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Das heilige Land kommt nicht zur Ruhe.

Patriarch ruft zu Nahost-Frieden auf - neue Gewalt

Bethlehem/Gaza - Der lateinische Patriarch von Jerusalem rief zu Weihnachten zur Versöhnung in Nahost auf. Doch die Lage im Gazastreifen schaukelt sich weiter hoch.

Das Blutvergießen im Heiligen Land ging auch Weihnachten weiter. Nur kurz nach einem Aufruf des höchsten Vatikanvertreters in Nahost zum Gebet für den Frieden gab es im Gazastreifen wieder Tote. Der lateinische Patriarch Fouad Twal sprach sich während der Mitternachtsmesse in Bethlehem für einen Dialog zwischen den Religionen aus. "Dieser Dialog ist zwingend erforderlich", mahnte Twal. "Er ist die Antwort auf den modernen Atheismus und Fundamentalismus." Bei einem Feuergefecht am Rande des Gazastreifens töteten israelische Soldaten jedoch erneut zwei militante Palästinenser. Der militärische Arm der radikalen Hamas-Organisation drohte mit neuer Gewalt.

Der Patriarch verurteilte in der Nacht zum Samstag jegliche Form von Gewalt, Extremismus, Ungerechtigkeit und Vorurteilen. Er betete in Anwesenheit von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas dafür, dass Jerusalem nicht nur die Hauptstadt zweier Nationen (Israels und eines unabhängigen Palästinenserstaates) werde, sondern auch ein Modell für eine Welt der Harmonie und der Koexistenz der drei monotheistischen Weltreligionen.

Doch die Realität in Nahost bleibt prekär: Zwei Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad wurden am Sonntag am Rande des Gazastreifens bei einem Gefecht mit israelischen Soldaten getötet. Nach Darstellung der israelischen Armee hatten sie versucht, am Grenzzaun Sprengsätze zu legen. Der Sprecher des militärischen Arms der Hamas, Abu Obeida, hatte am Samstag nach den jüngsten israelischen Luftangriffen im Gazastreifen angekündigt: "Die Versuche des Feindes, eine Eskalation der Lage herbeizuführen, werden nicht mit Schweigen beantwortet."

Am Freitagnachmittag war die traditionelle Weihnachtsprozession aus Jerusalem in Bethlehem eingezogen. Palästinensische Christen und Besucher aus aller Welt bereiteten den Teilnehmern, die von Twal angeführt wurden, einen feierlichen Empfang auf dem zentralen Krippenplatz. Twal war in sein traditionelles purpurrotes Gewand gekleidet. Die Fahrzeugkolonne musste auf dem Weg in die Stadt, in der nach christlicher Überlieferung Jesus geboren wurde, drei eiserne Tore passieren.

Schon lange vor der Ankunft der Prozession hatten sich auf dem Krippenplatz zahlreiche Besucher versammelt. Wegen des starken Andrangs mussten Sicherheitskräfte einige Zugänge zu dem Platz sperren. "Ich komme jedes Jahr zu Weihnachten hierher", sagte der 72-jährige Christ Philipp Salsa aus dem Nachbarort Bet Sahur. "Jedes Jahr kommen mehr Besucher und die Atmosphäre wird immer festlicher."

Die Hotels in dem kleinen Städtchen im südlichen Westjordanland, das großteils von einer Mauer umgeben ist, sind voll ausgebucht. Bethlehem hofft bis zum Jahresende auf eine Rekordzahl von bis zu zwei Millionen Besuchern für 2010. Die wirtschaftliche Lage in Bethlehem hat sich in den letzten Jahren verbessert, die Einwohner leiden jedoch weiter unter der Besatzung Israels.

Israel hat für die Weihnachtszeit etwa 7000 Reisegenehmigungen für Palästinenser aus dem Westjordanland ausgestellt. Mehrere hundert christliche Palästinenser im Gazastreifen erhielten von Israel Passierscheine für eine Reise ins Westjordanland. Insgesamt leben im Gazastreifen mit seiner Bevölkerung von gut 1,5 Millionen Menschen etwa 3000 Christen. In diesem Jahr hat Israel auch 200 Einreisegenehmigungen an Christen aus arabischen Staaten erteilt.

dpa

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