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Grippewelle in Österreich: Wiener Kliniken sollen bestimmte Patienten abweisen

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Von: Marcus Giebel

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In Österreich macht sich die erste Grippewelle seit Beginn der Corona-Pandemie in den Kliniken bemerkbar. Der Wiener Gesundheitsverbund traf nun eine aufsehenerregende Entscheidung.

München - Deutschland steht mit seinem Notstand in den Kliniken nicht allein da. Auch in Österreich macht die Krankheitswelle dem Gesundheitssystem schwer zu schaffen. Das führt laut einem Bericht der Presse dazu, dass die Spitäler in Wien per internem Schreiben angewiesen worden seien, Patienten aus anderen Bundesländern abzuweisen, wenn keine akute Behandlung benötigt werde. Dies soll auch kontrolliert werden.

Der Standard bestätigt die Information und berichtet von „Personalknappheit und daraus resultierende(r) mangelnde(r) Qualität bei der Patientenversorgung“, die Unzufriedenheit im Gesundheitswesen sei groß. In vielen Krankenhäusern könnte nicht einmal der Regelbetrieb aufrechterhalten werden, Operationen müssten verschoben werden.

Grippewelle in Österreich: Wiener Spitäler neben Nicht-Hauptstädter nur noch in Ausnahmefällen auf

Zwar sei es in Österreich grundsätzlich zulässig, unabhängig vom eigenen Wohnsitz eine Klinik aufzurufen. Sobald ein triftiger Grund vorliege, sei eine Anordnung, wie sie nun getroffen wurde, jedoch rechtlich gedeckt. Nicht nur in akuten Fällen sollen die Spitäler der Hauptstadt auch Nichtwienern trotzdem ihre Pforten öffnen - willkommen seien diese auch, „wenn im bundesländerübergreifenden Einzugsgebiet kein ausreichendes Angebot vorhanden ist“.

Gerade aus dem Burgenland und aus Niederösterreich seien viele Bürger in Wien in Behandlung. Nach Angaben des Wiener Gesundheitsverbunds (WIGEV) habe jeder sechste Patient in der Stadt keinen dortigen Wohnsitz.

Turm mit Aufschrift Klinik Donaustadt
Grippewelle mit Folgen: Im Wiens Spitälern dürfen nicht mehr alle Patienten behandelt werden. © IMAGO / CHROMORANGE

Kliniken in Alarmbereitschaft: Kinderstationen laufen in Österreich voll

„Sehr stark ausgelastet“ seien gerade die Kinderstationen - wegen der zunehmenden Virus-Erkrankungen. Wie oe24 und der ORF schreiben, mussten seit Anfang Oktober 173 Influenza-Fälle stationär behandelt werden, allein in der vergangenen Woche hätte es 69 Neuaufnahmen gegeben. So hätte die Klinik Floridsdorf Mitte der Woche nur noch drei freie Betten gehabt.

Hier beruhigt der WIGEV gegenüber der Agentur APA: „Alle Kinder, die ein Spitalsbett brauchen, bekommen natürlich eines.“ Trotz vermehrter Krankheitsfälle - etwa acht Prozent der Mitarbeiter würden aktuell fehlen - sei die Versorgungslage stabil. Der Verbund sei auf „stärkere Infektionswellen“ vorbereitet.

Unter dem Personal würden vor allem Influenza und grippale Infekte umgehen. Die kleinen Patienten kämen vor allem wegen Infektionen mit Respiratorischen Synzytialviren (RSV) in Behandlung - ähnlich wie es in Deutschland der Fall ist. Am Dienstag hätten in den Kinderabteilungen der Kliniken Favoriten, Ottakring, Floridsdorf und Donaustadt 66 Kinder mit RSV-Infektion gelegen, hinzu kämen sieben mit Influenza, drei mit Corona und einige weitere mit anderen Infektionen oder Atemwegserkrankungen. Schwere Verläufe gebe es vor allem bei Kleinkindern im ersten Lebensjahr.

Viele Grippefälle in Österreich: Zahl in Wien jetzt schon höher als in letzter Welle vor Corona-Pandemie

Auch der Grippemeldedienst verzeichnet alarmierende Zahlen. So gab es in Wien in der Vorwoche nach Schätzungen der MedUni Wien insgesamt 23.150 Neuerkrankungen. Das sind 30 Prozent mehr als in der Woche zuvor. Zum Vergleich: Zum Höhepunkt der Grippe-Saison 2019/20 - der letzten solchen Welle vor der Corona-Pandemie – seien in der Millionenstadt 13.900 Fälle von grippalen Infekten und echter Grippe registriert worden.

Die Virologin Monika Redlberger-Fritz sieht Anzeichen für eine starke Grippewelle. Dabei betonte sie bei Radio Wien, dass die Neuerkrankungen nicht nur auf Influenzaviren beruhen würden. Vielmehr müsse das Zusammenspiel zeitgleich zirkulierender Viren beachtet werden. Dazu gehöre auch RSV.

Wie der ORF weiter berichtet, steigt laut MedUni Wien neben Österreich und Deutschland auch in Kasachstan, Portugal, Russland, der Türkei und Schottland die Zahl der Influenzafälle. (mg)

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