1. Startseite
  2. Welt

Opfer der Pinochet-Diktatur berichtet von Folter durch Schäfer

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Santiago de Chile - Der chilenische Arzt Luis Peebles ist nach eigenen Angaben von dem früheren Chef der berüchtigten Deutschen-Siedlung «Colonia Dignidad», Paul Schäfer, gefoltert worden.

Nach einer von dem Richter Joaquín Billard angeordneten Gegenüberstellung mit dem 83-jährigen Deutschen sagte Peebles am Dienstag, Schäfer habe damals in der hermetisch von der Außenwelt abgeschirmten Enklave im Süden des Landes «alles unter seiner Kontrolle» gehabt.

Der Arzt berichtete, er selbst und andere Opfer seien dort mit Elektroschocks gequält, in enge Kisten gepfercht, mit kaltem Wasser begossen und ohne Nahrung gelassen worden. Peebles äußerte sich auch zu seinen Eindrücken vom Zustand Schäfers. Der Deutsche sei bei «klarem Verstand und aufmerksam» gewesen und habe «den Unwissenden nur gespielt», sagte der Arzt der Zeitung «La Tercera».

Billard ermittelt wegen des Verschwindens des Gegners der Militärdiktatur (1973-1990), Alvaro Vallejos, 1974 in der deutschen Enklave. Über das Ergebnis einer weiteren Gegenüberstellung mit einem früheren Geheimpolizisten wurde zunächst nichts bekannt. Ein zweiter ehemaliger Agent der Geheimpolizei Dina, der ebenfalls vorgeladen war, hielt sich im Ausland auf.

Schäfer hatte die sektenartige Gemeinschaft mit etwa 300 Mitgliedern aus Deutschland 1961 gegründet. Neben der Beteiligung an Diktatur-Verbrechen wird ihm auch sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen. Nach jahrelanger Flucht war Schäfer vergangenen Donnerstag in Argentinien aufgespürt und am Sonntag nach Chile abgeschoben worden.

Auch interessant

Kommentare