Suche nach falsch deklariertem Fleisch

Pferdefleischskandal: EU setzt auf Gentests

Brüssel/Berlin - Nach dem Pferdefleisch-Skandal werden immer mehr falsch deklarierte Produkte entdeckt. Hunderttausende Packungen müssen vernichtet werden. Die EU setzt auf Gentests.

Bei der Fahndung nach falsch deklariertem Pferdefleisch wollen die EU-Staaten nun Gentests machen. Darauf einigten sich am Freitag Vertreter der Staaten in Brüssel. Die EU-Kommission übernimmt einen Anteil der Kosten an den Untersuchungen, die bis spätestens Ende März abgeschlossen sein sollen.

In diesem Zeitraum sollen die nationalen Behörden 2250 Gentests an Rindfleischprodukten machen. Auf jedes Land entfallen dabei zwischen 10 und 150 Proben. Getestet werden nach Angaben der EU-Kommission vor allem Fleischprodukte im Einzelhandel.

Außerdem wollen die Staaten bei Pferdefleisch nach Rückständen des entzündungshemmenden Medikaments Phenylbutazon fahnden. Es ist für den Einsatz bei Tieren, die später auf dem Teller landen sollen, nicht zugelassen.

Die Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker warnte vor Phenylbutazon. „Es ist ein stark wirksames Mittel gegen Entzündungen im Körper und keinesfalls total unproblematisch“, sagte die Expertin Petra Zagermann-Muncke. Als Nebenwirkungen seien schwere allergische Reaktionen - Hautausschläge oder Asthma - oder Blutbildschäden möglich, auch unabhängig von der Dosis. Phenylbutazon wird bei Pferden als Dopingmittel verwendet.

Die Verbraucherzentralen kritisierten ungenügende amtliche Informationen für die Kunden über den Pferdefleisch-Skandal. Der deutsche Lebensmittelhandel wies den Vorwurf zurück, Supermarktketten hätten ihre Kunden zu spät über mögliches Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne informiert. Die Firmen hätten angesichts erster Verdachtsfälle die Produkte vorsorglich aus dem Verkauf genommen, teilte Präsident Friedhelm Dornseifer vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels mit.

Nach Angaben französischer Ermittler soll der Hersteller Comigel rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Pferdefleisch der Firma Spanghero hergestellt haben, die dann an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden.

Spanghero bestritt erneut, für falsch deklarierte Lieferungen verantwortlich zu sein. „Ich weiß nicht, wer es ist, aber wir sind es nicht“, sagte der Chef der französischen Firma, Barthélémy Aguerre, am Freitag dem Radiosender Europe 1. Das bei Spanghero angekommene Fleisch sei stets als Rind deklariert gewesen.

Bundesweit werden Zehntausende Packungen mit Fertig-Lasagne als Folge des Skandals vernichtet. Handelsketten nahmen massenhaft verdächtige Ware aus den Regalen, in Kühlhäusern gelagerte Produkte wurden sichergestellt. Allein in Brandenburg blockierten die Behörden rund 26 000 Packungen, weil sie statt des angegebenen Rindfleischs möglicherweise Pferd enthalten. In Mecklenburg-Vorpommern wurden gut 11 000 Packungen Lasagne unter Pferdefleisch-Verdacht aus Lagern und Kühlregalen genommen. Auch in Großbritannien tauchten erneut Spuren von Pferdefleisch in Rindfleischprodukten auf.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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