Das Coronavirus unter dem Mikroskop - eine Animation.
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Seit zwei Jahren hält uns das Coronavirus in Atem. Aber wie sieht es mit neuen, bislang unbekannten Viren aus?

„bisher kaum erforscht“

Droht die nächste Pandemie? - Forscher entdecken unbekannte Viren

  • Veronika Silberg
    VonVeronika Silberg
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Forscher haben in einer tibetischen Eiskappe 33 unbekannte Virus-Arten entdeckt. Das Eis und ihre Anpassungsfähigkeit hat die Viren über Jahrtausende bewahrt. Werden Sie jetzt zur Gefahr?

Ohio - Tief im unerforschten Hochland von Tibet - dem „Dach der Welt“ - finden Forscher plötzlich 15.000 Jahre im Eis eingeschlossene, vom Menschen noch nie untersuchte Viren. Das klingt wie der Anfang eines Science-Fiktion-Blockbuster. Oder wie der Beginn einer Pandemie. Die bislang unbekannten Viren haben sich über Jahrtausende unter extremen Bedingungen gehalten und entwickelt. Können sie uns jetzt gefährlich werden?

Das Forschungsteam der Ohio State University rund um Zhi-Ping Zhong veröffentlichte ihre Studie in der amerikanischen Fachzeitschrift „Microbiome“ und beschreibt hier 33 verschiedene Virus-Typen, die im Eis der Guliya-Eiskappe, einem tibetischen Gletscher festgestellt werden konnten. Das Hochland von Tibet ist eine besondere Ökoregion in Ostasien. Sie gilt als höchste Hochebene der Welt. „Die Gletscher im Westen Chinas sind bisher kaum erforscht und unser Ziel ist es diese Informationen zu nutzen, um vergangene Lebensräume zu untersuchen“ erklärt Zhong in den Ohio State News. „Viren sind Teil dieser Lebensräume.“

Virus-Fund in Asien: Das Hochland von Tibet gilt als „Dach der Welt“ hier gelten extreme Bedingungen.

Droht eine neue Pandemie? -Virus-Fund in Asien: Viren hielten sich 15.000 Jahre lang

Die Proben des Teams wurden 2015 genommen. Die Viren selbst haben sich aber vermutlich schon vor Jahrtausenden auf dem Gipfel des Gletschers gebildet. Das Eis hat sie bewahrt und sammelte sich dort Jahr für Jahr in neuen Schichten. Trotz der schützenden Eisschichten bedurfte es aber auch einer starken Anpassungsfähigkeit der Viren, um diese enorme Zeitspanne zu überdauern.

Trotzdem gehen die Forscher aber nicht wirklich davon aus, dass uns einer der 33 Virus-Arten gefährlich werden könnte. Den in der Studie veröffentlichten Untersuchungen zufolge, scheinen die nachgewiesenen Virusarten eher aus Pflanzen und Boden zu stammen und damit - anders als das Coronavirus und seine Mutationen - weder Mensch noch Tier als Wirt zu befallen. Der Vergleich mit 131 anderen Virus-Genomen deute auf einen pflanzliche Ursprung hin.

Virus-Fund im Eis: Wichtig für die Wissenschaft - Wie reagieren Bakterien und Viren auf den Klimawandel?

Statt einem möglichen Schaden betonen die Forscher vielmehr den Nutzen ihrer Untersuchungen. Tatsächlich kann es sehr wichtig sein sich mit solchen Virus-Funden zu beschäftigen. „Wir wissen sehr wenig über Mikroben und Viren in solch extremen Lebensräumen“ erklärt Lonnie Thompson, Seniorautor der Studie im Bericht der Universität. „Sie zu dokumentieren und zu verstehen ist extrem wichtig: Wie reagieren Bakterien und Viren auf den Klimawandel? Was passiert, wenn wir von einer Eiszeit in eine Hitzephase kommen?“

Auch die Methoden des Forschungsteams könnten sich noch als wertvoll erweisen. Die von Zhong entwickelte Technik ist darauf spezialisiert, Mikroben und Viren in extremen Lebensräumen nachzuweisen. Denkbar sei beispielsweise Mars, der Mond oder die Atacama Wüste. (vs)

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