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Virologin mit ironischem Seitenhieb gegen Deutsche Bahn - und Warnung vor Omikron-Varianten BA.4 und BA.5

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Von: Theresa Kuchler

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Ironisch bedankte sich Virologin Sandra Ciesek bei der Deutschen Bahn dafür, dass sie im Zug feststeckte. Sie nutzte die Zeit, um über die Omikron-Subtypen aufzuklären.

München – Wenn die Züge der Deutschen Bahn nicht fahren, verlieren Passagiere neben ihren Nerven vor allem eines: viel Zeit. Auch Virologin Sandra Ciesek steckte am Mittwoch (1. Juni) in einem Zug fest. Sie griff zum Smartphone und setzte einen ausführlichen Twitter-Beitrag ab. Doch anstatt sich in einem plumpen Post über die Deutsche Bahn zu beschweren, nutzte Ciesek ihre Reichweite weitaus sinnvoller.

In einem langen Twitter-Thread hat sich die Frankfurter Virologin einem Thema angenommen, das vielen Menschen Sorgenfalten auf die Stirn treibt: die Verbreitung der neuen Omikron-Untervarianten BA.4 und BA.5, die die Weltgesundheitsorganisation als „besorgniserregend“ eingestuft hat. „Danke an die Deutsche Bahn, die mir viele zusätzliche Stunden im Zug und die Zeit dafür beschert hat“, begann die Virologin den Beitrag wohl ironisch.

Weil DB-Zug nicht fährt: Virologin twittert zu Omikron-Varianten – und warnt

Nachdem sich die Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 vor allem in Südafrika ausgebreitet hatten, sind die Fälle mit diesen Corona-Typen zunächst besonders in Portugal auf dem Vormarsch. Wie Ciesek auf Twitter schrieb, wurden die Varianten mittlerweile in etwa 20 Ländern nachgewiesen – und auch in Deutschland wächst der Anteil der Omikron-Subtypen.

Allerdings dürfte es bei der Verbreitung der Mutationen deutliche regionale Unterschiede geben. Wie die Untersuchungen eines Kollegen von Ciesek gezeigt hätten, liegt der Anteil von BA.5 und BA.4 im süddeutschen Raum bei 15,3 Prozent. Da aber „nur ein Teil der Proben (fünf bis zehn Prozent) sequenziert und Mutations-PCRs nicht mehr flächendeckend durchgeführt und vergütet werden“, seien Aussagen zu vielen Regionen gar nicht eindeutig möglich, so die Virologin.

Für Beunruhigung dürfte sorgen, dass auch Geimpfte und Genesene wohl nicht vor einer Infektion mit den ansteckenden Omikron-Typen geschützt sind. „Insbesondere wenn die vorherige Infektion beziehungsweise Impfung schon länger zurückliegen, kann man sich wieder mit BA.4 und BA.5 infizieren“, twitterte Ciesek. So ist etwa in Portugal die Omikron-Variante BA.5 bereits vorherrschend, obwohl dort 87 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Die Virologin warnte daher: „Ich denke, BA.4/ BA.5 werden sich auch hier durchsetzen.“

Zweite Booster-Impfung gegen Corona? – „Werden mit angepasstem Impfstoff wohl wieder hinterherlaufen“

Ciesek fände ein repräsentatives Testen der Bevölkerung sinnvoll. „Wir müssen weiter beobachten, ob sich der klinische Verlauf durch BA.4/5 verändert.“ Schützen könne eine zweite Booster-Impfung – diese sei bei verstärkter Viruszirkulation nicht nur für ältere Menschen sinnvoll. Ob ein angepasster Impfstoff schnell und flächendeckend zur Verfügung steht, bezweifelt Ciesek allerdings. „Leider wird einem auch bewusst, dass wir mit einem BA.1 angepassten Impfstoff wohl wieder hinterherlaufen werden“, schrieb sie auf Twitter und forderte: „Hier müssten wir besser und schneller werden.“ (kuc)

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