Peloponnes: 41 Feuertote und Hunderte auf der Flucht

Athen/Rom - Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis hat die verheerenden Waldbrände in Griechenland als eine «nationale Tragödie» bezeichnet. Das sagte der Politiker am Samstag nach einer mehrstündigen Inspektion der betroffenen Regionen in einer Fernsehansprache.

«Der Staat wird alles unternehmen, damit die Wunden des Feuer-Orkans geheilt werden», sagte Karamanlis weiter. Bei den Waldbränden in Griechenland sind nach offiziellen Angaben bislang mindestens 41 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende wurden verletzt. Am schwersten getroffen wurden die Einwohner von zwei kleinen Dörfern nahe der Kleinstadt Zacháro auf dem Westen der Halbinsel Peloponnes.

In Artémida und Mákistos wurden 30 Menschen getötet, darunter auch sieben Kinder und Jugendliche. In den meisten Fällen verbrannten die Menschen in ihren Autos, als sie versuchten, vor den Flammen zu flüchten, berichteten Reporter. In der Nähe der beiden Ortschaften stießen drei Autos mit einem Löschfahrzeug der Feuerwehr zusammen. Vermutlich hatte schlechte Sicht infolge des Rauchs die Kollision verursacht. Der Rundfunk berichtete, dass am Unfallort neun verkohlte Leichen entdeckt wurden. «Den genauen Verlauf werden wir nie erfahren. Niemand überlebte», sagte ein Polizist.

Der Präsident des griechischen Journalistenverbandes, Panos Sombolos, berichtete im griechischen Fernsehen aus der Umgebung der kleinen Ortschaft Mákistos im Westen der Halbinsel Peloponnes: «Es ist schrecklich. Ich habe so etwas nie erlebt. Wir entdecken hier immer mehr verkohlte Leichen. Hier liegt eine Mutter mit vier Kindern». Nahezu alle griechische Zeitungen schrieben am Samstag von «apokalyptischen Bildern». Die meisten Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, hieß es. In vielen Fällen werden DNA-Tests nötig sein, um ihre Identität festzustellen. Bürgermeister der betroffenen Orte vermuten, dass die Feuer vielfach von Brandstiftern gelegt wurden. Dahinter steckten häufig Bodenspekulanten, berichteten griechische Medien weiter.

Mit dem ersten Tageslicht konnten mehrere Löschflugzeuge und Hubschrauber im Gebiet der am schwersten betroffenen Region der Kleinstadt Zacháro eingesetzt werden. «Wir hoffen, heute das nötige "Zeitfenster" mit dem Nachlassen des Winds zu haben, damit wir die Flammen aus der Luft unter Kontrolle bringen», sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr. Landesweit waren 19 Löschflugzeuge und 18 Hubschrauber im Einsatz. Zwei Löschflugzeuge aus Frankreich wurden am Samstag in Griechenland erwartet. Athen hatte am Vorabend Hilfe bei der EU beantragt.

Die Feuerwehr auf dem Peloponnes wurde auf Weisung von Ministerpräsident Karamanlis mit Kräften aus Nordgriechenland verstärkt. Zudem wurde ein mobiles Lazarett des Heeres in die am schwersten betroffene Region um Zacháro entsandt. Hunderte Soldaten kamen dort am Samstag an, um den Menschen zu helfen, berichtete das staatliche Fernsehen NET.

Auch in anderen Regionen Griechenlands tobten am Samstag Waldbrände. Nach Angaben der Feuerwehr brannte es an mehr als 170 Stellen in fast allen südlichen Regionen. Mehrere hundert Menschen wurden am frühen Samstagmorgen mit kleinen Fähren aus der Hafenstadt Nea Stýra auf der Insel Euböa aufs Festland gebracht. Auf der zweitgrößten griechischen Insel waren in der Nacht mehrere Brände ausgebrochen. Hunderte Menschen flohen in Panik aus ihren Ferienhäusern. Die Rauchwolken des Brandes auf Euböa erreichten die östlichen Vororte Athens. Ein Großbrand tobte auch nahe der südgriechischen Hafenstadt Kalamata. Andere Feuer wüteten nahe Sparta, Korinth und Tripolis und Megalopolis. In den Präfekturen Messinia und Lakonia und Ilia wurde der Notstand ausgerufen.

Auch auf Sizilien sind die Wald- und Buschbrände noch nicht unter Kontrolle. Am stärksten wüten die Feuer in der Umgebung von Palermo und Messina, berichtete das staatliche italienische Fernsehen am Samstag. Die Feuerwehr sei mit Löschhubschraubern im Einsatz. Die Polizei habe zwei Männer wegen Brandstiftung festgenommen. Sie stehen unter Verdacht, am Mittwoch ein Landhotel bei Messina in Brand gesetzt zu haben, wobei drei Menschen starben. Am Freitag kam ein weiterer Mann ums Leben. Insgesamt forderten die Brände seit Beginn des Sommers in Italien zwölf Menschenleben.

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