35 Jahre nach Tschernobyl

Stark radioaktiv verseuchte Pilze gefunden - Pfifferlinge weisen besorgniserregende Werte auf

Der Atomunfall von Tschernobyl ist mehr als drei Jahrzehnte her. Pilze sind hierzulande immer noch radioaktiv belastet. Jetzt sind besonders heftige Werte gemessen worden.

Wien - Die erhöhte Radioaktivität von Pilzen ist bekannt. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind Waldpilze zum Teil erheblich belastet - auch noch nach 35 Jahren. Die Höhe der Belastung schwankt nach Sorte und Standort.

Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 hat jetzt besorgniserregende Cäsium-137 Werte in Pfifferlingen gefunden. Gemessen wurden 7.563 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg), das ist mehr als das Zwölffache des in der EU geltenden Grenzwerts von 600 Bq/kg, teilt Global 2000 am Mittwoch mit. Eine Einheit Becquerel - kurz Bq - gibt die Anzahl der radioaktiven Zerfälle pro Sekunde an.

Pilzsorten besonders stark radioaktiv belastet

Diese stark radioaktiv belasteten Waldpilze, in Österreich auch Eierschwammerl genannt, stammen demnach von der Stubwiesalm bei Spital am Phyrn (Bezirk Kirchdorf) in Oberösterreich.

Das radioaktive Cäsium-137 stammt aus dem Tschernobyl-Fallout vor 35 Jahren. Es ist zwar von der Bodenfläche in darunterliegende Schichten abgesunken, kann aber zum Beispiel von Pilzen aufgenommen und in ihnen angereichert werden. Tiere, die diese Pilze fressen, können dadurch sehr stark belastet werden. Bei Menschen gelangt Cäsium-137 vor allem durch die Nahrungsaufnahme in den Körper. Dort lagert es sich vor allem in Muskel und kann Genschäden und Krebs verursachen. Laut der Umweltorganisation hat Cäsium eine Halbwertszeit von 30,1 Jahren.

Spital am Pyhrn (Österreich): 35 Jahre nach dem Tschernobyl-Fallout sind hier radioaktiv verseuchte Pilze gefunden worden.

Global 2000 fordert das österreichische Gesundheitsministerium auf „klar zu informieren, wo Pilze problemlos genossen werden können und wo man aus Vorsorgegründen eben genau lieber nicht in den Wald auf Schwammerlsuche geht.“ Laut Gesundheitsamt wurden in rund zwölf Prozent der Eierschwammerl Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Aus Vorsorgegründen nicht allzu großen Mengen aus höher belasteten Regionen zu konsumieren, sei eine verharmlosende Schlussfolgerung der Behörden.

Tschernobyl

Am 26. April 1986 kam es in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine zu einem schweren Unfall. Der Reaktor brannte 10 Tage lang und setzte eine enorme Hitze frei. Radioaktive Stoffe gelangten durch den thermischen Auftrieb in große Höhen und verteilten sich mit Wind und Wetter über weite Teile Europas.

Ende April/Anfang Mai 1986 trafen die radioaktiven Luftmassen des Reaktorunfalls von Tschernobyl in Deutschland ein. Aufgrund heftiger lokaler Niederschläge im Süden Deutschlands wurde Süddeutschland deutlich höher belastet als Norddeutschland. 

Tschernobyl - Pilze noch immer radioaktiv belastet

Auch Süddeutschland ist immer noch stark davon betroffen, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) mitteilt. Das BfS gibt immer im Oktober einen Bericht über die radioaktive Belastung von Speisepilzen im Vorjahr heraus.

„In Deutschland ist es nicht erlaubt, Lebensmittel mit einem Radiocäsiumgehalt von mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm in den Handel zu bringen“, ist auf der Webseite zu lesen. Für den Eigenverzehr gibt es keine Beschränkungen.

Wer seine persönliche Belastung verringern möchte, sollte in den höher belasteten Gebieten Deutschlands auf den Genuss selbst gesammelter Pilze verzichten, empfiehlt das BfS. Die zusätzliche Strahlenbelastung beim Verzehr üblicher Mengen selbst gesammelter Schwammerl sei gering.

Und in einer BfS-Infobox zu Cäsium -137 heißt es: „Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 3.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm hat eine Belastung von 0,008 Millisievert zur Folge. Dies entspricht der Strahlenbelastung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria.“ (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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