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Pocken-Impfung: Daher kommt die Narbe am Oberarm vieler 50-Jährigen

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Von: Stella Henrich

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Die Älteren erinnern sich bestimmt an ihre Pockenimpfung als Kind. Erkennbar als kreisrunde Narbe am Oberarm. Für den ein und anderen bleibt sie bis zum heutigen Tag ein dramatisches Kindheitserlebnis.

München ‒ Mit der Impfpistole stand der Arzt neben den kleinen Patienten und schoss ihnen in den Oberarm. An der Einritzstelle des Geschosses entstand dann eine „geplante“ Infektion. Die Haut bildete eine Pustel - aus der eine runde Narbe resultierte. Sie ist bei vielen Menschen, die älter als 50 Jahre sind, oftmals noch heute am Oberarm zu erkennen.

Die Narbe erinnert an den erfolgreichen Kampf gegen die Pocken. Die Impfung galt als einzige Möglichkeit, die Verbreitung der Pocken zu stoppen. Aufgrund des Ausbruchs erster Fälle von Affenpocken in Deutschland wird die Impfung gegen Pocken wieder zum Gesprächsthema.

Pocken-Viren: Ausbrüche bis in die 60er Jahre in Europa

Noch in den 1950er und 1960er Jahren gab es in Europa schlimme Pockenausbrüche, welche durch Orthopockenviren ausgelöst wurden. Die Patienten litten unter schwerem Fieber und Schüttelfrost, ihr gesamter Körper war von Eiterbläschen bedeckt. Pocken waren kaum behandelbar, lediglich ihre Symptome konnten dank guter medizinischer Versorgung gelindert werden. Nicht selten verlief eine Pockenerkrankung sogar tödlich. Nach Angaben des Ärzteblatts starben bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Schätzungen zufolge bis zu zehn Prozent aller Kleinkinder an den Pocken.

Narbe einer Pockenimpfung auf dem Arm eines Person.
So sieht eine typische Pockennarbe aus, die viele ältere Menschen normalerweise am Oberarm dank einer Impfung haben. (Symbolbild) © fotototo xBlickwinkel/imago

Inzwischen gilt die Krankheit als ausgerottet. Im Mai 1980 verkündete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dann offiziell die Ausrottung des Pockenvirus. Allein im 20. Jahrhundert sollen rund 300 Millionen Menschen an der tödlichen Infektionskrankheit verstorben sein. Der Erreger verbreitete sich - ähnlich wie beim aktuellen Coronavirus SARS-CoV-2 - über eine Tröpfcheninfektion etwa beim Husten von Mensch zu Mensch. Die Infektion konnte aber auch durch das Einatmen von Staub passieren, etwa beim Ausschütteln von Kleidung oder Decken von Pockenkranken. 

Ausrottung der Pocken durchs Impfen

Pocken-Viren: Impfpflicht dämmte Virus-Erkrankung ein

Die weltweite Pocken-Impfpflicht zeigte bis Ende der 1960er ihre Wirkung, sodass die Pockenimpfpflicht in Westdeutschland im Jahr 1976 und in der DDR 1982 aufgehoben werden konnte – danach erfolgten meist nur noch Wiederholungsimpfungen. Noch heute belegen historische Impfscheine den Kampf gegen die Pocken. In Bayern war man besonders fortschrittlich - wie ein Dokument aus dem Jahr 1822 belegt. Bayern hat damals als erstes Land weltweit die Impfpflicht gegen Pocken eingeführt.

Ähnlich im Falle der Pocken kann auch das derzeit sich ausbreitende Affenpocken-Virus von Mensch zu Mensch übertragen (Live-Pressekonferenz) werden. Daher will Gesundheitsminister Karl Lauterbach in Abstimmung mit dem Robert-Koch-Institut für Deutschland eine Empfehlung zur Isolation und Quarantäne erarbeiten. Zudem werde über Impfempfehlungen für besonders gefährdete Personen nachgedacht. Er habe schon Kontakt mit einem Hersteller aufgenommen, der Impfstoffe spezifisch für Affenpocken herstellt, so Lauterbach. Das RKI empfiehlt aktuell eine Isolierung von Erkrankten von 21 Tagen.

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