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Tourismus-Probleme in Österreich: Fast 8000er-Inzidenz in Skiort – 1000 Niederländer kehren infiziert zurück

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Von: Franziska Schwarz

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Omikron erschwert dem österreichischen Tourismus gerade alles. Jetzt sorgt sich die Branche um die Wintersaison – einige rufen sogar nach einem neuen Corona-Lockdown.

Flachau/Salzburger Land - Mit mehr als 7.500 verzeichnet das österreichische Skigebiet Flachau aktuell eine Inzidenz, die beim ersten Hören unglaublich klingt. Nach den Ausführungen des Bürgermeisters wird sie plausibler – sie werfen aber auch ein Schlaglicht auf Tourismus-eigene Probleme in der Corona-Pandemie.

Denn laut Thomas Oberreiter hielten sich aktuell 15.000 bis 16.000 Menschen mehr in dem 3000-Einwohner-Ort auf: Touristen und Tourismusbranchen-Mitarbeiter. Sie machen ihm zufolge gerade 60 Prozent der Corona-Fälle aus. Aber: Von den etwa 230 Infizierten sei momentan kein einziger in medizinischer Behandlung, sagte er der Nachrichtenagentur APA weiter. „Die Hälfte der Betroffenen, in der Regel junge Leute, ist auch ohne Symptome.“

Zweitens werde in Flachau sehr stark getestet - der zweite Grund für die hohe Inzidenz, glaubt Oberreiter. „Wir haben ein eigenes Testcenter, wo sich auch viele Leute, die genesen oder geimpft sind, regelmäßig testen lassen - etwa alle Skilehrer.“

Pisten und Skilifte am Kitzsteinhorn, dem Gletscherskigebiet im Salzburger Land.
Skisaison in Österreich © Eibner-Pressefoto/EXPA/Feichter/Imago

Corona-Variante Omikron stellt Tourismusbranche vor große Hürden

Testen allein löst aber nur einige Probleme. Die Bauweise einiger Unterkünfte lasse es nicht zu, Gäste gut voneinander auf Abstand zu halten. „Wir müssen hier darum Vorsorge treffen“, sagte Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) der APA. „Leider haben wir keine Erfahrungswerte, wie hoch der Bedarf sein wird. Im Vorjahr haben wir zwar zwei Hotels als Quarantänequartier vorbereitet, es hat dann aber keine Saison gegeben.“

Gegen die Idee, ein Kur-Zentrum zur Unterkunft für positiv getestete Touristen umzufunktionieren, protestierte die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK). Sie brauchte das Gebäude für Reha-Fälle. „Wir wollen aber noch diese Woche 70 bis 80 Einheiten finalisieren, wo wir im Jänner und Februar infizierte Urlauber unterbringen können“, so Stöckl.

Zahlreiches Personal ist in Quarantäne, die betroffenen Hotels können kaum mehr betrieben werden. „Wenn wir jetzt nichts tun, haben wir ja sowieso einen faktischen Lockdown, das System ist schon dabei zusammenzubrechen“, sagte Kitzbüheler Tourismusverbandschef Christian Harisch der APA. Auch Skischulen sind im Notbetrieb.. „Es wäre darum wichtig, die Quarantänezeit zu verkürzen oder - wenn keine Symptome auftreten - ganz zu streichen“, findet er.

Omikron in Tourismus- und Skigebieten: Dunkelziffer dürfte hoch sein

Natürlich sieht es nicht nur in Flachau so aus. Besonders in den gern von Touristen besuchten Bundesländern Tirol und Salzburg steigen die Zahlen stark. Kurios klingt in diesem Zusammenhang diese „Anekdote“: 964 Niederländer wurden zum Jahresanfang positiv getestet, als sie aus ihrem Österreich-Urlaub heimkehrten. Das berichtete das Nachrichtenportal NL Times. Die Niederlande gelten in Österreich zur Zeit als Virusvarianten-Gebieten, allerdings gelte die Quarantäne-Pflicht nach der Einreise nicht für dreifach Geimpfte (also mit Booster), heißt es in dem Bericht.

Von einer gewissen Dunkelziffer muss man ohnehin ausgehen. Viele Gäste lassen sich vermutlich gar nicht erst testen, um eine Quarantäne zu vermeiden. Falls sie es doch tun, werden sie in ihrem Zimmer isoliert - oder sie reisen ohne Zwischenstopp mit dem Auto nach Hause. In der Theorie. „Es gibt aber eine Reihe von Fällen, wo das nicht so leicht möglich ist“, so Stöckl. Einzelne Stimmen aus der Tourismusbranche fordern wegen all dem nun einen schnellen und eher kurzen Lockdown, um dann zumindest die restliche Wintersaison zu retten.

Corona in Österreich: Bund und Ländern beraten am 6. Januar

Die Neuansteckungskurve geht in Österreich insgesamt steil nach oben. Am 5. Januar wurden fast 9800 Fälle an einem Tag registriert, fast doppelt so viele wie eine Woche zuvor. Die Lage auf den Normal- und Intensivstationen blieb indes zunächst stabil.

Die wesentlich ansteckendere Omikron-Variante des Virus dominiert seit Jahresende das Infektionsgeschehen in der Alpenrepublik. Bund und Länder beraten am 6. Januar über die aktuelle Lage. Unser News-Ticker zum Corona-Gipfel in Österreich wird dann fortlaufend aktualisiert. (frs)

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