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Omikron: Moderna, Biontech und Novavax - Das ist über ihre Wirkung bei zweifacher Impfung und Booster bekannt

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Von: Martina Lippl, Tom Offinger

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Angesichts einer drohenden Omikron-Welle kommt den Corona-Impfstoffen eine bedeutende Rolle zu. Doch wie schlagen sich Moderna, Biontech und Co. gegen die Mutante?

München - London verhängt den Katastrophenfall, die Niederlande begibt sich bis Mitte Januar in einen Lockdown - die Omikron-Variante arbeitet sich Stück für Stück von einem Land in das nächste. Experten wie Virologe Dr. Christian Drosten sind sich sicher, dass sich auch in Deutschland die Lage verschärfen wird. „Omikron ist ein optimales Postpandemievirus. [Deutschland, Anm. d. R.] ist wegen der Impflücke noch nicht bereit für die endemische Situation“, unterstrich Drosten die prekäre Situation rund um die heißlaufende deutsche Impfkampagne.

Virologe Christian Drosten: Impfung das Gebot der Stunde

„Boostern beruhigt die Inzidenz im Winter, aber mit der jetzigen Impflücke kommen wir nicht in die endemische Situation“, so Drosten. Boostern und Impfen sind also das Gebot der Stunde. Doch welcher der verfügbaren Impfstoffe schützt am effektivsten gegen die hochansteckende Omikron-Variante? Erste vorläufige Studien geben Aufschlüsse und zwingen Pharmakonzerne gleichzeitig zum Anpassen ihrer Impfstoffe.

Omikron: Was bringt der Booster?

Mit der Auffrischimpfung können Antikörperspiegel zum Schutz vor Ansteckung wieder angehoben werden. Allerdings ist der Booster nach bisherigen Erkenntnissen nicht ganz perfekt. Das klingt vielleicht alles ziemlich verwirrend. Doch das Immunsystem ist komplex.

Antikörper und T-Zellen - so kämpft unser Immunsystem gegen das Coronavirus

Die Immunantwort bei einer Impfung baut ganz vereinfacht gesagt auf zwei Pfeilern auf: den Antikörpern und den sogenannten T-Zellen. Die T-Zellen-Antwort ist nach Ansicht von Experten vermutlich nicht wesentlich vermindert, auch bei der Omikron-Mutation. Denn die Mutationen liegen eben nicht an den Stellen, wo T-Zellen das Virus erkennen, erklärt Prof. Dr. Christoph Neumann-Haefelin, Leiter der Arbeitsgruppe Translationale Virusimmunologie an der Klinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Freiburg in einem Videocall zum Thema Omikron.

So wirkt der Booster gegen Omikron

Selbst wenn der Antikörperspiegel sinkt, gibt es einen Schutz vor schweren Verläufen. Ein Booster bringt aber einfach noch mehr Schutz auch vor Omikron, wie Experte Neumann-Haefelin betont:

„Sie können es vielleicht so ein Stück weit mit so einer mittelalterlichen Stadt vergleichen. Der beste Schutz vor dem Eindringling ist, eine möglichst hohe Stadtmauer zu haben. Das wäre eine gute Antikörperantwort, wie sie durch die Boosterung jetzt noch mal hergestellt wird. Wenn dann aber doch einzelne Eindringlinge in die Stadt vordringen, dann können dort die T-Zellen als Soldaten auch noch mal den Eindringling, das Virus, bekämpfen und so vor einer schweren Infektion und einer schweren Erkrankung schützen.“

Gegen die Omikron-Variante hat ein Booster großes Potenzial. Gesundheitsminister Karl Lauterbach schreibt auf Twitter zum Thema: „Auch die Boosterimpfung schützt nicht perfekt. Bisher ist der wahrscheinlichste Wert: 70-80 prozentiger Schutz vor symptomatischer Infektion. Aber ohne Booster ist der Schutz zu schwach. Wir müssen daher offensive Boosterkampagne fahren und die Maßnahmen der Kontaktreduktion verschärfen.“

Studiendaten: Moderna-Booster wohl am effektivsten

Biontech/Pfizer und Moderna haben erste Daten aus Labortests zur Wirksamkeit von Corona-Boostern mit ihren Vakzinen vorgelegt. Eine dritte Dosis nach einer Grundimmunisierung erhöhe laut beiden Pharmakonzernen den Antikörperspiegel erheblich.

Eine Auffrischungsimpfung - eine dritte Dosis - mit Moderna erhöht die Immunabwehr im Körper gegen die Omikron-Variante offenbar deutlich. Durch den Booster mit einer Dosierung von 50 Mikrogramm steige der Omikron-neutralisierenden Antikörperspiegel im Blut um das 37-Fache, teilte das US-Unternehmen mit. Forscher hatten den Antikörperlevel 29 Tage nach der Booster-Impfung im Labor analysiert. Ein Booster mit 100 Mikrogramm erhöhte den Antikörperspiegel sogar um das 83-Fache. Derzeit wird empfohlen, bei der ersten und zweiten Dosis 100 Mikrogramm des Moderna-Impfstoffs und bei der Auffrischungsimpfung 50 Mikrogramm zu nutzen.

Moderna hatte für die Laborstudie Blutproben von 40 Probanden untersucht, die 29 Tage zuvor eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten hatten und vor dem Booster niedrige Antikörperspiegel hatten. Eine Hälfte der Probanden wurde mit 50 Mikrogramm des Moderna-Impfstoffs und die andere Hälfte mit 100 Mikrogramm geimpft. Gemessen wurden dann die Spiegel Omikron-neutralisierender Antikörper im Blut der Probanden.

Moderna weist allerdings darauf hin, dass es sich nur um vorläufige Daten handelt. Konzernchef Stéphane Bancel sprach trotzdem von „beruhigenden“ Ergebnissen. Moderna treibe aber auch die Entwicklung eines Omikron-spezifischen Impfstoffs weiter voran. Klinische Studien könnten demnach Anfang 2022 beginnen.

Biontech-Booster gegen Omikron - So wirkt die dritte Dosis

Biontech/Pfizer hatten Anfang Dezember bereits mitgeteilt, für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante seien drei Dosen ihres Produktes nötig. Nach Angaben des Unternehmens erhöht ein Biontech-Booster die neutralisierenden Omikron-Antikörper um das 25-Fache. Das würden vorläufige Labordaten zeigen.

Zwei Dosen schützten demnach nicht ausreichend vor einer Infektion mit dieser Variante. Biontech/Pfizer geht allerdings davon aus, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung auch bei einer Omikron-Infektion weiterhin gegeben ist.

Immunologen halten Impfstoff von Novavax auch für Booster für gut geeignet

Nach Ansicht von Immunologen eignet sich der neu in der EU zugelassene Impfstoff des US-Herstellers Novavax auch für Booster-Impfungen. „Alles, was bislang bekannt ist, deutet daraufhin, dass Novavax wahrscheinlich ein sehr guter Impfstoff ist“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, der Augsburger Allgemeinen. „Bei den Booster-Impfungen ist Novavax laut einer britischen Studie nicht ganz so effektiv wie die mRNA-Impfstoffe, aber deutlich besser als Vektorimpfstoffe“, sagte der Dortmunder Immunologie-Professor.

Dies unterscheide das Vakzin von Novavax von dem Totimpfstoff-Zulassungskandidaten Valneva. „Bei Booster-Impfungen sah man, dass mRNA-Impfstoffe den Antikörperschutz zwanzig- bis dreißigfach verbesserten, Valneva aber nur zweifach“, sagte Watzl der Zeitung. Das Präparat von Novavax müsse nun auch an die Omikron-Variante und ihr verändertes Spike-Protein angepasst werden, sagte Watzl. „Die Entwicklung einer neuen Zelllinie wird für den Hersteller etwas aufwendiger sein, als es für die Produzenten der mRNA-Impfstoffe sein wird, ihr Ausgangsprodukt umzustellen.“

Booster-Impfungen mit Moderna und Biontech: Das empfiehlt die Stiko

Die ständige Impfkommission Stiko empfiehlt eine Auffrischungsimpfung für alle ab 18 Jahren und drei Monate nach der Zweitimpfung. Für die Booster-Impfung kommen derzeit in Deutschland grundsätzlich die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna infrage. In einem separaten Artikel haben wir für Sie eine Übersicht der Stiko-Empfehlung zum Boostern zusammenfasst.

Antikörpertests im Labor

Um die Wirkung eines Impfstoffs gegen eine Virenvariante zu untersuchen, machen Forscher in der Regel sogenannte Neutralisationstests. Es wird geschaut, wie viele Antikörper ein Geimpfter im Blut hat, die an eine - meist künstlich hergestellte - Virusvariante binden können und sie damit ausschalten.

Der tatsächliche Schutz von Geimpften kann damit aber nicht bestimmt werden, dafür braucht es klinische Studien mit Tausenden Probanden oder Auswertungen des laufenden Infektionsgeschehens.

Untersuchung der Covid-Impfstoffe bei doppelter Impfung oder Genesung

Auch Wissenschaftler aus den USA, Europa, Südamerika und Australien beschäftigen sich derzeit mit der Wirksamkeit der derzeitig verfügbaren Corona-Impfstoffe. Wie wirken die Vakzine bei zweifach Geimpften? Forschende untersuchten die Zahl der nach zwei bis vier Wochen noch vorhandenen neutralisierenden Antikörper bei Testpersonen, die auf den bestehenden Impfschutz schließen lassen. Mit einbezogen wurden dabei Personen, die bereits genesen oder zweifach mit Biontech, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson, Sputnik oder dem chinesischen Impfstoff Sinopharm geimpft worden waren.

Die Daten sprechen für Moderna, wenn auch mit einem klaren Wirkungsabfall. „Biontech sichert sich Platz zwei. Astrazeneca und Sinopharm schneiden schlecht ab. Johnson & Johnson und Sputnik gleich Null“, bilanziert der US-Epidemiologe und Gesundheitsökonom Dr. Eric Feigl-Ding auf Twitter. Einen „halbwegs anständigen“ Schutz könne man durch eine Kreuzimpfung von Astrazeneca und Biontech erzielen, so Feigl-Ding weiter. Eine weitere Erkenntnis des Impfstoff-Vergleichs: Eine Person, die von einer Corona-Infektion genesen, aber nicht geimpft ist, habe gegen Omikron praktisch keinen nachweisbaren Impfschutz. Eine Impfung zusätzlich zu einer überstandenen Infektion habe hingegen einen positiven Einfluss auf den Impfschutz.

Daten aus Deutschland liefern besorgniserregende Erkenntnisse

Auch Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt verkündete keine guten Nachrichten. Die Corona-Impfstoffe zeigten gegen Omikron eine drastisch schwächere Abwehrreaktion. Das hätten erste Labor-Tests ergeben.

„Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist“, twitterte Ciesek (8. Dezember). Die Virologin wies aber auch daraufhin, dass aus ihrer Auswertung nicht herauszulesen ist, ob Geimpfte bei Omikron vor einem schweren Verlauf geschützt sind. Denn die Immunantwort beruht nicht nur auf Antikörpern, sondern beispielsweise auch auf T-Zellen. Die Studie beziehe sich einzig und allein auf die Übertragbarkeit des Virus.

Den Angaben von Ciesek zufolge ist die Antikörperantwort gegen Omikron drastisch reduziert im Vergleich zur Delta-Variante - auch bei Menschen mit Auffrischimpfung gibt es eine Reduktion. Wer zweimal mit Biontech, zweimal mit Moderna oder mit Astrazeneca und Biontech kreuzgeimpft ist, habe nach sechs Monaten keinerlei Immunschutz durch die Antikörper mehr gegen die neue Omikron-Variante. „0 Prozent Neutralisation bei Omicron“, schreibt Ciesek. Die Booster-Impfung von Biontech führte nach drei Monaten nur noch zu einer 25-prozentigen Neutralisation. Bei der Delta-Variante lag diese hingegen noch bei 95 Prozent.

Christian Drosten ordnete die Erkenntnisse wenig später ein. Bei Twitter schrieb er: „Eine 40-fache Reduktion der Neutralisationsaktivität bedeutet NICHT, dass die Impfung 40-mal weniger schützt. Der reale Immunitätsverlust ist viel geringer. Im Moment ist Dreifachimpfung der beste Schutz. Neue Impfstoffe erst nach der Winterwelle. Nicht warten, sondern boostern.“

Biontech, Moderna und Astrazeneca: Hersteller erarbeiten speziellen Omikron-Booster

Auf Seiten der Hersteller sind die nächsten Schritte nun klar: Biontech und seine US-Partner Pfizer haben bereits in der Anpassung ihres mRNA-Impfstoffs an Omikron begonnen. Die angepasste Variante soll demnach bis Ende März 2022 auf den Markt kommen. Auch Moderna arbeitet weiter an einem Omikron-Impfstoff. „Um auf diese hochgradig übertragbare Variante zu reagieren, wird Moderna einen Omikron-spezifischen Booster-Kandidaten weiterhin zügig in die klinische Prüfung bringen, falls dies in Zukunft erforderlich wird“, teilt Moderna-Vorstandschef Stephane Bancel mit. Voraussichtlich Anfang 2022 starten klinische Studien mit einem Omikron-spezifischen Impfstoff namens mRNA-1273.529, so das Unternehmen. Astrazeneca prüft derzeit, inwieweit der Vektorimpfstoff vor einer Omikron-Infektion und schweren Verläufen schützt. Gleiches gilt für Johnson & Johnson, der US-Hersteller arbeite allerdings parallel an einem neuen Impfstoff. (afp/to/ml)

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