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Papst Franziskus traf sich mit Landesbischof Bedford-Strohm (r.)

Bayerischer Landesbischof im Interview

Das besprach Heinrich Bedford-Strohm mit Papst Franziskus

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München - Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm über seinen Besuch bei Papst Franziskus und was er mit dem Kirchenoberhaupt in Sachen Flüchtlinge besprach.

Eine Stunde lang haben sich der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und der Papst im vatikanischen Gästehaus Santa Martha in Rom zum Gespräch getroffen. An dem Privattreffen nahm auch der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper teil, der hin und wieder als Dolmetscher einsprang. Die meiste Zeit aber verständigten sich der Bayer und der Argentinier auf Deutsch. Und sie sprechen vor allem bei Flüchtlingsfragen dieselbe Sprache. Wir fragten den bayerischen Landesbischof nach dem Verlauf des ersten Treffens.

Was ist der Unterschied zwischen einem Privattreffen und einer Audienz?

Ein privates Treffen ist einfach ein persönliches Kennenlernen. In diesem Fall in dem Gästehaus, in dem der Papst auch wohnt und nicht wie bei einer Audienz im Apostolischen Palast, wo alles etwas offizieller zugeht.

Also etwas persönlicher?

Es war sehr persönlich, sehr herzlich, von großer spontaner Nähe gekennzeichnet und wirklich so, dass man – ganz unabhängig von der hohen Position des Papstes – einfach gerne zusammen war. Es war eine persönliche Freude, miteinander reden zu können.

Wie kam es zu dem Treffen?

Es ist gute Tradition, dass EKD-Ratsvorsitzende zu Beginn einer neuen Amtsperiode auch in Rom Gespräche führen. Als es einen Terminvorschlag gab, habe ich alle anderen Verpflichtungen für diesen Termin abgesagt.

Wie haben Sie sich verständigt?

Papst Franziskus antwortete auf Deutsch

Ich habe langsam deutsch gesprochen. Und da, wo er nicht alles verstanden hat, hat Kardinal Kasper ins Italienische übersetzt. Aber er hat das meiste verstanden und zum Teil auf Deutsch geantwortet. Ich war sehr beeindruckt, wie gut er die deutsche Sprache beherrscht, obwohl sein Aufenthalt in Deutschland schon so lange zurückliegt.

Wie haben Sie ihn erlebt?

Als sehr zugänglich, wir haben auch gelacht. Er war ganz so wie der Ruf, der ihm vorauseilt. Papst Franziskus strahlt die Barmherzigkeit und Nähe aus, die er in seinen Reden mit Worten zum Ausdruck bringt.

Sie hatten aber auch durchaus ernste Themen zu besprechen. Die Flüchtlingskrise zum Beispiel.

Wir haben über die gemeinsame Erklärung gesprochen, die der Papst zusammen mit dem Patriarchen und dem Erzbischof von Griechenland unterzeichnet hat. Ich habe ihm gedankt für dieses klare Zeichen zu Europa. Wir haben mit großer Einigkeit betont, dass Europa kein Kontinent der Abschottung sein darf und nicht von Grenzzäunen und Mauern durchzogen sein darf. Ich hab mich gefreut, dass wir an dieser Stelle jenseits der konfessionellen Grenzen mit sehr großer Einigkeit sprechen.

Haben Sie darüber gesprochen, was die Kirchen hier leisten können oder müssen, um die europäischen Länder zu einer größeren Aufnahmebereitschaft zu ermuntern?

Wir sagen im ökumenischen Miteinander, dass Christus im Zentrum stehen muss. In diesem Geist wollen wir ja auch das Reformationsjubiläum 2017 gemeinsam als Christusfest feiern. Christus im Zentrum – das muss aber auch Konsequenzen haben für unser Leben. Wenn das Wort christlich im politischen Bereich verwendet wird, wenn Länder sich als christlich bezeichnen und das christliche Abendland betont wird, dann dürfen das nicht nur Worte sein. Dann muss die christliche Identität da auch zum Ausdruck kommen. Und das zeigt sich darin, dass ein Kontinent Menschen in Not beisteht.

"Europa muss jetzt einlösen, was in dem Abkommen steht"

Das heißt?

Das Türkeiabkommen kann nicht heißen, dass in Zukunft Europa keine Flüchtlinge mehr aufnimmt. Europa muss jetzt einlösen, was in dem Abkommen steht: Dass nämlich legale Fluchtwege nach Europa möglich werden. Davon ist im Moment noch nicht viel zu spüren. Deswegen warte ich darauf, dass den Worten auch Taten folgen und den Flüchtlingen die Möglichkeit gegeben wird, auf sicheren Wegen nach Europa zu kommen. Natürlich haben wir beide die große Dankbarkeit für all die Menschen betont, die jetzt helfen. Der Papst sieht mit großem Respekt und Dankbarkeit, was in Deutschland an Hilfe geleistet wird.

Weiß er auch, dass die Stimmung angesichts der Menge der Flüchtlinge sich gewandelt hat?

Umso mehr ist im Sinne unseres Gespräches eine breite, gemeinsame Anstrengung in Europa notwendig. Aber wir haben nicht über die einzelnen politischen Fragen der europäischen Migrationspolitik gesprochen.

Zweites Thema war das Reformationsjubiläum  2017. Ist es denkbar, dass der Papst ein besonderes Zeichen in Richtung der evangelischen Kirche geben wird?

Ich habe meine große Freude geäußert, dass er ein klares Zeichen an die evangelische Kirche geben wird, indem er zusammen mit dem Lutherischen Weltbund im schwedischen Lund einen Gottesdienst feiern wird. Wo ein solcher Gottesdienst stattfindet ist letztlich nicht entscheidend. Die Reformation ist eine Weltbürgerin. Deswegen werden wir, wenn wir am selben Tag in Berlin das Jubiläumsjahr eröffnen, mit Freude nach Lund winken. Und zwar in der Freude darüber, dass Evangelische und Katholische gemeinsam auf dieses Jubiläum zugehen können. Was nach dem Gottesdienst in Lund passieren wird, das weiß heute noch niemand. Der Papst hat immer wieder gezeigt, dass er nicht nur langfristig plant.

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