Die Häuser am Marktplatz der Altstadt spiegeln sich im Wasser des Brunnens mit dem Denkmal der Warschauer Meerjungfrau
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Die Altstadt von Warschau mit dem Denkmal der Warschauer Meerjungfrau

Demokratie im Herzen Osteuropas

Polen: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Polen liegt zwischen Deutschland und den Baltischen Staaten sowie der Ukraine. Die Staatsgrenzen wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges neu festgelegt.

  • Die Geschichte Polens ist in den letzten Jahrhunderten durch die drei Teilungen und die Besetzung durch Nazi-Deutschland sowie die Zugehörigkeit zur sowjetischen Einflusssphäre geprägt.
  • Heute ist Polen eine parlamentarische Demokratie mit einer Bevölkerung von 38 Millionen Einwohnern.
  • Polen hat sich nach der Wende stark nach Westen orientiert, das Land ist Mitglied in der EU und NATO.

Warschau – Am 11. November 1918 wurde die Zweite Polnische Republik ausgerufen. Dieses Datum markierte den Beginn eines unabhängigen polnischen Staates, nachdem Polen jahrhundertelang unter preußischer, österreichischer und russischer Fremdherrschaft stand.

Polen: Die Geschichte von der Frühzeit bis zur Völkerwanderung

Polen war bereits in der Altsteinzeit besiedelt. In der Bronzezeit lebten verschiedene Stämme in dem heutigen polnischen Staatsgebiet und entwickelten unterschiedliche Kulturformen, unter anderem die Lausitzer Kultur, die heute beinahe als Hochkultur gilt. Nach der Eisenzeit zu Beginn der Antike ließen sich Kelten und Thraker in Polen nieder. Römer gelangten über die Bernstein-Straße nach Polen und trieben Handel mit den Bewohnern des Landes. Etwa zu Beginn der heutigen Zeitrechnung kam es zur Ansiedlung von Goten und Vandalen. Später ließen sich im Zuge der Völkerwanderung auch Balten und Westslawen in Polen nieder.

Polen: Die piastische Herrschaft

Um 900 wurde von Herrschern aus dem Hause der Piasten das Herzogtum Polen gegründet. Herzog Mieszko I trat im Jahre 996 zum katholischen Glauben über und ließ sich taufen. Dessen Sohn Boleslaus I ließ sich zum ersten König Polens krönen. Ihm gelangen große Expansionen des polnischen Staatsterritoriums in die Nachbarländer. In den folgenden Jahrhunderten kam es zur Aufteilung des Landes unter den Nachkommen von Boleslaus III.

Im Jahre 1138 existierten sechs Herzogtümer:

  • Großpolen
  • Kleinpolen
  • Schlesien
  • Pommern
  • Pommerellen
  • Masowien

Przemysl II beendete die Zersplitterung des Landes und ließ sich 1295 zum König Polens krönen. Ein Jahr später fiel der Piasten-König einem Mordanschlag zum Opfer. In der Folge bestiegen böhmische Könige den polnischen Thron. Danach konnten die Piasten Ladislaus I sowie Kasimir III die polnische Krone zurückerobern, bevor die Königslinie dieses Geschlechts ausstarb. Während ihrer Regentschaft trieben die Piasten die Besiedlung des Landes voran und warben verschiedene Gruppen als Siedler an, unter anderem:

  • Zisterzienser und Benediktiner
  • Juden
  • Angehörige des Deutschordens

Polen: Die Geschichte unter der Herrschaft der Jagiellonen und des Adels

Nach den Piasten bestiegen die Jagiellonen den polnischen Thron. Im Jahre 1386 gründete Ladislaus II das Doppelreich Polen-Litauen. Es hatte während der folgenden vier Jahrhunderte Bestand. Im Jahre 1410 gewann dieses Reich die Schlacht von Tannenberg gegen den Deutschen Orden. Damit stieg es zur führenden Macht in Kontinentaleuropa auf. Nach weiteren Siegen über den Deutschen Orden wurden dessen Gebiete in Osteuropa zu polnischen Lehen. Die Blütezeit des polnischen Staates unter den Jagiellonen währte bis zur Schlacht bei Mohacs im Jahre 1526 gegen die Osmanen: Das polnische Heer unterlag und verlor die Gebiete von Kroatien, Böhmen sowie Ungarn. Ende des 16. Jahrhunderts starben die Jagiellonen schließlich aus.

Polen wurde im Vergleich zu anderen europäischen Staaten sehr früh, bereits im Hochmittelalter zur Republik. Der „Sejm“ (die Ständeversammlung) wirkte an der Verabschiedung neuer Gesetze mit. Seit 1569 bildeten Polen und Litauen eine vereinte Adelsrepublik, in der Gewaltenteilung herrschte. Der König wurde gewählt, unter anderem entschieden sich die Adeligen für schwedische Herrscher aus dem Hause Vasa.

Polen: Die polnischen Teilungen

Nachdem die Adelsrepublik in zahlreiche Kriege, unter anderem mit dem Osmanischen Reich und Russland, verwickelt wurde, geriet Polen im 17. und 18. Jahrhundert in eine schwere Krise mit massiven inneren Unruhen. Der polnische Staat wurde so stark geschwächt, dass die mächtigen Nachbarländer Russland, Preußen und Österreich diese Notlage ausnutzen konnten und Polen mehrfach teilten. Der polnische Staat wurde in den drei Teilungen von 1772, 1793 sowie 1795 aufgelöst und die polnischen Gebiete den Nachbarländern zugeordnet. Der polnische König Stanislaus II. August Poniatowski wurde zur Abdankung gezwungen. Frankreich unterstützte die Bemühungen von polnischen Bürgern und Militärs, die Souveränität Polens wieder herzustellen. Mithilfe von Napoleon konnte durch den Frieden von Tilsit im Jahr 1807 das Herzogtum Warschau gegründet werden. Dieses ging jedoch nach der Niederlage Napoleons wieder unter. 1830 versuchte Polen im sogenannten Novemberaufstand, die russische Fremdherrschaft zu beenden. Der Aufstand wurde von der Zarenarmee blutig niedergeschlagen. Die Geschichte der folgenden Jahrzehnte war von einer intensiven Russifizierung und Germanisierung Polens gekennzeichnet.

Polen: Der Erste Weltkrieg und die Zwischenkriegsjahre

Deutschland und Österreich-Ungarn beschlossen bereits während des Ersten Weltkrieges, Polen als Staat anzuerkennen, um Russland zu schaden. Doch erst nach Kriegsende wurde im November 1918 eine unabhängige Zweite Republik Polen gegründet.

In der Zwischenkriegszeit ereigneten sich zahlreiche Auseinandersetzungen mit Russland um die polnischen Ostgrenzen. Auch innenpolitisch war diese Epoche der polnischen Geschichte von Unruhen geprägt, dennoch kam es zu einem lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung.

Polen: Vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart

Nachdem sich die Nationalsozialisten im geheimen Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 über die erneute Aufteilung Polens geeinigt hatten, überfiel die Deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 den Staat Polen und besetzte die westlichen Landesteile innerhalb weniger Tage. Die Rote Armee marschierte in Ostpolen ein. Die deutschen Besatzer ermordeten Millionen Polen und Juden. Am 1. August 1944 begann der Warschauer Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die alliierten Siegermächte eine Verschiebung der polnischen Staatsgrenzen nach Westen. Massive Umsiedlungen und Vertreibungen von Polen, Deutschen, Ukrainern und Weißrussen waren die Folge. Polen geriet unter den Einfluss der Sowjetunion, die in dem Land eine Volksrepublik etablierte. Polen wurde ein sozialistischer Bruderstaat und Mitglied im Warschauer Pakt.

Nach dem Zusammenbruch des Sowjet-Reiches und der Befreiung Polens durch die Solidarnosc-Bewegung fanden in Polen 1989 die ersten freien Wahlen statt. Das Land wurde zur Dritten Freien Republik Polen und trat 1999 der NATO sowie 2004 der EU bei.

Polen: Geografie und Städte

Polen hat eine Landfläche von 312.696 Quadratkilometern. Die Küstenlinie an der Ostsee erstreckt sich über eine Länge von 524 Kilometern. Die Geografie des Landes weist eine von Norden nach Süden verlaufenden Strukturierung auf, die sich folgendermaßen gliedert:

  • Küstenstreifen mit Hinterland
  • ausgedehnte Tiefebene
  • Hügelländer
  • Vorgebirge und Gebirge

Knapp ein Drittel der Landesfläche Polens ist bewaldet, vor allem mit Kiefern und Birken. Polen hat 23 Naturreservate und gehört damit zu den europäischen Ländern mit den meisten Naturschutzgebieten. Die bekanntesten Naturparks sind dabei der Białowieża-Nationalpark sowie der Tatra-Nationalpark.

Vier große Flüsse durchqueren Polen, dabei handelt es sich um:

  • Weichsel
  • Oder
  • Warthe
  • Bug

Warschau ist die Hauptstadt Polens und mit einer Bevölkerung von 1,8 Millionen die größte Stadt des Landes. Darüber hinaus haben vier weitere Städte mehr als eine halbe Million Einwohner:

  • Krakau
  • Lodz
  • Breslau
  • Posen

Polen: Staatliche Ordnung und Politik

Der polnische Staat ist als parlamentarische Demokratie organisiert. Sie weist eine föderale Struktur auf und ist in 16 Woiwodschaften eingeteilt. Das polnische Parlament besteht aus den zwei Kammern: Sejm und Senat. Der polnische Präsident ist das Oberhaupt des Staates und wird alle fünf Jahre direkt von den stimmberechtigten Bürgern gewählt. Seit 2015 hat dieses Amt Andrzej Duda inne.

In Polen bestimmen diese Parteien maßgeblich die Politik:

  • Die Pis-Partei für Recht und Gerechtigkeit
  • Die liberale Bürgerplattform PO
  • Die polnische Volkspartei PSL

Polen: Bevölkerung und Sprache

In Polen leben rund 38 Millionen Einwohner. Das Land weist eine Bevölkerungsdichte von 122 Bewohnern pro Quadratkilometer auf. Die west-slawische, indogermanische Sprache Polnisch ist die Amtssprache.

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