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Omikron? Experte macht schonungslose Analyse zu Impfstoff-Entwicklung – „Wird schon vorbei sein“

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Von: Patrick Mayer

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Im Fokus: die Omikron-Variante des Coronavirus.
Im Fokus: die Omikron-Variante des Coronavirus. © IMAGO / Christian Ohde

Ein österreichischer Virologe mahnt mit Blick auf die Impfstoff-Forschung zur Omikron-Variante des Coronavirus. Der Wissenschaftler hat aber auch eine gute Nachricht.

München/New York - Wie schnell werden die Impfstoffe gegen die Omikron-Variante des Coronavirus modifiziert? Und wie wirksam sind die bereits vorhandenen Vakzine gegen die Mutation? Ein österreichischer Virologe, der in den USA lebt und arbeitet, hat sich nun dazu geäußert. Er hatte schlechte und gute Nachrichten zugleich. Die Rede ist von Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York. Seit 2010 forscht er zu Grippe-Impfstoffen und zu Impfstoffen gegen Ebolaviren.

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Auch in der Coronavirus-Pandemie ist der gebürtige Steirer ein gefragter Mann. „Ich glaube, die Atempause ist leider relativ schnell wieder vorbei“, sagte Krammer in der Sendung „ZiB2“ bei ORF2 nun zu den Auswirkungen des Lockdowns in seinem Heimatland Österreich: „Die Omikron-Welle wird auf uns zurollen, auch in Österreich. Vielleicht ein bisschen verzögert, weil wir jetzt einen Lockdown hatten. Aber grundsätzlich bin ich mir ziemlich sicher, dass das recht schnell kommen wird.“

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Krammer wurde in der Sendung darauf angesprochen, dass in der Alpenrepublik ab Anfang Januar 16.000 Neuinfektionen täglich befürchtet würden. „Ja, ich glaube, dass das leider realistisch ist. Es kommt auf die Maßnahmen drauf an, die man setzt. Aber man sieht in manchen Ländern Verdoppelungs-Zahlen von 1,8 bis 2,2 Tagen“, meinte der Wissenschaftler: „Das Virus verbreitet sich um einiges schneller als Delta und wird wahrscheinlich in ein paar Tagen in einigen Ländern Delta verdrängen. Oder zumindest stärker verbreitet sein als Delta.“

Zur Einordnung: Die Alpenrepublik hat rund 8,9 Millionen Einwohner, Deutschland dagegen etwa 83,1 Millionen. Um einen Vergleich zu haben, müsste man die österreichischen Ansteckungszahlen - vereinfacht gesprochen - mal zehn oder zumindest mal neun multiplizieren. Das wären dann also rund 140.000 bis 160.000 Infektionen innerhalb von 24 Stunden im deutschen Verhältnis, umgerechnet auf die Einwohnerzahl. Dies ist ein Indiz auf das erwartete österreichische Infektionsgeschehen zwischen Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz zum Jahreswechsel.

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„Wir wissen nicht, wo das Maximum ist. Wir sehen nur, dass es eine sehr starke Zunahme gibt.“, erklärte Krammer im Video-Interview mit dem österreichischen Sender weiter: „Global gesehen schaut‘s mit Omikron nicht besonders gut aus. Wenn man Maßnahmen macht, kann man die Welle vielleicht etwas langsamer machen. Aber das kommt trotzdem auf uns zu.“

Virologe und Corona-Experte: Florian Krammer aus New York.
Virologe und Corona-Experte: Florian Krammer aus New York. © Screenshot ORF2

Die nächste Frage an den Virologen lautete: Wie sehr helfen Booster-Impfungen vor schweren Verläufen durch die Omikron-Variante? „Wir haben erste Daten aus Großbritannien. Sie sind noch sehr gering, besagen aber: Wenn man AstraZeneca zweimal bekommen hat und dann eine Booster-Impfung bekommt, dass es dann einen Schutz von 70 bis 75 Prozent gegen symptomatische Erkrankungen gibt. Das ist ein recht guter Schutz“, antwortete der Wissenschaftler.

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Die Frage sei aber: „Wie lange wird das nach dem Booster anhalten? Wird das wieder runtergehen? Das ist der Schutz vor symptomatischen Infektionen. Wie gut jetzt der Schutz vor schweren Infektionen sein wird, weiß man noch nicht. Dafür gibt es noch nicht die Daten“, erzählte er. Die Vermutung sei aber, „dass ein guter Schutz vor schweren Verläufen in allen Leuten bestehen wird, die eine Grund-Immunität haben“.

Worauf es seiner Meinung nach nun ankomme? „Man sollte der Bevölkerung nahelegen, dass der, wer noch nicht ein drittes Mal geimpft ist, sich impfen lassen soll“, sagte Krammer bei ORF2: „Und man sollte auch die, die noch nicht geimpft sind, dazu bringen, dass sie sich impfen lassen.“ Der Österreicher glaubte indes nicht, dass Omikron-spezifische Corona-Impfstoffe rechtzeitig kommen, um die vierte Welle in der Pandemie zu brechen. Krammer: „Wenn man sich die Zuwachsdaten von Omikron anschaut, glaube ich, dass der Hauptteil der Omikron-Welle vorbei sein wird, ehe wir eine Omikron-spezifische Impfung bekommen werden. Leider.“ (pm)

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