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Mit welcher Dunkelziffer ist bei Omikron zu rechnen?

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Von: Martina Lippl

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Omikron breitet sich mit einer rasanten Geschwindigkeit aus. Daten aus Großbritannien und Dänemark zeigen, wie schnell das passiert. Und in Deutschland?

Berlin - In Europa häufen sich die Fälle der Omikron*-Variante. Dänemark hat es besonders schnell erwischt. „Omikron übernimmt“ teilt das staatliche Serum-Institut SSI Anfang der Woche mit. Das dänische Institut geht davon aus, dass Omikron diese Woche die dominierende Covid-19-Variante sein wird. Großbritannien meldet besorgniserregende Zahlen. „Die Omikron-Welle schwappt weiterhin durch das Vereinigte Königreich“, warnt Premierminister Boris Johnson. Rund 40 Prozent aller Neuinfektionen machen Omikron bereits aus.

Wie groß ist die Omikron-Dunkelziffer in Deutschland?

Und wie ist die Omikron-Lage in Deutschland? Tappen wir bei den Omikron-Infektionszahlen im Dunklen? Offizielle Omikron-Zahlen veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI) bisher nur in seinem Corona*-Wochenbericht, immer am Donnerstagabend.

28 Fälle der Omikron-Variante sind demnach bisher in Deutschland verzeichnet worden (Stand 9. Dezember). Dazu wurden, laut RKI, 36 Fälle über das Meldesystem übermittelt, bei denen ein labordiagnostischer Verdacht auf Omikron basierend auf variantenspezifischen PCR-Testungen besteht. Allein 44 davon in der 48 Kalenderwoche (29. November bis 5. Dezember) nachgewiesen. An diesem Donnerstag (16. Dezember) werden neue Zahlen veröffentlicht. „Der Wochenbericht für heute ist gegen 17 oder 18 Uhr zu erwarten“, teilt das RKI auf Anfrage von Merkur.de* mit.

Omikron ist allerdings hochansteckend. Experten sprechen von einer Verdopplungszeit von zwei bis drei Tagen. „Schon nach wenigen Tagen sind die zuletzt genannten Zahlen veraltet“, sagt Statistiker Prof. Christian Hesse in der Bild. Bei einer lediglich wöchentlichen Aktualisierung gäbe es dann zur nächsten Woche zehnmal so viele Fälle.

Wann kommt die Omikron-Welle nach Deutschland?

Wann die Omikron-Welle in Deutschland richtig losgeht, sei aufgrund der Datenlage in Deutschland Experten zufolge schwierig einzuschätzen. Daten, wie stark Omikron in Deutschland zirkuliert, fehlten. Das räumt auch Prof. Dr. Dirk Brockmann, Leiter der Projektgruppe Epidemiologische Modellierung von Infektionskrankheiten vom Robert Koch-Institut, in einer Videoschalte vom Science Mediacenter am Mittwoch vorsichtig ein. Einen genauen Zeitpunkt könne er nicht nennen. „Aber wenn es losgeht, ist es leicht zu sagen, wie der Verlauf sein wird“, so Brockmann.

„In Großbritannien und Dänemark ist die Genom-Sequenzierung besser“, betont der Berliner Forscher. Modellierungsstudien aus Großbritannien und Dänemark geben einen guten Hinweis darauf, was dann in Deutschland passiert. Bei einer Verdopplungszeit alle zwei Tage könne das dann „sehr, sehr, sehr schnell passieren“.

Angesichts des Tempos in den Nachbarländern schätzen Corona-Experten, dass sich Omikron bis Mitte Januar in Deutschland durchsetzen wird. „Ab Januar werden wir ein ernstes Problem haben“, prognostiziert Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“

Warum hinkt Deutschland mit Omikron-Zahlen hinterher?

Bei der Überwachung von Virusvarianten gelten Großbritannien und Dänemark als Vorbilder. In Dänemark werden beispielsweise alle positiven Corona-Proben mit speziellen Testverfahren auf Omikron untersucht. Täglich veröffentlicht das dänische Serum-Institut SSI jetzt einen Bericht zu den Omikron-Fällen.

In Deutschland sollen Labore fünf Prozent aller PCR-positiven Sars-CoV-2-Proben einer Genomanalyse unterziehen und dann an das Robert-Koch-Institut (RKI) melden. Angesichts der hohen Infektionszahlen sind deutschen Labore mit PCR-Tests und Sequenzierungen überlastet. „Der Anteil der SARS-CoV-2 Fälle, für die eine Genomsequenzierung durchgeführt wurde, sinkt seit einigen Wochen kontinuierlich. Dies ist unter anderem auf den starken Anstieg und die hohen Fallzahlen der letzten Wochen zurückzuführen“, heißt es im RKI Wochenbericht (Stand 9. Dezember). Das RKI empfiehlt: „Daher ist eine Priorisierung des Einsatzes von PCR-Tests gemäß der Nationalen Teststrategie aktuell geboten.“

Das RKI sieht keine große Lücke bei den Genom-Sequenzierungen. „Die absolute Zahl der Sequenzierungen ist relativ konstant, der Anteil ist zuletzt (nur) wegen der hohen Zahl von Infektionen gesunken“, teilt das RKI auf Anfrage von Merkur.de* mit.

Wie zirkuliert Omikron in Deutschland?

In Deutschland dominiert die Corona-Variante Delta - noch, wie die RKI-Grafik aus dem Wochenbericht vom 9. Dezember zeigt. Experten befürchten, dass sich das im Januar ändert.
In Deutschland dominiert die Corona-Variante Delta - noch, wie die RKI-Grafik aus dem Wochenbericht vom 9. Dezember zeigt. Experten befürchten, dass sich das im Januar ändert. © RKI Grafik

GISAID meldet 120 Omikron-Fälle in Deutschland

In der Datenbank von GISAID wurden bisher in 102 Proben die Omikron-Variante in Deutschland nachgewiesen (Stand 16. Dezember). Die weltweite Wissenschaftsinitiative GISAID fördert den freien Zugang von Genomdaten von Influenza und Sars-CoV-2-Viren. Ob das in Deutschland die Spitze des Eisberges ist?

Dänemark registrierte bis Donnerstag 6.047 Omikron-Fälle. Am Montag waren es 3437. „Wir sehen leider, dass die Zahl der neuen Omikron-Fälle erwartungsgemäß von Tag zu Tag steigt. Der Anstieg lässt auch die Gesamtinfektionsraten steigen. Dies bestätigt, dass die Omikron-Variante in diesem Winter eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft sein wird“ , teilt SSI-Chef Henrik Ullum am Donnerstag mit. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek ist mit Blick auf die Entwicklungen in Dänemark und Großbritannien sehr besorgt. Denn, stoppen lasse sich das Infektionsgeschehen ihre Auffassung nach nicht. (ml)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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