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Der Campus von Harvard - für viele Studenten der Traum ihres Lebens.

Aus bitterer Armut zur Elite-Uni

Obdachlose Schülerin geht nach Harvard

Washington - Erst verwahrlost, dann Elite-Studentin: Für US-Schülerin Dawn wird der amerikanische Traum wahr. Die 18-Jährige schaffte den Weg aus der bitteren Armut nach Harvard.

Viele in ihrer Situation hätten wohl verzagt, gebeutelt von all den Hürden, die es täglich zu überwinden galt. Aber das kam für Dawn Loggins nicht infrage. „Ich habe zwischendrin schon gedacht, dass es am einfachsten wäre, aufzugeben“, sagt die 18-jährige Schülerin der Burns High School in Lawndale (North Carolina) dem amerikanischen TV-Sender NBC. Sitzengelassen von den eigenen Eltern und ohne ein eigenes Dach über dem Kopf schaffte sie dennoch das Undenkbare: Die Aufnahme in Harvard, eine der renommiertesten Universitäten weltweit. Ihre Geschichte macht in den USA Furore, ihr Lebensweg inspiriert derzeit Millionen.

„Ich habe begriffen, dass ich niemals Erfolg haben würde, ohne eine gute Ausbildung“, sagt das Mädchen mit den langen dunkelblonden Haaren. Viele Interviews muss sie im Moment geben, ihre Geschichte ist bewegend, weil sie als Beispiel dafür gilt, dass der Amerikanische Traum - der Weg von ganz unten nach oben - nach wie vor Realität werden kann. Dawn Loggins Geschichte steht auch dafür, dass nicht allein die Größe des Geldbeutels bestimmt, wer an den Eliteuniversitäten des Landes aufgenommen wird, sondern auch das Talent und der Wille.

Ihr Weg nach Harvard war alles andere als vorgezeichnet: Bis zu ihrem 13. Lebensjahr lebte Dawn mit ihrem Bruder bei der Großmutter in Catawba im Bundesstaat North Carolina. Dann zogen die Geschwister zu den Eltern. Ein Happy End war das nicht - im Gegenteil: Die Abwärtsspirale begann. Ihr Stiefvater verlor seinen Job. Die Rechnungen konnten nicht mehr beglichen werden, die Familie zog häufig um, es gab Zwangsversteigerungen. So schildern die vielen US-Medienberichte die Situation.

Kein Wasser, kein Licht

Dawn musste ohne fließendes Wasser und Elektrizität leben. Gemeinsam mit ihrem Bruder sei täglich in einen benachbarten Park gegangen, um Wasser zu holen, hieß es. Manchmal habe sie wochenlang die gleiche Kleidung getragen. Wenn es abends dunkel wurde, habe sie bei Kerzenlicht gelernt.

Ihr Tag begann den Berichten zufolge um fünf Uhr morgens. Vor und nach dem Unterricht arbeitete sie zwei Stunden als Putzfrau in ihrer Schule und engagierte sich in verschiedenen Clubs. Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen standen nach dem ohnehin langen Tag auch noch auf dem Plan. Selten sei sie vor zwei Uhr nachts ins Bett gekommen. „Dawn hat sich von den schwierigen Umständen nicht abhalten lassen“, erzählt Schuldirektor Aaron Allen dem Sender NBC. „Sie kann als Symbol dafür gesehen werden, dass man seine Ziele erreichen kann. Komme, was wolle.“

Eltern ließen Dawn einfach zurück

Den Super-Gau erlebte sie dann vor ihrem Abschlussjahr: Nach einem Sommerprogramm der High School für besonders begabte Schüler fand sie ihr Haus verlassen vor. Die Eltern waren wieder umgezogen, dieses Mal ohne sie. Erst nach Monaten konnte der Kontakt hergestellt werden, ihre Mutter und der Stiefvater hatten sich nach Tennessee abgesetzt. „Ich habe nie damit gerechnet, dass meine Eltern mich einfach so zurücklassen“, sagt Dawn dem Nachrichtensender CNN. Auf einmal war sie obdachlos. Nach einigen Nächten bei Freunden nahm sie eine Schulbusfahrerin bei sich auf. Dank der zahlreichen Leute, die Dawn halfen, wurde ihr Traum wahr.

„Als ich klein war, habe ich den Drogenmissbrauch und die schlechten Entscheidungen meiner Familie mitbekommen. Ich habe sie von Rechnung zu Rechnung leben sehen. Und ich habe entschieden, dass ich so nicht leben will“, sagt Dawn in einem ihrer vielen Interviews. „Ich fühle, dass ich schneller erwachsen werden musste. Aber ich glaube nicht, dass das etwas Schlechtes ist.“ Aus Selbstschutz habe sie ihre Emotionen verborgen, bis zum Tag der Abschlussfeier, als sie völlig überwältigt weinte. Jetzt freue sie sich auf ihr Biologie-Studium in Harvard. Und darauf, endlich auf eigenen Beinen stehen zu können.

dpa

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