Gewaltwelle erschüttert Brasilien

São Paulo: 160 Morde in vier Wochen

São Paulo - Eine Welle der Gewalt erschüttert Brasiliens größte Stadt São Paulo. In den vergangenen vier Wochen wurden 160 Menschen ermordet.

In der Nacht zum Dienstag wurden erneut mindestens fünf Menschen erschossen. Eines der Opfer ist der Sohn eines Ex-Polizisten, wie Medien berichteten. Ein zweiter Sohn wurde von Schüssen verletzt. Die Elf-Millionen-Metropole ist seit Monaten Schauplatz blutiger Attentate hinter denen auch die wiedererstarkende Drogengang „Primeiro Comando da Capital (PCC)“ (Erstes Hauptstadtkommando) vermutet wird.

Der Justizminister des Landes, Antônio Ferreira Pinto, wollte am Dienstag mit den Sicherheitsbehörden in São Paulo über Schritte beraten, um der Gewalt Herr zu werden. In den vergangenen vier Wochen wurden mehr als 160 Morde registriert. Im September waren es nach offiziellen Angaben 135 Morde, 96 Prozent mehr als im September 2011. Seit Anfang des Jahres wurden über 90 Polizisten im Großraum São Paulo getötet. Betroffen ist vor allem der Norden der Stadt.

Am Wochenende erregte ein Attentat auf eine 44-jährige Polizistin Aufsehen, die vor den Augen ihrer minderjährigen Tochter erschossen wurde. Die Gruppe PCC operiert zum Teil aus Gefängnissen heraus. In São Paulo inhaftierte Drogenbosse sollen deshalb möglicherweise in Hochsicherheitsgefängnisse im Inneren des Landes verlegt werden. Die Polizei reagiert auf die Mordserie unter anderem mit Razzien in Armensiedlungen (Favelas).

dpa

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