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Polizisten am Fundort der Leiche von Peggy. 

Nach DNA-Fund

Peggy und der NSU: Politischer Druck auf Ermittler wächst

Bayreuth - Der DNA-Treffer am Fundort der getöteten Schülerin Peggy hat die Ermittler elektrisiert. Angesichts einer möglichen Verbindung zum NSU ist auch die Politik geschockt.

Der spektakuläre Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der getöteten Schülerin Peggy erhöht den politischen Druck auf die Ermittlungsbehörden. Parteien und Regierungsvertreter in Bund und Ländern sind entsetzt über eine mögliche Verbindung der Fälle.

Politiker wollen auch andere Kindsmordfälle überprüfen 

Gleichzeitig werden Forderungen nach neuen und ausgedehnten Ermittlungen laut. Im Raum steht der Verdacht, dass weitere bisher ungeklärte Fälle getöteter Kinder in Zusammenhang mit dem NSU und dessen Umfeld stehen könnten.

"Unfassbar" nannte es Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag, dass einer der NSU-Terroristen möglicherweise auch noch der Mörder der kleinen Peggy sein könnte. Clemens Binninger (CDU), der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, forderte eine "Generalrevision" der DNA-Spuren im NSU-Komplex. "Der Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt müssen sich noch mal den vielen anonymen Spuren an den NSU-Tatorten widmen", sagte er.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kündigte an, die Akten zu einem ungeklärten Kindsmord aus den 1990er Jahren komplett neu überprüfen zu lassen. Damals seien "Herr Böhnhardt und sein Name schon einmal im Visier" gewesen, sagte er. Am kommenden Montag soll eine Sonderkommission bei der Landespolizei Jena ihre Arbeit aufnehmen und mit der Staatsanwaltschaft Gera zusammenarbeiten.

Auch die Linken-Politikerin Martina Renner hat eine Überprüfung aller Fälle vermisster und getöteter Kinder in der Region gefordert. „Jetzt müssen sämtliche DNA-Spuren der Fälle von vermissten und getöteten Kindern in der Region mit den Spuren der NSU-Täter verglichen werden“, sagte die Innenexpertin der Linken-Fraktion im Bundestag den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Samstag.

Rechtsmediziner schließen zufällige Übertragung aus

Anwälte von Angehörigen der NSU-Opfer im Münchner NSU-Prozess um die rechtsextreme Mordserie und Mitglieder diverser Untersuchungsausschüsse kündigten Fragen oder Beweisanträge an. Dabei geht es etwa darum, was die mutmaßliche NSU-Mittäterin Beate Zschäpe zum Fall Peggy sagen könnte, ob es Zusammenhänge mit Vorwürfen des Kindesmissbrauchs gibt und ob alle ungeklärten Fälle, bei denen Menschen mit Migrationshintergrund und Kinder zu Tode gekommen seien, mit der DNA der mutmaßlichen NSU-Terroristen abgeglichen werden.

Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass am Fundort der Skelettteile der 2001 verschollenen Peggy aus Oberfranken Genmaterial von Böhnhardt entdeckt worden war. Die Rechtsmedizin der Universität Jena schloss eine zufällige Übertragung der DNA Böhnhardts auf die Spurenträger am Fundort der Leiche Peggys am eigenen Institut aus.

Ermittlungen in alle Richtungen

Nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft Bayreuth muss aber weiter geprüft werden, ob der DNA-Treffer möglicherweise durch eine Verunreinigung ausgelöst wurde. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte, derzeit sei "Punkt eins der Ermittlungen, nachvollziehbar abzuklären, dass es nicht zu Verunreinigungen oder Fehlern bei der Übermittlung von DNA-Material gekommen ist".

Die damals neunjährige Peggy war im Mai 2001 im nordbayerischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Für die Ermittler ist klar, dass der Fundort der Skelettteile nicht der Tatort war. Wie lange Peggy nach dem Verschwinden noch gelebt hat, ist unklar.

Der Rechtsextremist Böhnhardt gehörte dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) an. Mit seinem mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos soll er jahrelang unerkannt gemordet haben - hauptsächlich aus fremdenfeindlichen Motiven. Mundlos und Böhnhardt töteten sich den Ermittlern zufolge im Herbst 2011 nach einem Banküberfall, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Die mutmaßliche Mittäterin Zschäpe stellte sich der Polizei. Seit fast dreieinhalb Jahren muss sie sich vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten.

dpa

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