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Das Schlagwort wurde einer Äußerung von Jörg Kachelmann zugeordnet. Der Schweizer Moderator hatte im Herbst davon gesprochen, dass Frauen in der Gesellschaft ein "Opfer-Abo" hätten.

Danke, Herr Kachelmann

"Opfer-Abo" zu Unwort des Jahres gewählt

Darmstadt - Der Begriff "Opfer-Abo" wurde zum „Unwort des Jahres 2012“ gewählt. Zu verdanken ist der Ausdruck dem Wettermoderator Jörg Kachelmann.

Das „Unwort des Jahres 2012“ lautet „Opfer-Abo“. Die überraschende Entscheidung teilte die „Unwort“-Jury unter dem Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt mit. Der Begriff war nur einmal als Vorschlag eingesandt worden. Die Jury ordnete das Schlagwort einer Äußerung von Jörg Kachelmann zu. Der Schweizer Moderator hatte im Zusammenhang mit Vergewaltigungsvorwürfen in einem Interview im Herbst 2012 davon gesprochen, dass Frauen ein „Opfer-Abo“ hätten. Gemeint war damit, dass Frauen aus Kachelmanns Sicht stets die Opferrolle zugesprochen wird.

Kachelmann war in einem aufsehenerregenden Gerichtsprozess im Mai 2011 von dem Vorwurf freigesprochen worden, eine frühere Freundin vergewaltigt zu haben. Der am häufigsten eingeschickte Vorschlag „Schlecker-Frauen“ wurde unter anderem verworfen, weil die Frauen den Begriff auch selbst benutzten.

Die Unwörter der vergangenen Jahre

Die Unwörter der vergangenen Jahre

Die Jury kritisierte den Begriff „Opfer-Abo“, weil er Frauen „pauschal und in inakzeptabler Weise“ unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterinnen zu sein. „Es ist problematisch, dass ein so Prominenter den Begriff verwendet hat“, erklärte Janich.

Dass für 2012 ein selten vorgeschlagener Begriff gewählt wurde, sei aber auch schon 2009 mit „betriebsratsverseucht“ der Fall gewesen, meinte Janich. Die „Unwort“-Jury, die im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten besteht, richte sich nicht nach der Häufigkeit der Vorschläge, das Gremium entscheide völlig unabhängig. „Die Entscheidung war schwierig, aber ein Konsens“, sagte Janich.

Kritik: "Opfer-Abo" erklärungsbedürftig und zu wenig bekannt

Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim, Ludwig Eichinger, meinte, das „Unwort“ sei „zu wenig bekannt“. Allerdings handele es sich „um eine nicht nett gemeinte Wortbildung in einem sehr emotional geführten Streit“. Die Opferorganisation Weisser Ring sieht die Wahl von „Opfer-Abo“ mit gemischten Gefühlen. „Das ist eine zweischneidige Sache“, sagte der Sprecher Helmut K. Rüster am Dienstag in Mainz. Es bestehe die Gefahr, ein Wort auf diese Weise erst populär zu machen. Auf der anderen Seite sei es wichtig, solche Begriffe zu enttarnen - wie dies mit der Begründung der Jury auch geschehen sei.

Zum „Unwort des Jahres 2011“ war „Döner-Morde“ gewählt worden, 2010 „alternativlos“. Dieses Mal gingen insgesamt 2241 Einsendungen ein. Für das „Unwort 2011“ war mit 2420 Einsendungen ein Spitzenwert erreicht worden.

„Opfer-Abo“ kam 2012 in den 470 000 Meldungen der Deutschen Presse-Agentur dpa nur einmal vor - nämlich in der Berichterstattung über das besagte „Spiegel“-Interview mit Kachelmann. „Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden“, sagte der Moderator dem Magazin. „Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind.“

Für 2012 wählte die Jury zu weiteren „Unwörtern“ den Begriff „Pleite-Griechen“. Er diffamiere „ein ganzes Volk und damit auch einen Teil der in Deutschland lebenden Bevölkerung in unangemessener und unqualifizierter Weise“. Gerügt wurde auch die Bezeichnung „Lebensleistungsrente“. Sie sei „irreführend bis zynisch“. In Zusammenarbeit mit der Börse Düsseldorf wurde „freiwilliger Schuldenschnitt“ als „Börsen-Unwort 2012“ bekanntgegeben.

Neben der unabhängigen „Unwort“-Jury wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das „Wort des Jahrs“. Für 2012 wurde im Dezember der Begriff „Rettungsroutine“ bekanntgegeben. Das Wort stehe für die immer wiederkehrenden Maßnahmen zur Rettung des Finanzsystems.

dpa

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