Viele Menschen feiern in einem Raum, auf Tischen stehen Biergläser
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Wie wir es kennen: Après-Ski-Partys gehörten vor Corona zu einem zünftigen Ski-Tag.

„Unbeschwerter Skiurlaub“

Österreich will wieder Après-Ski-Partys erlauben: CDU-Politiker freut es - Lauterbach ist sofort alarmiert

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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In diesem Winter sollen Touristen in Österreich nicht nur wieder über die Pisten heizen, sondern auch Après-Ski-Partys feiern dürfen. Karl Lauterbach will da lieber die Bremse ziehen.

München - Bundestagswahl hin, Bundestagswahl her - auch wenige Tage vor dem wichtigsten politischen Termin des Jahres bleibt Karl Lauterbach seiner Linie treu. Während sich viele Volksvertreter in dieser Phase zu so mancher populären Aussage hinsichtlich der Corona-Maßnahmen hinreißen lassen, steht für den SPD-Gesundheitsexperten die Sicherheit weiter über allem. Da bleibt kein Raum für Experimente.

Deshalb moniert er auch die Pläne von Sebastian Kurz, in diesem Winter wieder Après-Ski-Veranstaltungen zu ermöglichen. Für Lauterbach kommen diese Überlegungen viel zu früh, wie der den Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärte: „Wie die nächste Wintersaison aussehen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös vorhersagen - auch nicht der österreichische Bundeskanzler.“

Après Ski in Österreich? Vorerst soll mit 3G-Regel geplant werden

In Österreich werden seit einem Monat wieder vierstellige Zahlen an Neuinfektionen registriert, die zuletzt jedoch abnahmen. Der Sieben-Tage-Mittelwert liegt bei rund 2000. Vorerst soll auf Skipisten mit der 3G-Regel geplant werden, Verschärfungen sollen jedoch je nach Entwicklung der Pandemie festgesetzt werden. So hatte Kurz in den Raum gestellt, bei einem Anstieg wichtiger Parameter nur noch Geimpfte zu Après-Ski-Locations zuzulassen.

Grundsätzlich sagte der Staatschef jedoch: „In Österreich sind über 70 Prozent der impfbaren Bevölkerung geimpft. Die überwiegende Masse der Touristen, die zu uns kommen wollen, sind ebenfalls geimpft. Insofern steht einem sicheren Urlaub in Österreich nichts im Wege.“

Video: Après Ski in diesem Jahr nur für Geimpfte?

Après Ski in Österreich? Tourismusbeauftragter Bareiß hält es für „grundsätzlich richtig“

Auch CDU-Politiker Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, gab sich gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe optimistisch und sprach von „unbeschwertem Skiurlaub“, schränkte aber ein: „Es ist grundsätzlich richtig, bestimmte Veranstaltungen nur für Personengruppen zu öffnen, bei denen die Ansteckungsgefahr gering ist.“

Bei Lauterbach schrillen angesichts dieser Vorhaben die Alarmglocken. Er würde aus heutiger Sicht „eher davon abraten, unter Ischgl-ähnlichen Bedingungen zu feiern“. Ein Hinweis auf einen der ersten großen Corona-Ausbrüche vor anderthalb Jahren, der mutmaßlich auf eine Après-Ski-Party zurückzuführen ist und derzeit eine Fortsetzung vor Gericht findet.

Deutschlands oberster Corona-Mahner: Auch die nahende Bundestagswahl bringt Karl Lauterbach nicht von seinem Weg ab.

Après Ski in Österreich? Lauterbach befürchtet Zunahme von Impfdurchbrüchen

Der 58-Jährige verwies auch auf die Problematik der Impfdurchbrüche: „In Innenräumen haben wir jetzt schon viele Ansteckungen auch unter Geimpften. Diese Fälle werden noch zunehmen, wenn der Impfschutz nachlässt.“ Deswegen müsse vor allem auf die Booster-Impfungen und die Weiterentwicklung der Vakzine geschaut werden. Dies seien wichtige Indikatoren, um wirklich über Après Ski nachdenken zu können.

Unterstützung bekommt Lauterbach von Österreichs oberstem Ärztevertreter. Thomas Szekeres forderte: „Über Après Corona reden statt über Après Ski.“ Ja, wie besiegen wir die Pandemie letztlich und wie geht es dann weiter? Themen, die in Deutschland zuletzt ebenfalls zu kurz kamen. Auch und gerade in den Wahlkampf-Debatten. (mg)

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