Papst trifft Queen - und Zehntausende jubeln

Edinburgh - Zehntausende Menschen haben am Donnerstag Papst Benedikt XVI. zum Auftakt seines viertägigen Staatsbesuchs in Großbritannien zugejubelt. Zum Thema Kindesmissbrauch fand er bedauernde Worte.

Viele der rund 125.000 Schaulustigen in Edinburgh schwenkten gelbweiße Fähnchen des Vatikans und Benedikt erklärte bei einem Empfang von Königin Elizabeth II. im Palace of Holyroodhouse in der schottischen Hauptstadt, er sei gekommen, “um die Hand der Freundschaft“ zu reichen.

Königin Elizabeth betonte das gemeinsame christliche Erbe der anglikanischen und katholischen Kirche - die Abspaltung von Rom durch Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert wurde von beiden Seiten nicht hervorgehoben. Katholiken wurden bis ins frühe 19. Jahrhundert verfolgt; nur zehn Prozent der Briten sind heute katholisch.

Das Bild der katholischen Kirche in der britischen Öffentlichkeit wird derzeit vor allem von dem Skandal um den Missbrauch von Kindern durch Geistliche getrübt. Auf dem Flug nach Schottland räumte Benedikt so deutlich wie nie zuvor Versäumnisse der Kirche im Zusammenhang damit ein. Es stimme ihn traurig, dass die Verantwortlichen nicht aufmerksam genug gewesen seien und nicht schnell und entschlossen genug gehandelt hätten, sagte Benedikt zu Journalisten. Priester, die sich des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen schuldig gemacht hätten, dürften nie mehr Zugang zu Kindern haben, sagte Benedikt. Sie litten an einer Krankheit, die nicht durch bloßes Wohlwollen geheilt werden könne. Die oberste Priorität müsse nun den Opfern eingeräumt werden, um ihnen zu helfen, das erlittene Trauma zu überwinden.

Die britischen Medien haben im Vorfeld über die Reise des Papstes eher kritisch berichtet. Bemängelt wurden unter anderem die Kosten des Besuchs in Höhe von zwölf Millionen Pfund (14,4 Millionen Euro). In London waren T-Shirts mit der Aufschrift “Pope Nope“ (zu deutsch etwa “Papst Nein“) zu sehen. Außerdem gab es öffentliche Diskussionen über den Zölibat.

“Argwohn überwinden und Vertrauen stärken“

Das Treffen zwischen dem Papst und der Queen, die zugleich Oberhaupt der anglikanischen Kirche ist, war angesichts des fast ein halbes Jahrtausend währenden schwierigen Verhältnisses von großer symbolischer Bedeutung. “Aus Erfahrung wissen wir, dass durch engagierten Dialog alter Argwohn überwunden und gegenseitiges Vertrauen gestärkt werden kann“, erklärte die britische Königin. Der Papst entgegnete, er wolle dem britischen Volk die “Hand der Freundschaft“ reichen.

Bereits auf dem Flug nach Edinburgh hatte Benedikt erklärt, Großbritannien blicke auf eine lange Geschichte des Antikatholizismus zurück. “Aber es ist auch ein Land mit einer langen Geschichte der Toleranz.“ Es ist der erste Staatsbesuch eines Papstes in Großbritannien. Benedikts Vorgänger, Johannes Paul II., war 1982 lediglich im Rahmen eines sogenannten Pastoralbesuchs ins Vereinigte Königreich gekommen.

Benedikts Reise ist ein Staatsbesuch, weil er von der Königin eingeladen wurde. Im Mittelpunkt von Benedikts Reise steht die Seligsprechung des von der anglikanischen Kirche zum Katholizismus konvertierten Kardinals John Henry Newman, der im 19. Jahrhundert in Großbritannien wirkte. Zu der Messe am Sonntag erwarten die Organisatoren rund 55.000 Besucher - ursprünglich waren sie von 80.000 ausgegangen.

AP

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