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Palästinenserführer Barguti tritt doch an

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- Ramallah - Der in Israel inhaftierte Palästinenserführer Marwan Barguti hat sich zu einer Kampfkandidatur gegen den amtierenden PLO-Chef Mahmud Abbas bei der Präsidentenwahl am 9. Januar entschlossen. Wenige Stunden vor Schließung der Kandidatenliste reichte seine Frau am Mittwochabend die Kandidatur des 45-Jährigen offiziell ein, nachdem sie ihn im Gefängnis besucht hatte.

Die Entscheidung Bargutis bedeutet eine Abkehr von der bisherigen Konsenshaltung in der Fatah-Bewegung, die einen Machtkampf innerhalb der Organisation vermeiden wollte.

Fadwa Barguti sagte, ihr Mann habe sich zu dem Schritt entschlossen, nachdem er Briefe von hunderten von Anhängern bekommen habe. Barguti habe sich zur Kandidatur durchgerungen, "um die Demokratie zu stärken" und seine "Treue für den palästinensischen Widerstandskampf" auszudrücken. Er sei sehr traurig darüber, dass der Tod des Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat international mit Erleichterung aufgenommen worden sei und man ihn als Hindernis für eine Friedenslösung gesehen habe. Barguti wolle "diesen Kampf in Verteidigung all jener führen, die als Terroristen abgestempelt worden sind", sagte seine Frau. Sie habe ihn zum ersten Mal nach zweieinhalb Jahren Isolation treffen können. "Es war ein sehr bewegendes Treffen."

Politische Beobachter halten angesichts der Kandidatur Bargutis eine Spaltung der PLO für möglich. Der 45-Jährige ist unter Palästinensern deutlich beliebter als der 70-jährige Abbas, der bisher als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Arafats galt. Vergangene Woche hatte Barguti in einem in Ramallah verbreiteten Schreiben noch erklärt, er wolle auf eine Kandidatur verzichten, und seine Unterstützung für Abbas ausgedrückt.

Ein israelisches Gericht hatte ihn im Sommer wegen Anschlägen auf Israelis zu fünf lebenslänglichen Haftstrafen und weiteren 40 Jahren Gefängnis verurteilt. In Israel wurde aber seit dem Tod Arafats verstärkt debattiert, ob er für eine Rückkehr auf die politische Bühne freigelassen werden könnte.

Die radikal-islamische Hamas-Organisation kündigte am Mittwoch an, sie wolle die Präsidentenwahl boykottieren. Der Hamas-Führer Ismail Hania sagte in Gaza zur Begründung, die Palästinenserführung habe die Forderung seiner Bewegung nach allgemeinen Wahlen nicht akzeptiert.

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