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Von den Gläubigen begeistert empfangen: Papst Benedikt XVI. zu Gast in Kuba.

Papst feiert Messe mit zehntausenden Kubanern

Santiago - Bei einer Messe mit zehntausenden Gläubigen auf Kuba hat Papst Benedikt XVI. die Bedeutung des Glaubens hervorgehoben. Leise Kritik des Heiligen Vaters an der kubanischen Politik gab es auch.

„Ich rufe euch auf, euren Glauben neu zu beleben, um danach zu streben, eine erneuerte und offene Gesellschaft aufzubauen, eine bessere Gesellschaft“, mahnte das katholische Kirchenoberhaupt am Montagabend bei dem Gottesdienst unter freiem Himmel. Nur noch zehn Prozent der Kubaner sind praktizierende Katholiken.

Empfangen wurde der Papst in Santiago von Präsident Raúl Castro und einigen Ministern, einer Militärkapelle, einer Ehrengarde und zahlreichen Geistlichen. Die Messe wurde vom kubanischen Staatsfernsehen übertragen. Unter den Teilnehmern waren hunderte Exilkubaner aus den USA, die mit Sondermaschinen auf die Karibikinsel gekommen waren. Nach dem Ende der Messe stieg Castro die Stufen zum Altar empor und gratulierte dem Papst.

Die Stimme des 84-jährigen wirkte während der Messe müde und er schien erschöpft nach vier anstrengenden Reisetagen. Vatikansprecher Federico Lombardi räumte ein, dass Benedikt müde sei, gesundheitlich gehe es ihm aber gut.

Benedikt übt nur verhaltene Kritik

Der Besuch von Benedikt in Kuba kommt 14 Jahre nach der historischen Reise seines Vorgängers Johannes Paul II. Dieser rief damals Fidel Castro auf, politische Gefangene freizulassen, Abtreibungen nicht länger zuzulassen und der katholischen Kirche ihren Platz in der Gesellschaft zu geben.

Benedikt äußerte sich zurückhaltender. Er mahnte die kommunistische Führung nur vorsichtig zu Reformen, die das Volk wünsche, und kritisierte gleichzeitig die Auswüchse des Kapitalismus. Er schien dabei die Reformen zu berücksichtigen, die Raúl Castro seit 2006, als er die Macht von seinem älteren Bruder übernahm, schon eingeleitet hat. Auch spielt die katholische Kirche jetzt eine größere Rolle in Kuba, zuletzt bei Verhandlungen über die Freilassung Dutzender politischer Gefangener.

Castro versicherte dem Papst, dass sein Land der Freiheit des Glaubens verpflichtet sei. Die Beziehungen zu den religiösen Institutionen seien gut. Gleichzeitig kritisierte er wieder das seit 50 Jahren bestehende Embargo der USA.

Unmittelbar vor Beginn des Gottesdienstes gab es eine kleinere Protestaktion und ein Mann rief in der Nähe der ausländischen Journalisten regierungskritische Parolen wie: „Nieder mit der Revolution! Nieder mit der Diktatur!“ Sicherheitsbeamte führten den Mann ab. Es war unklar, um wen es sich handelte und was anschließend mit ihm geschah. Die Behörden äußerten sich nicht zu dem Vorfall.

Politische Gespräche in Havanna auf dem Programm

Die Nacht verbrachte Benedikt XVI. in einem extra für ihn gebauten Haus in der Nähe der Barmherzigen Jungfrau von Cobre, der Schutzpatronin Kubas. Nach einem Gebet vor der Statue der Jungfrau am Dienstag erklärte der Papst, er habe gebeten, dass „die Wege der Erneuerung und Hoffnung zum größeren Wohle aller Kubaner“ vorangebracht würden.

Ein ranghoher kubanischer Beamter wies Forderungen nach politischem Wandel in dem Land am Dienstag zurück. „Wir modernisieren unser Wirtschaftsmodell, aber wir reden nicht über politische Reform“, sagte Marino Murillo zu Journalisten.

Der Papst traft am Dienstagabend (MEZ) in Havanna ein, wo er unter anderem mit Präsident Raúl Castro zusammentreffen wollte. Spekuliert wurde auch über ein Treffen mit seinem Bruder Fidel Castro. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez, der sich in Havanna einer Krebstherapie unterzieht, hatte nicht um eine Audienz beim Papst ersucht. Er sei aber auf der Messe am Mittwoch in Havanna willkommen, erklärte ein Vatikansprecher.

dapd

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