Pfefferminze und Verleihnix - Nicht jeder Name ist für Kinder erlaubt

Frankfurt/Main - Andere Länder, andere Sitten: Vor allem Prominente machen immer wieder mit besonders ungewöhnlichen Namensschöpfungen für ihren Nachwuchs Schlagzeilen - von Madonnas Tochter Lourdes über das Beckham-Baby Brooklyn bis zu Nicole Kidmans Tochter Sunday Rose. "Hauptsache auffallen" scheint die Devise zu lauten. In Deutschland dürfen Eltern ihr Kind nicht nennen, wie sie möchten.

So mag es zum Beispiel der Altkanzler mit Genugtuung oder Bedauern nehmen - aber Eltern dürfen ihrem Kind hierzulande nicht den Vornamen "Schröder" geben. Die Richter des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt meldeten dabei allerdings wohl weniger aus politischen, sondern aus rechtlichen Gründen Bedenken an. Der Vorname sei nicht "eintragungsfähig", wie es im Juristendeutsch heißt, weil ihn die Allgemeinheit als Familienname auffassen werde. Nach Ansicht des OLG Köln gilt dasselbe für den Namen "Schmitz".

Gerichte müssen häufig im Streit zwischen Eltern und Standesbeamten entscheiden. Maßstab sind für sie dabei immer zwei Dinge: Das Geschlecht muss hinreichend deutlich werden, und der Name darf nicht die Würde des Kindes verletzen. So schreiten die Gerichte beispielsweise ein, wenn sie fürchten, ein Kind werde wegen seines Vornamens regelmäßig von Spiel- und Klassenkameraden gehänselt.

Davon ging beispielsweise das Landgericht Hannover beim Vorschlag "Godot" als Jungenname aus, das Amtsgericht Traunstein entschied so bei "Pfefferminze" als Mädchenname. Ebenso befanden das Amtsgericht Kassel für "Borussia" und das Amtsgericht Nürnberg für "Rosenherz" - beides sollten die Namen von Mädchen werden.

Dagegen hatten das OLG Schleswig gegen den Namen "Emelie-Extra" und das Landgericht Saarbrücken gegen "Sundance" - jeweils für einen Jungen - nichts einzuwenden. Und das Bayerische Oberste Landesgericht ließ für ein Mädchen sogar den Vornamen "Sonne" zu.

Mit der Frage, ob ein Name hinreichend "geschlechtsspezifisch" ist, haben sich ebenfalls zahlreiche Entscheidungen befasst. Und auch dabei haben Gerichte ganz unterschiedlich befunden: So hatte das Amtsgericht Flensburg beispielsweise Bedenken gegen den Vornamen "Mika" - auch wenn heute ein Popsänger so heißt. Und das Amtsgericht Düsseldorf lehnte die Eintragung von "Wegwanipiu" ab. Das Landgericht Berlin stoppte die Eintragung des Namens "Venus" für einen Jungen und das Amtsgericht München den Namen "Puschkin" für ein Mädchen - in beiden Fällen werteten die Gerichte den Namen als "zu eindeutig geschlechtsbezogen", um vom jeweils anderen Geschlecht getragen zu werden. Großzügiger erwiesen sich dagegen das OLG Hamm im Fall von "Luka", das Amtsgericht Frankfurt für "Emanuele", das OLG Celle hinsichtlich des Vornamens "Leines" und das OLG Köln für den Vornamen "Büb". In all diesen Fällen sahen die Gerichte die Namen als zulässige männliche Vornamen an.

Dagegen sah das OLG Hamm die Namen "Ogün" und "Tjorven" nur als zulässig an, wenn ein zweiter, eindeutig männlicher Name hinzugefügt werde. Mehrfach befunden wurde schon über den Vornamen "Jesus": Das Landgericht Mönchengladbach wertete den Namen nicht als eintragungsfähig, dagegen urteilte das OLG Frankfurt, "Jesus" sei ein weltweit gebräuchlicher Name. Als "allgemein gebräuchlich" wertete das OLG Zweibrücken den Namen "Pumuckl".

Selbst bloße Fantasienamen werden von den Gerichten häufig als zulässig angesehen, sofern sie "nach deutschem Sprachgefühl" das Geschlecht erkennen lassen, so das OLG Karlsruhe. Nach diesen Maßstäben ließ das Bayerische Oberste Landesgericht den Namen "Uragano" für ein Mädchen zu. Das Amtsgericht Ravensburg hatte dagegen Bedenken beim Namen "Stone", das OLG Zweibrücken beim Vornamen "Lord".

Unterschiedlich urteilen die Richter auch bei scherzhaften Namen: Während das Amtsgericht Krefeld beispielsweise den Namen "Verleihnix" und das Bayerische Oberste Landesgericht "Möwe" als nicht eintragungsfähig ansahen, billigte das Landgericht Ravensburg den Namen "Windsbraut". Das Amtsgericht Nürnberg und das Landgericht Köln ließen die weiblichen Vornamen "Biene" beziehungsweise "Fanta" zu.

Das Amtsgericht Dortmund erkannte den Vornamen "Jazz" für einen Jungen an, da der Kindesvater Jazzmusiker war. Und das Amtsgericht Duisburg zeigte sich in Namenssachen besonders großzügig: Es entschied, dass Geschwister zwei identische Vornamen haben können, wenn sie sich in ihrem dritten Vornamen unterscheiden.

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