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Papst Benedikt XVI. im April 2009 in L'Aquila am Grab von Coelestin V. - dem einzigen Papst, der zuvor freiwillig zurücktrat. 

Benedikt XVI. am Sarg von Coelestin V.

Geheimnis um dieses Papst-Foto gelüftet?

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Rom - Übermittelte Papst Benedikt XVI. vor Jahren an diesem Sarg eine Botschaft, deren Bedeutung wir erst nach seinem Rücktritt verstehen? Ein renommierter Theologe deutet das Geheimnis hinter dem Foto.

Entstanden ist das Bild am 29. April 2009. Papst Benedikt XVI. besuchte damals den Sarg von Papst Coelestin V. (1215-1296) in der italienischen Stadt L'Aquila, die wenige Tage zuvor von einem Erdbeben heimgesucht worden war. Oberflächlich betrachtet war es ein Besuch am den letzten Ruhestätte eines mittelalterlichen Kirchenführers, dessen Pontifikat äußerst unspektakulär verlief. 

Nach einem kurzen Gebet legte Benedikt auf den Schrein Coelestins die weiße Wollstola, das "Pallium", die er nach seiner Papstwahl im April 2005 auf die Schultern genommen hatte. Diese symbolisiert seine kirchliche Autorität als Bischof von Rom.

Pressestimmen zum angekündigten Papst-Rücktritt

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Fünfzehn Monate später, am 4. Juli 2010, besuchte Benedikt aus eigenem Antrieb die Katehdrale von Sulmona in der Nähe von Rom. Dort betete er abermals vor Reliquien Coelestins V.

"Damals haben wenige Menschen davon Notiz genommen", schrieb US-Theologe Professor Scott Hahn ("Mehr als ein Gefühl: Gründe für den christlichen Glauben"; Sankt Ulrich Verlag 2008) am Montag áuf Facebook zu diesen Besuchen. Deren Bedeutung werde vielleicht erst am heutigen Montag völlig klar. Denn: Coelestin V. war der einzige von Benedikts 264 Vorgängern, der jemals freiwillig zurücktrat. Professor Hahn ist überzeugt, dass diesen Besuchen Benedikts eine tiefe Symbolik innewohnte. 

Er schreibt: "Erst jetzt können wir ein besseres Verstädninis dafür gewinnen, was es bedeutet hat. Diese Handlungen waren wahrscheinlich mehr als fromme Taten. Eher waren sie tiefgreifende und symbolische Gesten einer sehr persönlichen Natur. Sie sollten uns die Nachricht übermitteln, dass ein Papst kaum einen anderen Weg gehen kann."

Gemeint ist natürlich der Weg des Rücktritts. Hahn meint, dass Benedikt zeigen wollte, dass ein Papst das Amt niederlegen muss, wenn er nicht mehr fähig ist, dieses in vollem Maße auszuüben. Und: Coelestin ermöglichte es dem heutigen Papst erst, zurückzutreten.

"Fragen an mich": Der Papst antwortet den Gläubigen

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Hahn schreibt: "Im Jahr 1294 wurde dieser Mann, Bruder Pietro Angelerio, von allen als frommer und heiliger Priester geschätzt, gegen seinen Willen zum Preister gewählt. Und das war kurz vor seinem 80. Geburtstag. (Ratzinger war 78, als er 2005 zum Papst gewählt wurde."

Nur fünf Monate nach seiner Wahl habe Coelestin ein Dekret herausgegeben, das es Päpsten erlaubte, zurückzutreten. Oder, wie anderen Herrschern, abzudanken. "Papst Coelestin übte dieses Recht selbst aus", schreibt der Theologe. "Und nun hat Papst Benedikt XVI. sich entschlossen, diesem verehrungswürdigen Vorbild zu folgen."

Übrigens: Coelestin zog sich nach seinem Rücktritt in ein Kloster zurück. Ein Weg, den Benedikt XVI. nun ebenfalls gewählt hat.

Franz Rohleder

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