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Der Generalobere der Piusbrüder, Bischof Bernard Fellay,legt seine Hände auf einen neuen Priester.

Piusbrüder vor der Rückkehr in die Kirche

Vatikanstadt/München – Die Wiederaufnahme von Teilen der traditionalistischen Piusbruderschaft in die katholische Kirche scheint unmittelbar bevorzustehen. Jetzt liegt die Entscheidung bei Papst Benedikt.

Seit Tagen schwirren Gerüchte umher, dass sich der Vatikan und die umstrittene traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius auf einen Weg geeinigt haben, auf dem zumindest ein Teil der Traditionalisten wieder in die katholische Kirche zurückkehren könnte. Am hat die Päpstliche Kommission Ecclesia Dei bestätigt, dass ein Schreiben des Generaloberen der Piusbruderschaft, Bernhard Fellay, vorliege. Es werde nun von den zuständigen Stellen im Vatikan geprüft und dann dem Papst zur Entscheidung vorgelegt. Über den Inhalt des Schreibens wurde zunächst nichts bekannt.

Im Gegensatz zu früheren unbefriedigenden Antworten der Piusbrüder handele es sich diesmal um einen „Schritt vorwärts und einen ermutigenden Vorgang“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Der Dialog sei noch nicht abgeschlossen. Die Antwort Fellays werde jetzt „binnen kurzer Zeit“ von der Glaubenskongregation untersucht. Der Vatikan hatte Fellay am 16. März aufgefordert, binnen eines Monats eine „lehrmäßige Präambel“ zu unterzeichnen und darin das kirchliche Lehramt anzuerkennen. Eine positive Antwort wäre Voraussetzung für eine Aussöhnung mit den exkommunizierten Piusbrüdern.

„Solange der Wortlaut der Erklärung der Piusbrüder nicht vorliegt, fischt man im Trüben“, sagte der Münchner Kirchenrechtler Professor Stephan Haering auf Anfrage unserer Zeitung. Er hält es für denkbar, dass ein Teil der Piusbruderschaft in die Kirche zurückkehrt. „Ich habe immer gedacht: Wenn es zu einer Einigung kommt, wird ein radikaler Rest diesen Schritt nicht vollziehen.“ Das bezieht sich auf Spekulationen, wonach unerlaubt geweihte Bischöfe wie der Holocaust-Gegner Richard Williamson gegen die Einigung sind.

Verständnis zeigt Haering für das grundsätzliche Bemühen des Papstes, die Trennung mit den Piusbrüdern zu überwinden: „Es ist die Aufgabe des Papstes, für die Einheit zu sorgen.“ Er könne dieses Problem nicht ignorieren, schließlich handele es sich bei den Abtrünnigen um Katholiken. Allerdings hänge alles von dem Wortlaut der Erklärung der Piusbrüder ab: „Sie müssen den Glauben und die Lehrtradition der Kirche anerkennen.“ Haering vermutet, dass die Gruppe um Fellay auch die Lehren des II. Vatikanischen Konzils anerkennt – „sonst wird es keine Einigung geben“. Bisher lehnen die Piusbrüder u.a. Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit und Ökumene strikt ab.

Interessant werde nach einer grundsätzlichen Einigung die rechtliche Umsetzung sein, so Haering. Er hält die Einrichtung einer päpstlichen Personalprälatur nach dem Vorbild von Opus Dei für denkbar. Ein solches Werk habe sicherlich ein Eigenleben. Es dürfe aber nicht so weit gehen, dass sich eine Konkurrenz um „das bessere Katholischsein“ entwickelt. Laut Haering gibt es weltweit 600 000 Anhänger der Bruderschaft. Bei 1,2 Milliarden Katholiken eine „verschwindend kleine Zahl“. Wenn sich nach einer Wiedereingliederung eine Gruppe in einer Diözese ansiedeln wolle, müsse der Ortsbischof zustimmen. Anfangs werde es aber laut Haering viele Unsicherheiten geben.

Claudia Möllers

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