des Hauses, das als Tatort angenommen wird. Die Architekturstudentin sei auf dem Rückweg von ihrer Joggingrunde gewesen, als die Angeklagte einen Notfall vortäuschte. Die Chinesin war bereit zu helfen, wurde aber laut Anklage sogleich mit Gewalt in eine leerstehende Wohnung geschleppt. Sie soll heftige Gegenwehr geleistet haben.

Eine Stunde lang sollen die Beschuldigten die Chinesin dann immer wieder vergewaltigt und geschlagen haben. "Sie betrachteten sie ausschließlich als Objekt zur Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse", fasst Kropf zusammen. Anschließend sei beiden Angeklagten klar gewesen, dass das Opfer zur Polizei gehen würde. Deshalb hätten sie beschlossen, die Studentin sterben zu lassen.

Zum Sterben liegen lassen

Mehr als drei Stunden hätten sie die Schwerverletzte ohne Hilfe liegen lassen, in der Annahme, sie würde gleich sterben. Als sie später aber noch immer lebte, habe das Paar die Sterbende ins Freie gebracht - dort wurde die Leiche zwei Tage nach der Tat unter einer Konifere gefunden.

Ob alles genau so stattgefunden hat, muss nun das Gericht in einem aufwendigen Verfahren klären - zunächst sind19 Verhandlungstage bis zum 28. Februar 2017 geplant. Die Angeklagten wollen nicht zur Aufklärung beitragen. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Uda Schmidt, ob sie sich äußern wollen, sagten beide schlicht und regungslos "Nein". Am 28. November soll der Prozess nun mit ersten Zeugen fortgesetzt werden.

Welche Rolle die Eltern des Angeklagten vor Gericht spielen werden, ist noch unklar. Beide sind Polizisten - und waren sehr dicht dran an den Ermittlungen. Es gab den Verdacht, dass sie Einfluss genommen haben könnten. Handfeste Hinweise darauf sind bislang nicht bekannt geworden. Die Eltern wurden jedoch versetzt.

Den Angeklagten gegenüber sitzt auch ein Vertreter der Eltern des Opfers. Seine Mandanten sind jedoch nicht im Verhandlungssaal dabei. "Sie wollen nicht kommen, weil sie sich die Details nicht antun möchten", erklärt Sven Peitzner. Für die Familie sei das alles eine Katastrophe. Sie hätte ihre Tochter mit den besten Absichten zum Studieren nach Deutschland geschickt.

dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Sechs Menschen in Londoner Einkaufszentrum mit Säure verletzt
Sechs Menschen sind mit einer gefährlichen Substanz in einem Einkaufszentrum im Osten Londons besprüht und verletzt worden. Ein Verdächtiger sitzt in Haft.
Sechs Menschen in Londoner Einkaufszentrum mit Säure verletzt
Lotto vom 23.09.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen vom Samstag
Lotto vom 23.09.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen vom Samstag. Im Jackpot liegen heute 8 Millionen Euro.
Lotto vom 23.09.2017: Das sind die aktuellen Lottozahlen vom Samstag
Neues Erdbeben erschüttert Mexiko - Zwei Tote durch Herzinfarkt
Die Rettungskräfte suchen in Trümmerbergen noch nach Überlebenden des letzten Bebens vom 19. September, da wird Mexiko am Samstag erneut von Erdstößen erschüttert - das …
Neues Erdbeben erschüttert Mexiko - Zwei Tote durch Herzinfarkt
Dreijährige fällt von scheuendem Pferd und stirbt
Ein Pferd scheut, reißt sich los und wirft ein kleines Mädchen ab. Die Dreijährige stirbt noch am Unfallort an ihren Verletzungen.
Dreijährige fällt von scheuendem Pferd und stirbt

Kommentare