Lob für Papst Benedikts erste Enzyklika

- Rom - Papst Benedikt XVI. hat in seiner ersten Enzyklika die zentrale Bedeutung der Liebe im Christentum betont. Die Liebe verbinde Gott mit den Menschen sowie die Menschen untereinander. Dies sei besonders aktuell in einer Welt, in der mitunter im Namen Gottes zu Hass und Gewalt aufgerufen wird, heißt es mit Blick auf den Terrorismus.

Die Liebe zwischen Mann und Frau dürfe aber nicht zum bloßen Sex degradiert werden, warnt der Papst in dem am Mittwoch veröffentlichen Dokument. Dadurch werde die Liebe und der Mensch zur Ware. Dem christlichen Gottesbild "entspricht die monogame Ehe", schreibt Ratzinger in dem stark theologisch ausgerichteten Text mit dem Titel "Deus Caritas est" (Gott ist Liebe).

Eindringlich betont der Papst die Verpflichtung der Gläubigen und der Kirche zur tätigen Nächstenliebe. Zugleich warnt er aber: "Die Kirche kann nicht und darf nicht den politischen Kampf an sich reißen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie kann und darf nicht sich an die Stelle des Staates setzen."

Kardinal Karl Lehmann lobte die erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI. Der Pontifex ziele mit seinem "Weltrundschreiben" auf die Grundhaltung der Christen schlechthin, nämlich auf die Liebe ab. "Der Papst geht damit ganz bewusst hinein in das Zentrum der christlichen Botschaft", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in Mainz.

Benedikt XVI. selbst spreche in dem Text zur Gottes- und Nächstenliebe von einer Botschaft "von hoher Aktualität und von ganz praktischer Bedeutung". Lehmann zeigte sich überzeugt, "dass der Papst angesichts der Situation in der Welt und im Blick auf die Chance des christlichen Glaubens ins Schwarze trifft". Das Lehrschreiben "Deus Caritas est" (Gott ist Liebe) ermutige Menschen in Kirche, sozialen Einrichtungen und Politik auch angesichts der "heutigen Not des Sozialstaates" in ihren Bemühungen um Gerechtigkeit und Liebe.

Lehmann: Nicht einzelne Passagen über Sex herausbrechen

Der Mainzer Bischof warnte zugleich, aus der Enzyklika zur Weckung eines "oberflächlichen Interesses" nur einzelne Passagen wie etwa die über Sex "herauszubrechen". Dies wäre "verlockend, aber verkehrt". Als negative Beispiele nannte Lehmann bereits veröffentlichte Schlagzeilen wie "Papst-Enzyklika warnt vor Liebe als bloßem Sex" oder "Papst verurteilt in Enzyklika Eros ohne Liebe".

Enzykliken sind verbindliche päpstliche Lehrschreiben, die sich an die gesamte katholische Kirche richten. Sie gelten aber nicht als "unfehlbar". Benedikt, der im vergangenen April gewählt wurde, unterzeichnete das von ihm selbst verfasste Schreiben offiziell am Weihnachtstag, dem 25. Dezember.

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