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Einzige Strategie gegen Omikron? Virologe Kekulé fordert zwei Wochen „Impfferien“

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Von: Felix Durach

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Deutschland droht eine massive Welle durch die Omikron-Variante. Der Virologe Alexander Kekule sieht aktuell nur eine Strategie als erfolgversprechend an.

Berlin - Die Omikron-Variante des Coronavirus ist in Europa weiterhin auf dem Vormarsch. Auch Deutschland droht nun kurz vor Weihnachten trotz rückläufiger Infektionszahlen der Beginn einer massiven fünften Welle durch die hochansteckende Mutation. Gerade deswegen treffen sich Bund und Ländern am Dienstag zu einem Corona-Gipfel, um die Maßnahmen für die kommenden Wochen zu beschließen. Das Robert Koch-Institut unterstrich kurz vor dem Treffen die Ernsthaftigkeit der Lage und forderte „sofort maximale Kontaktbeschränkungen.“

Bund und Länder müssen also schnell und bestimmt reagieren, um in der drohenden Welle noch Schlimmeres verhindern zu können. Eine große Herausforderung auch deswegen, weil die bisher genutzten Werkzeuge gegen Omikron nur bedingt ausreichen. Diese Position vertritt zumindest der Virologe Alexander Kekulé in einem Gastbeitrag für n-tv.

Virologe Kekulé: „Neue Phase“ der Pandemie durch Omikron - bekannte Werkzeuge unwirksam

„Mit Omikron ist die Pandemie jedoch in eine neue Phase eingetreten“, hält der Virologe fest. Das grundlegende Problem in der aktuellen Situation sei, dass Omikron auch Genesene und doppelt Geimpfte Personen infiziere und den ersten Erkenntnissen nach eine höhere Ansteckungsrate als die Delta-Variante aufweist. Auf der anderen Seite stellt Kekulé fest, dass das Risiko durch eine Infektion „für Geimpfte und Genesene ohne besondere Risikofaktoren sowie für junge Menschen“ im Vergleich zur Delta-Variante gering ist. Da diese Gruppen den überwiegenden Teil der Bevölkerung ausmachen, hält der Virologe einen sofortigen, vollständigen Lockdown für unverhältnismäßig.

Gefährlich wird Omikron aber trotzdem, eben wegen der hohen Ansteckungsrate. Wenn die Mutation innerhalb weniger Wochen den Großteil der deutschen Bevölkerung durchseuchen würde, sieht Kekulé vor allem zwei Gruppen als besonders gefährdet an: „Ungeimpfte Erwachsene und geimpfte Risikopersonen, die noch keinen Booster bekommen haben.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Personen mit dem Coronavirus infizieren werden, ist dann deutlich höher als noch in den zurückliegenden Wellen.

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Alexander Kekule (Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Martin-Luthe
Der Virologe Alexander Kekulé rät zu zweiwöchigen „Impfferien“ nach Weihnachten. © Müller-Stauffenberg/imago-images

Omikron-Variante in Deutschland: Kekulé erklärt Strategie - „durch Drittimpfungen vor schweren Verläufen schützen“

Kekulé und auch andere Experten befürchten deshalb, dass massenhafte Infektionen in diesen Bevölkerungs-Gruppen zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen könnten. Gerade in der Altersgruppe der über 60-Jährigen sieht der Virologe noch einen großen Nachholbedarf an Erst- und Boosterimpfungen.

Genau da setzt also die Strategie an, mit der sich Deutschland nach Kekulés Einschätzung der Omikron-Variante entgegenstellen will: „Möglichst viele ungeimpfte Erwachsene durch Erstimpfungen und Menschen mit besonderem Risiko durch Drittimpfungen vor schweren Verläufen schützen.“ Dafür müssten jedoch gerade in der Zeit um Weihnachten herum noch einmal alle Menschen Abstriche machen.

Kekulé fordert kurzfristige Maßnahmen gegen Omikron - „14 Tage Impfferien“

Der Virologe fordert deshalb nach Weihnachten 14 Tage „Impfferien“. In dieser Zeit müssten Kinos, Theater und Clubs noch einmal zusperren und Veranstaltungen abgesagt werden. Im privaten Rahmen müssten darüber hinaus Kontakte beschränkt werden und bei Freizeitveranstaltungen eine allgemeine Testpflicht gelten - Privilegien durch 2G sollten dann entfallen.

Den großen Unterschied zu den vorherigen Wellen erklärt Kekulé wie folgt: „Es geht diesmal nicht darum, die Infektionswelle zu brechen oder unter eine bestimmte Inzidenz zu kommen - das wäre bei Omikron sinnlos.“ Die zwei Wochen sollen Risikogruppen lediglich mehr Zeit verschaffen, sich eine Boosterimpfung holen zu können. Eine Verlängerung der Einschränkungen sei deshalb auch nicht nötig.

Die Impfferien sollen demnach vor allem ein letzter Weckruf an alle ungeimpften Erwachsenen sein, sich vor Omikron zu schützen. In dieser Zeit müssten dann auch die Impftermine wieder nach Priorität vergeben werden, um die gefährdeten Gruppen möglichst effektiv erreichen zu können. Kekulé bezeichnet die Maßnahmen als „die letzte Chance, sich für die nahezu unvermeidbare Corona-Infektion zu wappnen.“ Andere Strategien seien nach Ansicht des Virologen gegen Omikron nicht erfolgversprechend. (fd)

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