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Ouagadougou: Die Hauptstadt von Burkina Faso

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Place des Cineastes in Ouagadougou, Burkina Faso
Place des Cineastes in Ouagadougou, Burkina Faso © Legnan Koula / dpa

Die Fläche Ouagadougous beträgt 219,3 Quadratkilometer. Ouagadougou liegt mitten in Burkina Faso und hat etwa 2,5 Millionen Einwohner (Stand: 2019).

Ouagadougou – In der Hauptstadt von Burkina Faso haben der Präsident im Palais Kosyam sowie die Regierung, das Parlament, alle Ministerien und viele diplomatische Vertretungen ihren Sitz. Daneben sind dort der Cour de cassation (Kassationshof) und der Conseil constitutionel (Verfassungsrat). Alle fünf Jahre wird der Gemeinderat neu gewählt. Dieser wählt aus den eigenen Reihen den Bürgermeister. Simon Compaoré war von 1995 bis 2013 Bürgermeister von Ouagadougou. Am 17. April 2013 wurde er zum Ehrenbürgermeister ernannt. Armand Béouindé ist seit 2016 Bürgermeister der Hauptstadt.

Ouagadougou – Putsch und Übergangsregierung

In der letzten Januarwoche 2022 übernahm eine Militärjunta die Macht in Burkina Faso. Nach zweitätigen Meutereien in verschiedenen Kasernen kam der hochrangige Militär Paul-Henri Damiba an die Macht. Er führte eine Gruppe von Offizieren an, die Präsident Roch Marc Christian Kaboré gestürzt hatten. Kaboré wurde vorgeworfen, mit zu wenig Entschlossenheit gegen den islamistischen Terror der Dschihadisten in Westafrika vorzugehen. Tausende von Menschen sind durch den Terror gestorben und rund 1,5 Millionen Menschen mussten flüchten. Neben dem islamistischen Terror bedrohen auch lange Dürren und Hungersnöte Burkina Faso. Das Land verfügt über reiche Goldvorkommen.

Ouagadougou – Übergangsregierung

Ungefähr sechs Wochen nach dem Putsch im Januar 2022 hat der Junta-Chef Paul-Henri Sandaogo Damiba eine Übergangsregierung geschaffen. Als neuer Premierminister wurde der Wirtschaftswissenschaftler Albert Ouedraogo ernannt. Verteidigungsminister blieb Barthélémy Simporé. Yero Boly wurde Minister für sozialen Zusammenhalt und nationale Aussöhnung. Dem neuen Kabinett gehören sechs Frauen an. Olivia Rouamba wurde Außenministerin. Die Übergangsregierung will das Land innerhalb von drei Jahren in die Demokratie führen.

Ouagadougou – Ex-Präsident Blaise Compaoré

Von einem Militärgericht in Ouagadougou wurde der Ex-Präsident Blaise Compaoré und zwei enge Vertraute, die an der Ermordung des jungen Präsidenten Thomas Sankara beteiligt waren, verurteilt. Blaise Compaoré - der ehemalige Präsident von Burkina Faso - ist im April 2022 in Abwesenheit wegen Mordes an seinem Vorgänger, dem sozialistischen Kämpfer Thomas Sankara, zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Prozess, der als historisch gilt, war im Herbst 2021 eröffnet worden. Thomas Sankara wurde bei einem Putsch 1987 zusammen mit 12 Mitstreitern getötet. Jedoch wird Compaoré aller Wahrscheinlichkeit nach seiner Strafe nicht verbüßen, da er sich seit 2014 im Nachbarland Cote d’Ivoire aufhält.

Ouagadougou ­– Geschichte

Es wird angenommen, dass die Stadt im 11. Jahrhundert gegründet wurde. Sie soll anfangs den Namen Kombemtinga, „Stadt der Krieger“ getragen haben. Gegen 1887 betrug die Einwohnerzahl der aus sieben Dörfern bestehenden Stadt knapp 5000 Einwohner. 1919 wurde aus sieben Kreisen die neue Kolonie Obervolta mit Ouagadougou als Hauptstadt gegründet. Seitdem die Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue zweistöckige Kathedrale errichteten, breitete sich die Metropole immer mehr in die Savanne aus. Der unabhängige Staat Obervolta wurde 1984 in Burkina Faso umbenannt. Das Zentrum des Landes sowie die Region rund um die Hauptstadt Ouagadougou wird vor allem von den Mossi, der bevölkerungsreichsten Ethnie in Burkina Faso, bevölkert.

Ouagadougou – die Stadt, die Infrastruktur

Ouagadougou ist das administrative, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum von Burkina Faso. Die Hauptstadt hat einen internationalen Flughafen, den Aéroport International de Ouagadougou-Burkina und einen Bahnhof, von dem aus wöchentlich zwei Züge über 1260 Kilometer nach Abidjan in der Elfenbeinküste fahren. In der Stadt sind die Zentrale der Westafrikanischen Zentralbank und einige große moderne Gebäude. Ouagadougou besteht aus fünf Bezirken. Die Große Moschee ist das beeindruckendste Bauwerk der Stadt. Der Marché Rood-Woko, einer der größten Märkte in Westafrika, dominiert das Stadtzentrum. Seit 1969 ist die Metropole bekannt als Veranstaltungsort des panafrikanischen Filmfestivals FESPACO.

Ouagadougou – Sonntagsvergnügen

Viele Menschen in der Hauptstadt Ouagadougou verdienen nicht besonders viel Geld. Um ihr Einkommen zu verbessern, treffen sich an Sonntagen die Anhänger des Pferderennsports, um durch Wetteinsätze ihr bescheidenes finanzielles Budget aufzustocken. Pferde werden schon seit Jahrhunderten von den Menschen im westafrikanischen Land Burkina Faso bewundert. Besonders der Volksstamm der Mossi, der einen großen Teil der Einwohner der Hauptstadt Ouagadougou ausmacht, ist von Pferden sehr angetan. Nach einer Erzählung der Mossi gab es eine Prinzessin namens Yennenga. Sie floh von ihrem Vater auf einem Pferd. Sie hatte einen Sohn, dessen Name „Hengst“ bedeutete. Die Prinzessin soll viele Königreiche auf dem Gebiet des heutigen Burkina Faso geschaffen haben.

Ouagadougou ­– Kriminalität

In der Hauptstadt Ouagadougou trifft man auf Kleinkriminelle, zum Beispiel auf Handtaschenräuber, die auch gelegentlich Stichwaffen bei sich haben. Daneben gab es im Jahr 2018 islamistische Anschläge auf französische Einrichtungen, durch die mindestens 28 Menschen getötet wurden. Bei einem Terroranschlag mit Geiselnahme in einem Hotel 2016 starben mehr als 20 Personen.

Ouagadougou ­– das Klima

Ouagadougou befindet sich in der Mitte der Erde. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über fast gleichbleibend. Jahreszeiten – die Unterscheidung nach Sommer- und Winterzeit – gibt es nicht. Das Klima bezeichnet man als Steppenklima. Es regnet äußerst selten. Die Jahresdurchschnittstemperatur in Ouagadougou beträgt 28,6 Grad.

Ouagadougou – Sehenswertes

Ouagadougou ­– drohende Hungersnot

Laut eines Artikels der Deutschen Presse-Agentur im Juni 2022 haben die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine die weltweite Hungerkrise „auf extreme Weise“ verschärft. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen würden gegenwärtig 345 Millionen in 82 Ländern akut unter Hunger leiden – 200 Millionen mehr als vor Ausbruch des Coronavirus. Laut der UN-Behörde sei dieser Zustand alarmierend. Menschen in Ouagadougou in Burkina Faso sind von dieser Hungerkrise auch betroffen.

Ouagadougou – Kinderehen

Im Land wie auch in der Stadt Ouagadougou gilt weitverbreitet die Ehe als heilig und nur dort darf eine Frau Kinder gebären. Bekommt eine Frau ein uneheliches Kind, bringt sie Schande über die Familie. Das ist mit ein Grund, dass es dort immer noch die Zwangsverheiratung von Kindern gibt. Damit soll die Ehre der Familie und der jungen Mädchen geschützt werden. Nach einer Untersuchung des Kinderhilfswerks UNICEF aus dem Jahr 2017 waren bereits 52 Prozent der Frauen verheiratet, bevor sie das 18. Lebensjahr erreicht hatten. Oft wird ein Heiratsversprechen bereits kurz nach der Geburt eines Mädchens oder während dessen Kindheit abgegeben. Dabei zahlt die „Bewerber“-Familie eine Mitgift an das Mädchen.

Viele der Mädchen, die durch diese Absprache zu einer späteren Heirat gezwungen werden, erleiden psychische und auch physische Schäden, da sie mit dieser Situation äußerst überfordert sind. Die Jüngsten heiraten im Alter von 11 Jahren. Neben den genannten Schäden besteht bei ihnen auch eine hohe Gefährdung während einer oder infolge einer Geburt zu sterben.

Kinderehen nehmen den Mädchen ihr Recht auf Selbstbestimmung und auf Bildung.

Ein Gesetz zum Schutz der Mädchen vor der Zwangsehe besteht wohl, aber es wäre wichtig, dass dieses Gesetz auch tatsächlich angewendet würde.

Ouagadougou – Genitalverstümmelung

Immer noch ist es in Ländern wie Burkina Faso und in Städten wie Ougadougou üblich, die weibliche Genitalverstümmelung gutzuheißen, sei es aus Gründen der Tradition oder der Religion. Nach einer Erhebung vom Jahr 2013 mussten beinahe 76 Prozent der Frauen in Burkina Faso eine Genitalverstümmelung ertragen. Nach der Erhebung wurden 60 Prozent der Frauen beschnitten, bevor sie fünf Jahre alt waren. Die Beschneidungen werden landesweit praktiziert, in manchen Landesteilen mehr, in anderen weniger.

Diese Praktiken ignorieren die Rechte der jungen Mädchen, das Recht auf körperliche Unversehrtheit und bewirken oft körperliche und mentale Beeinträchtigungen bei den betroffenen Frauen.

Auch hier ist festzustellen, dass die Genitalverstümmelung bei Familien mit Bildung weit weniger praktiziert wird als bei Familien ohne Bildung oder Ausbildung.

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