Polizeieinsatz: Ostbahnhof für alle S-Bahnen gesperrt

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Jörg lebt derzeit in Rom auf der Straße und hat seine Schlafstelle am Petersplatz aufgeschlagen. Er kommt eigentlich aus Berlin.

Obdachlose am Petersplatz

Armut mitten im Weihnachtsidyll

Rom - Zum weihnachtlichen Petersplatz gehören auch die Obdachlosen, die nur einen Steinwurf entfernt von Tannenbaum und Krippe vor den Pforten des Vatikans nächtigen. Der Papst schickt sie nicht weg - für die einen ist das Show, für die anderen Nächstenliebe.

Die Krippe steht, der Weihnachtsbaum glitzert, dahinter in seiner vollen Pracht: der Petersdom. Abends, wenn es leer wird auf dem Petersplatz, füllt es sich vor den überdachten Eingängen der Souvenir-Läden und zwischen den Säulen der Kolonnaden. Einer nach dem anderen baut seine Herberge auf, mit Schlafsack, Pappkartons, Regenschirmen. Manche der Obdachlosen haben sogar Koffer dabei. Sie wissen, dass sie hier bleiben können. Die Polizei, die nur wenige Meter entfernt über die Sicherheit wacht, schickt sie nicht weg. Und das nicht erst, seit der „Papst der Obdachlosen“ im Vatikan herrscht.

Barmherzigkeit - nicht nur im Advent

Doch Franziskus setzt sich besonders für die Clochards vor den Pforten des Kirchenstaats ein. Barmherzigkeit ist nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern allgemein ein Hauptanliegen in seinem Pontifikat. Im November empfing der 80-Jährige Tausende Obdachlose aus aller Welt zu einer Audienz. Zum Geburtstag frühstückte er mit einigen - und der Vatikan schickte Fotos an die Journalisten. Mittlerweile gibt es rechts vom Petersdom Duschen, Notschlafstellen und einen Frisör für die „Senzatetti“. Alles auf Initiative des Argentiniers.

„Welcome to our Favela“, „Willkommen in unserem Armenviertel“, sagt Andrea mit Ironie in der Stimme. Er steht in der Nähe der Duschanlage, die, von der Polizei bewacht, nicht für die Augen von Journalisten bestimmt ist, und zeigt Touristen in dem unübersichtlichen Gedränge den Weg von A nach B. „Ernsthaft: Die Leute auf der Straße können hier alles haben. Sie kriegen sogar Frühstück mit einem warmen Kaffee. Das ist die beste Werbung für die Kirche“, sagt Andrea.

„Diese Menschen sind friedlich“

„Frohe Weihnachten für Sie, haben sie ein bisschen Kleingeld?“, fragt eine kleine, gebückte Frau immer wieder, während sie auf dem Zebrastreifen vor dem Eingang zum Petersplatz auf und ab läuft. Nur die wenigsten scheinen sich in dem bunten Treiben an den Bettlern zu stören. „Diese Menschen sind friedlich“, sagt eine Touristin aus Deutschland. Ein Verkäufer in einem der zahlreichen Souvenir-Geschäfte sieht es pragmatisch: „Überall wo Touristen sind, sind auch Obdachlose und Bettler.“ Tagsüber seien die meisten sowieso nicht zu sehen. „Die sind unterwegs“, meint ein Polizist.

Jörg dagegen steht neben seinem Schlafplatz - einem mit schwarzen Plastiktüten bestückten Karton - und blickt den Touristen hinterher, die an ihm vorbeiziehen. Vor einigen Jahren sei er schon mal in Rom gewesen und habe fünf Monate lang immer an der gleichen Stelle sein „Hotel“ gehabt, erzählt der Berliner mit den langen, zotteligen Haaren. Man werde hier als Obdachloser gut behandelt, er sei froh, dass er in Ruhe gelassen wird, solange er die anderen Menschen in Ruhe lässt. „Aber die Kirche da interessiert sich nicht für mich“, sagt er. Interesse an der Weihnachtspredigt vom Papst so nah an seinem Schlafplatz hegt er auch nicht.

Pontifex hat keine Berührungsängste

Auch wenn nur wenige der vielen Obdachlosen Franziskus je persönlich begegnen - der Argentinier setzt sich seit Beginn seiner Amtszeit für die Armen, Hilfsbedürftigen und Ausgeschlossenen ein und will weg von Macht und Protz in der Kirche, hin zu einer Kirche für die Armen. Diese Botschaft überbringt er immer wieder, bestätigt sie mit Gesten wie beim Besuch der Obdachlosen im November, bei dem er sich umarmen und küssen ließ. Berührungsängste hat dieser Pontifex nicht.

Das Interesse an den Obdachlosen ist aus Sicht von Mariano Collado „nur Show“. Der Mexikaner, der einige Tage seines Urlaubs in Rom verbringt, stört sich nicht an den Obdachlosen. „Was mich aufregt ist, dass die Kirche ständig Nächstenliebe predigt und direkt vor ihrer Tür die Leute leben, die nichts haben“, sagt er. Seine Freundin Jacqueline Sutton sieht es ähnlich. „Man fragt sich schon, wenn man hier ist und den ganzen Prunk sieht, warum der Vatikan nicht noch mehr für die Armen tun kann.“

dpa

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