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Bringt Omikron am Ende sogar Vorteile? Virologe spricht von „Walt-Disney-Szenario“

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Von: Felix Durach

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Omikron könnte bald auch in Deutschland den Großteil der Infektionen ausmachen. Trotz aller Befürchtungen: Es ist ein Szenario, das auch Vorteile mit sich bringen könnte.

Lausanne - Die Omikron-Variante des Coronavirus ist in weiten Teilen Europas auf dem Vormarsch und sorgt somit dafür, dass die Zahl der Neuinfektionen in manchen Ländern quasi explosionsartig ansteigt. Gerade in Großbritannien zeigt sich der Effekt der Variante, die nach ersten Erkenntnissen eine deutlich höhere Ansteckungsrate vorweist als die aktuell in weiten Teilen Europas dominante Delta-Variante. Rund 40 Prozent der Corona-Fälle im Vereinigten Königreich sind mittlerweile auf die Omikron-Variante zurückzuführen. Und das, obwohl dort erst vor wenigen Wochen überhaupt die ersten Fälle der Variante festgestellt wurden.

Corona: Omikron auf dem Vormarsch - Bald auch in Deutschland dominant?

Stellt die Omikron-Variante nach knapp zwei Jahren Pandemie also die Menschen weltweit vor eine noch größere Aufgabe, als die ohnehin schon herausfordernde Delta-Variante? Hierbei sind sich Virologen zumindest im Detail uneinig. Während quasi alle Experten aufgrund der höheren Ansteckungsrate vor einer Ausbreitung von Omikron warnen, geben die ersten Erkenntnisse über die Mutation eventuell auch einen Grund zur Hoffnung.

Denn eine Infektion mit der Omikron-Variante könnte nach ersten Erkenntnissen zu milderen Verläufen führen, als bei anderen Mutationen. Omikron könnte dabei von Vorteil sein, da aufgrund der Ansteckungsrate eine schnelle Durchseuchung der Bevölkerung stattfinden könnte, welche die Krankenhäuser durch die weitestgehend milderen Verläufe jedoch nicht überlasten würden. Dadurch könnte sich eine Art der Herdenimmunität in der Bevölkerung bilden. Eine Möglichkeit, mit der sich auch der Virologe Didier Trono von der EPFL in Lausanne beschäftigt hat.

Eine Mitarbeiterin einer Teststation in der Innenstadt von Oldenburg nimmt einen Abstrich von einer Frau.
Omikron ist in Europa auf dem Vormarsch und könnte bald auch in Deutschland zur dominanten Variante werden. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Omikron: Virologe spricht von möglichem „Walt-Disney-Szenario“

„Ich nenne dies das ‚Walt-Disney-Szenario‘“, erklärt Trono gegenüber blick.ch zu der Theorie. „Eine schöne Geschichte, etwas, das zum Träumen anregt.“ Finale Aussagen zu dieser Möglichkeit könne man jedoch aktuell noch nicht treffen. Dafür ist die Omikron-Variante noch zu neu und zu wenig untersucht. „Die Realität ist: In Großbritannien ist die Zahl der Fälle erst vor wenigen Tagen explodiert, und die Zahlen der Krankenhäuser und der Todesfälle kommen immer zwei Wochen bis einen Monat zu spät, sodass wir noch abwarten müssen, bevor wir die Gefährlichkeit einschätzen können“, erklärt der Virologe. Sollten sich die ersten Berichte über durchschnittliche mildere Krankheitsverläufe jedoch nicht bewahrheiten, könnte die hochansteckende Mutation die Gesundheitssysteme vor große Probleme stellen. Dann könnte eben eine solche unkontrollierte Durchseuchung der Bevölkerung die Krankenhäuser an ihre Belastungsgrenzen bringen.

Auch müssten weitere Untersuchungen zeigen, ob man nach einer Infektion mit der Omikron-Variante auch gegen den Wildtyp und die Delta-Variante des Coronavirus geschützt ist. Fragen, auf die es wohl bald Antworten geben wird. Denn auch in der Schweiz und in Deutschland ist Omikron auf dem Vormarsch. Dann könne man sehen, wie sich die Mutation auf die Häufigkeit von schweren Verläufen und Krankenhauseinweisungen auswirken wird.

Corona: Omikron-Variante von Vorteil? Noch fehlen die nötigen Daten

Aus Südafrika, wo die Variante erstmals entdeckt wurde, werde vor allem milde Verläufe nach einer Infektion gemeldet. Doch hier warnt Trono vor Vergleichen. „Dort ist die Bevölkerung viel jünger als in der Schweiz, und junge Menschen erkranken in der Regel weniger schwer als ältere Menschen“, so der Schweizer Virologe.

In Deutschland sinkt währenddessen die 7-Tage-Inzidenz an Neuinfektionen mit dem Coronavirus weiterhin. Die voranschreitende Booster-Kampagne wird darüber hinaus von sogenannten Totimpfstoffen verstärkt, die im kommenden Jahr ihre Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde erhalten könnten. (fd)

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