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Vierte Corona-Impfung: Top-Virologe bezeichnet sie als „absolut unvernünftig“

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Von: Jonas Raab

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Virologe Klaus Stöhr spricht sich gegen eine Impfpflicht und den vierten Piks für alle aus. Nur bestimmte Menschen sollten im Herbst „vielleicht“ nochmal nachlegen.

München - Omikron lässt die Infektionszahlen nun auch in Deutschland dramatisch in die Höhe schnellen. Doch weil die schweren Verläufe auszubleiben scheinen, macht sich zunehmend Optimismus breit. Sogar vom baldigen Ende der Pandemie ist vereinzelt die Rede. Gesundheitsminister Karl Lauterbach bleibt indes weiter skeptisch, warnt vor neuen Corona-Varianten und drängt auf eine allgemeine Impfpflicht.

Der Münchner Virologe Klaus Stöhr ist anderer Meinung. Erst kürzlich identifizierte er bei Lauterbach „irrlichtern“, monierte die fehlende wissenschaftliche Grundlage bei dessen Aussagen – und versprach einen entspannten Sommer.

Omikron verändert die Pandemie: Immunisierung der Bevölkerung „wird Jahre reichen“

Stöhrs Überzeugung: Omikron wird für eine Immunisierung der Bevölkerung sorgen. In einem ntv-Interview erklärt er nun, warum das so ist. Geimpfte würden durch eine Omikron-Infektion, die in den meisten Fällen asymptomatisch und mild verläuft, nun zwangsläufig einen weiteren natürlichen Booster bekommen, so Stöhr sinngemäß. „Das wird Jahre reichen.“

Klaus Stöhr Virologe Epidemiologe
Virologe Klaus Stöhr erwartet aufgrund der Omikron-Variante eine flächendeckende Immunisierung der Bevölkerung. © teutopress GmbH/Imago

Wichtig sei die Impfung dennoch. „Es braucht den Booster. Das bleibt Top-Priorität“, sagt Stöhr. Denn auch Omikron würde zu Krankenhausaufenthalten führen – aber zu 50 Prozent weniger im Vergleich zur Delta-Variante. In der RTL-Sendung „Guten Morgen Deutschland“ plädierte Stöhr dafür, angesichts explodierender Infektionszahlen nur noch die Hospitalisierungsrate und die Intensivstationenbelegung als Parameter der Pandemie zu betrachten. Die tägliche Zahl der Neuinfektionen spiele keine wichtige Rolle mehr, so der Virologe weiter.

Corona: Virologe Stöhr hält vierte Impfung für „absolut unvernünftig“ – mit Ausnahmen

Auch eine Impfpflicht hält Stöhr mittlerweile für unnötig – und eine vierte Spritze für jedermann bezeichnet er als „absolut unvernünftig“. Die Booster-Impfung werde die Menschen gut durch den Winter bringen. Zudem würden die Daten aus Israel belegen, dass die vierte Impfung keinen großen Unterschied mache. „Man muss sich auch überlegen, wie weit man das Immunsystem noch ausreizen kann. Das ist ja nicht unendlich dehnbar“, erklärte er bei ntv.

Doch es gibt auch Menschen, die sich laut Stöhr möglicherweise ein viertes Mal gegen Covid impfen lassen sollten: über 60-Jährige, vulnerable Bevölkerungsgruppen und Menschen mit einer schwachen Immunantwort. „Darüber sollte man im Herbst vielleicht nochmal nachdenken. Das ist ähnlich wie bei Influenza“, sagt Stöhr als ehemaliger Leiter des Globalen Influenza-Programms. (jo)

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