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Das Satiremagazin Titanic wurde wegen ehrverletzender Bilder von Papst Benedikt XVI. gerügt.

Rüge wegen Fäkalien-Bild

Titanic-Chef: "Dümmer, als der Papst erlaubt"

Berlin - Der Deutsche Presserat hat gegen die Satirezeitschrift „Titanic“ wegen des Papst-Titelbildes eine öffentliche Rüge ausgesprochen.

Rüffel für die „Titanic“: Das provokante Papst-Titelbild vom Juli ist vom Deutschen Presserat beanstandet worden. Der zuständige Beschwerdeausschuss erteilte dem Satiremagazin am Donnerstag eine öffentliche Rüge. Gegen das Cover waren 182 Beschwerden eingegangen. Der Ausschuss bewertete mehrheitlich die Leserkritik als begründet. Die Darstellung von Papst Benedikt XVI. als inkontinent und mit Fäkalien beschmiert sei entwürdigend und ehrverletzend, befand das Gremium. „Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer sagte der Nachrichtenagentur dapd, er sei von der Reaktion des Presserats „vollkommen überrascht“.

Der Rüge liege zugrunde, dass die „Titanic“ die Privatperson Joseph Ratzinger beleidigt habe, sagte Fischer. „Gegen uns hat aber nicht Joseph Ratzinger geklagt, sondern Papst Benedikt XVI.“ Fischer fügte hinzu: „Deswegen halten wir den Presserat für dümmer, als der Papst erlaubt.“ Der „Titanic“-Verlag erkenne den Presserat nicht an. Deshalb werde das Blatt die Rüge auch nicht veröffentlichen, erklärte Fischer.

Das Titelbild zeigte den Papst mit einem großen gelben Fleck auf der Soutane. Auf dem Titel hieß es in Anspielung auf den Skandal um den Verrat von internen Dokumenten: „Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!“ Auf der Rückseite wurde er von hinten mit braunem Fleck und dem Kommentar „Noch eine undichte Stelle gefunden!“ gezeigt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche war zunächst juristisch gegen das Titelbild vorgegangen.

Papst in seiner Ehre verletzt

Nach Ansicht des Beschwerdeausschusses, dem acht Journalisten und Verleger angehören, wird die Ziffer 9 des Pressekodex verletzt, in dem es um den „Schutz der Ehre“ geht. „Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen“, heißt es darin.

Zwar habe Satire die Freiheit, Kritik an gesellschaftlichen Vorgängen mit den ihr eigenen Stilmitteln wie Übertreibung und Ironie darzustellen, betonte der Presserat. In diesem Fall sei die Grenze der Meinungsfreiheit jedoch überschritten worden. Das Gremium sah keinen Sachbezug zur Rolle des Papstes in der „Vatileaks“-Affäre gegeben, wie es weiter hieß. Die Person Joseph Ratzinger werde von der Zeitschrift als „undichte Stelle“ tituliert und durch die befleckte Soutane der Lächerlichkeit preis gegeben. Dies sei nicht mehr von der Meinungsfreiheit gedeckt, urteilte das Gremium.

Theoretisch gibt es den Angaben zufolge Einspruchsmöglichkeiten. Nach dem Pressekodex entspricht es „fairer Berichterstattung“, öffentlich ausgesprochene Rügen zu veröffentlichen. Die Rüge ist die schärfste Sanktionsmöglichkeit des Presserats, der als Freiwillige Selbstkontrolle der Presse agiert.

Der Papst hatte seinerzeit eine einstweilige Verfügung gegen die Fotomontage der „Titanic“ erwirkt, weil er sich dadurch in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlte. Das Landgericht Hamburg verbot die weitere Verbreitung des Titelfotos. Dagegen wiederum legte die Zeitschrift Widerspruch ein. Einen Tag vor einem geplanten Gerichtstermin zog der Vatikan dann den Antrag auf einstweilige Verfügung zurück. Die juristische Auseinandersetzung war damit an dieser Stelle beendet.

„Titanic“ 2010 wegen Enke-Fotos gerügt

Beschwerden gegen die „Titanic“ hatte es in der Vergangenheit schon verschiedentlich gegeben. Die 2010 eingereichten rund 200 Beschwerden gegen ein Titelbild der „Titanic“ mit einem in Schritthöhe vor Jesus am Kreuz knieenden katholischen Geistlichen - ein Kommentar zu den Missbrauchsfällen - waren seinerzeit vom Presserat allesamt als unbegründet zurückgewiesen worden.

Zuletzt war die „Titanic“ im März 2010 wegen verschiedener online veröffentlichter Fotos beziehungsweise Cartoons öffentlich gerügt worden, die sich mit dem Tod des früheren Nationaltorhüters Robert Enke befassten.

dapd

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